Kunst, die wie Wirklichkeit wirkt(02.11.2015) Der Titel der Werkreihe der Künstlerin Barbara Wagner, die neben anderen Werken seit Samstag in der Ardenku-Galerie zu sehen ist, lässt mich zuerst an eine Geschichte denken. Bei genauerer Betrachtung dieser und ihrer anderen Werke erzählen die Bilder und Objekte irgendwie auch Geschichten – für jeden Betrachter  andere, wie das bei Wahrnehmung immer so ist. Jeder hat seine eigene Wirklichkeit und selbst die verschwindet mit der räumlichen und zeitlichen Entfernung, wird unscharf und wandelt sich in der Erinnerung in ein anderes, vielleicht schöneres, vielleicht schlimmeres Bild.

Laudator Rouven Lotz und Künstlerin Barbara Wagner
Rouven Lotz & Barbara Wagner vor einem Teil vom „Verschwinden der Wirklichkeit“

Im Fall der Werke von Barbara Wagner entstehen schöne Bilder, weil ihr Werkstoff heller Bienenwachs ist, der Ruhe und Freundlichkeit ausstrahlt. Mit diesem Wachs behandelt die aus Zürich stammende und heute in Wetter lebende Künstlerin Momentaufnahmen der Wirklichkeit wie Fotos oder Handschriften. Durch die Bearbeitung mit Wachs wirken die vormals klaren Aufnahmen verblasst und unscharf wie vergangene Ereignisse.

Man merkt, ich bin von den Kunstwerken und dem Ansatz der Künstlerin fasziniert und habe – wie ich gerade feststelle – völlig vergessen, mich mit ihren anderen Bildern und Objekten zu beschäftigen. Das werde ich nacharbeiten und letztlich muss jeder Kunst selbst entdecken – in der Ardenku-Galerie ist bis zum 6. Februar in der Woche tagsüber und nach Vereinbarung Zeit dafür.

Werke von Barbara Wagner im Galerie-FlurBarbara Wagner ist 1959 in Zürich geboren und in einem kunstsinnigen Umfeld aufgewachsen, in dem ihr Talent und ihre Freude, sich kreativ auszudrücken, schon früh gefördert wurden, nicht zuletzt, weil es bereits einige Künstler in ihrer Familie gab. Nach dem Abitur hat sie an der Schule für Gestaltung in Zürich Zeichnung, grafische Drucktechniken und plastisches Gestalten studiert, was sie heute in ihrer eigenen Malschule in Wetter an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weitergibt. Ihr Schwerpunkt aber ist das eigene künstlerische Schaffen, das mit Arbeiten in der Fläche begonnen hat und heute in ihren Installationen in den Raum hineinreicht. Für beides sind Beispiele in der Ausstellung im Ardenku-Verlag zu sehen.

Die Idee, mit Wachs zu arbeiten, liegt bei ihr nahe, weil ihr Vater Imker war und sie im Umfeld des Werkstoffs aufgewachsen ist. So richtig zum Tragen kam der Bezug allerdings erst, als sie für das Projekt „Das Verschwinden der Wirklichkeit“ ein konservierendes Element suchte. Seither dominiert das Material ihre Arbeiten, wobei sie weiterhin auch mit anderen Stoffen experimentiert und zeichnet. Ich habe auf jeden Fall einen Besuch der Ardenku-Galerie und des Ateliers von Barbara Wagner auf meine To-Visit-Liste geschrieben, auch um zu sehen, wie genau das mit dem Wachs funktioniert 🙂 © Birgit Ebbert

www.ardenkugalerie.de

www.barbara-wagner.com