(15.02.2014) Seit vor einem guten halben Jahr mein erster Roman für Erwachsene erschienen ist, beschäftigt mich die Frage, wann ein Schriftsteller ein Schriftsteller ist. Meine Freundin, Frau P. war es, die mich darauf gebracht und mir den Gehirnwurm in den Kopf gesetzt hat. Kaum hielt sie das Buch in der Hand, wollte Frau P. wissen, ob ich nun Schriftstellerin wäre. Im ersten Moment habe ich das weit von mir gewiesen und mich im zweiten Moment gefragt, was einen Schriftsteller eigentlich ausmacht.

Schon als Kind habe ich davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Darunter habe ich mir jemanden vorgestellt, der den ganzen Tag Geschichten schreibt. Nun schreibe ich schon seit geraumer Zeit Geschichten – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Bin ich etwa schon Schriftstellerin? Dem musste ich nachgehen.

Wie in alten Zeiten habe ich in meiner guten alten Meyers Enzyklopädie nachgeschaut und blieb erst einmal an einem Artikel von Walter Kempowski hängen, der über „Der Schriftsteller und sein Publikum“ schreibt und als „Romanautor und Lehrer an einer Volksschule“ vorgestellt wird. Mhm, vielleicht ist Autor ja die bedeutendere Bezeichnung?

In der Enzyklopädie erfahre ich, dass man bis ins letzte Jahrhundert hinein jemanden als Schriftsteller bezeichnet hat, wenn er Prosa verfasst hat. Heute allerdings, so Meyers Enzyklopädie 1977, dürfen sich alle, die Literatur produzieren – auch wenn sie Sach- oder Drehbücher schreiben – Schriftsteller nennen. Danach wäre ich also schon seit vielen Jahren Schriftstellerin.

So ganz kann ich das nicht glauben. Ich käme mir wie eine Hochstaplerin vor, wenn ich mich – trotz der 20 erzählenden Kinder- und Jugendbücher – als Schriftstellerin bezeichnen würde. Zur Vorsicht schaue ich im Internet, was der Duden sagt. Mit dessen Einschränkung, dass jemand Schriftsteller ist, der beruflich literarische Werke verfasst, habe ich kein Problem.

Um ganz sicherzugehen, werfe ich einen Blick auf die Aufnahmevoraussetzungen für den Verband deutscher Schriftsteller. Dort kann Mitglied werden, wer eine (!) nicht selbst finanzierte Buchveröffentlichung vorweisen kann. Tja, Frau P. Danach kann ich schon jetzt auf meine Visitenkarten „Schriftstellerin“ drucken lassen – du aber auch und noch viele andere, die ich nicht als Schriftsteller bezeichnen würde.

Was lerne ich daraus? Manche Fragen kann nur jeder für sich selbst beantworten, ich fühle mich im Moment noch nicht als Schriftstellerin, sondern mehr als Autorin. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das, wenn ich den nächsten Roman in den Händen halte. © Birgit Ebbert

P.S. Eigentlich hätte sich die Frage auch für eine Blogparade oder ein Blogstöckchen geeignet. Aber dafür habe ich gerade keine Zeit, wer dennoch darüber bloggen möchte, dessen Artikel verlinke ich gerne.