(27.02.2019) Zu den Aufgaben als StadtschreiberIn in Gotha gehört, eine Kolumne für die Thüringer Allgemeine mit Artikeln zu füllen. Die Beiträge werden am Ende der Stadtschreiberzeit in einem kleinen Büchlein veröffentlicht, das ist sehr praktisch, weil ich mich so ein wenig in die Besonderheiten der Stadt einlesen kann. Allerdings habe ich beim Lesen irgendwann festgestellt, dass das Büchlein auch den Nachteil hat, dass viele Dinge schon gesagt und beschrieben wurden. Eine Herausforderung, aber ich kann sowieso nicht alles, was ich in Gotha erlebe, in die Artikel packen. Und mein Blog möchte auch gefüttert werden 🙂 Und damit dieser Beitrag nicht nur eine Zusammenfassung der „Blicke“ sind, habe ich die früheren StadtschreiberInnen um Antwort auf drei Fragen gebeten. (Von Ursula Muhr 2010 und Christoph Kuhn 2008 habe ich keine „Blicke auf Gotha“ in der Wohnung gefunden, also nicht wundern.) Eigentlich wollte ich alle meine Erkenntnisse und Antworten zusammen veröffentlichen, aber dann würde der Artikel doch lang, daher kommen die Beiträge in Häppchen, wenn die Antworten reinkommen 🙂

Annette Weber (2017)

Das war die erste Überraschung, als ich Stadtschreiberin wurde, dass Annette Weber, Autorin aus Bad Lippspringe und Stadtschreiberin 2017, meine Vorvorgängerin ist. Sie kenne ich schon länger, wir schreiben in den gleichen Verlagen, sind in Foren vernetzt und treffen uns bei Facebook. In ihren Facebook-Postings hatte ich, das fiel mir dann ein, auch ein Foto vom verschneiten Schloss Friedenstein gesehen. Als ich die „Blicke auf Gotha“ von Annette, las, musste ich schmunzeln. Die Speisekarte des Mehrgenerationenhauses, die sie erwähnt, ist mir schon beim letzten Besuch aufgefallen und die Frage, wohin mit dem Auto, kommt mir auch bekannt vor. Andererseits kenne ich das Thema mit dem Ausladen in der Fußgängerzone und fühlte mich insofern in der Innenstadt Gothas gleich heimisch. Verblüfft hat mich ihr Beitrag über Wilhelm Hey, von dem ich bis Weihnachten noch nichts gehört hatte. Zu Weihnachten bekam ich ein altes Lesebuch geschenkt und fand darin das Gedicht „Papierdrache und Vogel“. Es ist eben alles irgendwie miteinander verbunden. Gemerkt habe ich mir auf jeden Fall den „Mysteriengarten“, von dem sie berichtet ha, und wenn ich sehe, dass der Handglockenchor irgendwo spielt, werde ich sicher dabei sein. Auch werde ich den Geschwistern Weisheit auf den Fersen sein, immerhin sind die schon mal an meinem Fenster in Hagen auf dem Hochseil vorbeigefahren 🙂

Woran erinnerst du dich besonders gerne aus deiner Gotha-Zeit als StadtschreiberIn?
An Menschen, die mir ganz persönliche Freunde geworden sind, an die schöne Innenstadt, an den gemütlichen Nachmittag im Garten der Wilhelm-Hey-Gesellschaft, an meine Lesung aus meinem Jugendroman, der in Gotha entstanden ist, an Besuche von meiner Familie und von Freunden, die sehen wollten, wo ich gelandet war, an Fahrradtouren, an Begegnungen am Schmalen Rain, an Bach und Luther und an die Erdmännchen im Tierpark.

Zu welchen Geschichten hat Gotha dich inspiriert und was ist aus dem Manuskript geworden, das du im Rahmen des Kurd-Laßwitz-Stipendiums verfasst hast?
Ich habe einen Jugendroman verfasst, der in Gotha spielt. Gotha ist nur zufällig Schauplatz, Hauptblickpunkt des Romans aber ist die Gefahr durch eine Internetplattform, aber ich bin durch Gotha gestreift und habe immer wieder überlegt, wo er spielen könnte. Der Roman ist im Verlag „Edition Zweihorn“ veröffentlicht, und ich lese oft aus ihm, wenn ich zu Lesungen eingeladen bin.

Was nimmst du für Leben und Arbeit mit aus Gotha?
Es war eine spannende Erfahrung, an einem Ort neu zu beginnen, an dem ich niemanden kannte. Dass ich das gewagt habe, hat meinem Selbstbewusstsein gut getan. Außerdem habe ich seitdem eine große Liebe zu Thüringen, das ich vorher noch viel zu wenig kannte – und natürlich ganz besonders zu Gotha.

Internetseite von Annette Weber

Blog von Annette Weber

Rebekka Knoll (2013)

Foto: Andreas Pohr, von mir quadratisch zugeschnitten

Rebekka Knoll war die jüngste Stadtschreiberin 2013 und wohl auch bis heute. In ihrer Kolumne klingt es so, als hätte sie ihren ganzen Hausstand aus Berlin mitgebracht, was sein kann, da sie kurz zuvor ihr Studium der Theaterwissenschaft in Berlin abgeschlossen hatte. Sie erzählt nicht nur aus ihrem Schreiballtag, sondern schildert auch einige Experimente, auf die sie sich eingelassen hat inkl. Geocaching in Gotha, den ich mir für meine Kolumne ebenfalls vorgenommen hatte. Spannend finde ich ihr Projekt „Tapetenschreiber“, da hätte ich gerne auch ein Foto gesehen.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne aus Ihrer Gotha-Zeit als StadtschreiberIn?
In Gotha habe ich liebe Freunde gefunden, mit Schülern ein tolles Projekt auf die Beine gestellt und vor allem viel Zeit zum Schreiben gehabt. Besonders gern denke ich dabei an zwei Orte zurück: Das leerstehende Haus, das wir im Projekt „Tapetenschreiber“ mit Geschichten gefüllt haben, und die Stadtschreiberwohnung, in der ich  „Geliebte Angst“ geschrieben habe.

Zu welchen Geschichten hat Gotha Sie inspiriert und was ist aus dem Manuskript geworden, das Sie im Rahmen des Kurd-Laßwitz-Stipendiums verfasst haben?
Mein Jugendthriller „Geliebte Angst“, der in Gotha spielt, ist 2015 bei cbt erschienen.

Was nehmen Sie für Leben und Arbeit mit aus Gotha?
Ich habe für mich gelernt, dass der Alltag als Schriftstellerin absolut nicht einsam sein muss, sehr vielfältig sein kann und großen Spaß macht. Außerdem habe ich Gotha als inspirierenden Ort mit lieben, offenen Menschen erlebt, an die ich sehr gern zurückdenke.