(24.08.2019) Gestern Abend war es wieder soweit, die Schlossspiele Hohenlimburg wurden mit einer außergewöhnlichen Theaterpremiere eröffnet. Intendant Dario Weberg und der Freundeskreis Schlossspiele Hohenlimburg hatten sich dafür etwas ganz Besonderes ausgedacht: Warten auf Godot! Keine leichte Theaterkost, aber dank der gelungenen Inszenierung von Indra Janorschke vom Theater an der Volme und der hervorragenden Leistungen der Darsteller war sie gut zu verkraften und Gesprächsstoff gab es obendrein auch genug 🙂

Warten auf Godot

Das letzte Mal, als ich das Stück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett auf der Bühne gesehen habe, war 2002 im Bochumer Schauspielhaus mit Harald Schmidt in der Rolle des Lucky, ich weiß noch, dass Ernst Stötzner den Estragon spielte. Und ich hatte tatsächlich die Story oder sagen wir den Ablauf des Stückes noch im Kopf: Estragon und Wladimir treffen sich, um auf Godot zu warten. Dabei denken sie über das Leben und das Warten nach und vermuten in jedem Passanten Godot, denn leider kennen sie Godot noch gar nicht. Da kommt Herr Pozzo mit seinem Diener-Sklaven Lucky vorbei. Eine willkommene im Einerlei des Wartens, wenn die beiden auch äußerst seltsam erscheinen. Trotzdem, die Zeit vegeht und auf einmal überbringt ein Junge die Botschaft, dass Godot an diesem Abend nicht mehr kommen wird. Aber ganz bestimmt am nächsten Abend. Natürlich sind Estragon und Wladimir erneut zur Stelle und warten, denn heute will Godot kommen – am nächsten Abend oder am übernächsten Abend? Der Baum hat inzwischen Blätter bekommen und als Pozzo und Lucky vorbeikommen, wirken auch diese deutlich gealtert. Wann ist was passiert? Und ist es überhaupt wirklich geschehen oder nur im Traum? Die Antwort auf die und viele andere Fragen, die sich im Stück ergeben, muss jeder selbst finden.

Die Inszenierung im Schlossgarten

Wer Warten auf Godot sieht, mit reduzierter Kulisse und wenig Action auf der Bühne, mag sich denken, na, das ist ja einfach zu spielen, man muss nur den Text beherrschen. Weit gefehlt, gerade bei einem solchen Stück, muss jeder Schritt, jede Geste, jede Mimik und jedes Wort sitzen, damit das Publikum dabei bleibt und gespannt auf den nächsten Moment wartet. Das ist in dieser Inszenierung wirklich gut gelungen. Es war beeindrucken, Dario Weberg (Estragon), Simon Jakobi (Wladimir) und Stefan Schroeder (Pozzo) wieder in solchen Rollen zu sehen, nach den Komödien, in denen ich sie erlebt habe. Das war großes Theater. Ja, natürlich war auch Martin Semmelrogge als Lucky gut, aber ihn habe ich vorher nicht live in anderen Rollen gesehen und er konnte in der Rolle des Lucky sich und seine „Lebensrolle“ einbringen. Das war gut und wichtig für die Inszenierung, aber die außergewöhnliche Leistung haben für mich die drei Hagener Schauspieler gezeigt. Da hätte ich gerne bei den Proben Mäuschen gespielt, bis jeder Blick und jede Bewegung saß 🙂 Anders als 2002 habe ich dieses Mal die Inszenierung natürlich auch mit dem Bloggerinnen-Blick gesehen und mich gefragt, was einen an dem Stück so fasziniert. Am Inhalt natürlich die indirekte Aufforderung, darüber nachzudenken, auf welchen „Godot“ wir warten, warum wir unsere Träume zurückstellen bis zu dem Tag, an dem „Godot“ kommt. Trotzdem wird das Stück nicht zu anstrengend, weil sich die grundlegenden Fragen mit skurrilen Szenen abwechseln, bei denen man sich wieder entspannen und konsumierend zurücklehnen kann. Ich habe mit drei Frauen gesprochen, die die Aufführung besucht haben, um ihr Godot-Trauma aus der Schule aufzuarbeiten. Bis zur Pause hatte es sich leicht verflüchtigt, ich hätte gerne gewusst, wie das am Schluss war, aber da habe ich sie verpasst.

Über die Schlossspiele Hohenlimburg

Da ich demnächst wieder in mein diesjähriges Teilzeit-Zuhause in Gotha fahre, werde ich vermutlich nicht noch einmal in den Genuss der Schlossspiele kommen. Aber ihr solltet sie nicht verpassen. Es ist zwar sehr schade und unverständlich, dass der Fürst die Schlossspiele in den Schlossgarten verbannt hat, aber der Freundeskreis Schlossspiele Hohenlimburg hat auch aus dieser Situation das Optimum herausgeholt. Der Garten ist liebevoll dekoriert, es wird gegrillt und in diesem Jahr gibt es neben den üblichen Getränken Cocktails mit und ohne Alkohol, sodass man sich in den Abend dort gemütlich eingrooven und ihn ebenso gemütlich ausklingen lassen kann. Das alles wird ehrenamtlich gemanagt. Ja, ich weiß, in Hagen gibt es so viele Projekte, die ohne Ehrenamt nicht funktionieren, aber das müsst ihr euch trotzdem anschauen. Es war schon immer viel Arbeit, die Schlossspiele im Schlosshof zu organisieren, aber durch die Verlegung in den Schlossgarten kamen so viele Aufgaben hinzu – trotzdem sind alle gut gelaunt, sodass man sich als BesucherIn wohlfühlt. In diesem Jahr gibt es für das Team ein Special am 9. September, einen Kinoabend mit Martin Semmelrogge, der Oberbürgermeister und andere, die sonst als Gäste im Zuschauerraum sitzen, übernehmen das Catering und die Ehrenamtlichen können einen Abend genießen. Ich werde dann leider in Gotha sein, sonst hätte ich mich als Dankeschön für die schönen Festspieltage zum Grillen, Spülen oder Kellnern einteilen lassen 🙂 Mehr Informationen über die Veranstaltung werden sicher noch kommuniziert, jetzt stehen ja erst mal die nächsten beiden Festspielwochen an. Hier findet ihr das Programmheft mit „Warten auf Godot“, Musik und vielen anderen Angeboten. Viel Spaß und berichtet, wie es euch gefallen hat und nehmt euch die Zeit, auch die wunderbare Illumination des Schlosses von Atomic Nightlife Events aus Hagen anzuschauen. © Birgit Ebbert

Das Programm der Schlossspiele Hohenlimburg in der Übersicht

Weitere Informationen: www.schlossspiele.de

Und hier noch ein paar Fotos

(Carsten Kunz, Vorsitzender vom Freundeskreis Schloss-Spiele Hohenlimburg e. V. bei seiner angenehm kurzen Begrüßung // Indra Janorschke, Regisseurin bei ihrer kurzen Einführung // die oben erwähnten Darsteller // Richard Verbeek als Junge, der die Botschaft von Herrn Godot überbringt)