(01.04.2019) Auch wenn ich gerade in Hagen ziemlich eingespannt bin :-), habe ich Gotha doch immer noch im Blick und im Herzen. Inzwischen sind auch zwei weitere Antwortmails von früheren Stadtschreiberinnen eingetroffen, die ich euch gerne weiterleite. Die Liste der Orte und Events, die ich besuchen möchte, ist schon wieder gewachsen 🙂

Sonja Ruf (2014)

Foto: Franziska Ruf

Die Autorin und Journalistin Sonja Ruf aus Saarbrücken beschreibt in ihren Kolumnen ihren Schreib- und Lebensalltag in Gotha und lässt die Leser teilhaben an Begegnungen mit Menschen in der Stadt und Erlebnissen, auf die ich auch schon neugierig bin. „Gotha glüht“ hat sie zum Beispiel hier erlebt und das Barockfest, beide Termine stehen schon seit Monaten in meinem Kalender 🙂 Aber sie hat auch viel Zeit in der Natur verbracht und mich auf den Seeberg hingewiesen, der mir bisher noch nicht begegnet war – ja, meine Wahrnehmung ist sehr kulturlastig 🙂

Woran erinnern Sie sich besonders gerne aus Ihrer Gotha-Zeit als StadtschreiberIn?
An den Anblick von Schloss Friedenstein.
An die Orchideenbeschützer vom Seeberg.
An meine Spaziergänge auf dem Seeberg und dem Krahnberg.
Daran, dass mich einmal im Wald ein Mann ansprach, weil ihn meine Kolumne berührt hatte.
An die Straßenbahnfahrten nach Tabarz.
An die vielen Geschenke, die mir einfach so zusätzlich zur geschenkten Zeit und der großen Stadtschreiberwohnung, gemacht wurden: Geschichten, Einladungen zum Konzert, die Jahreskarte zu den Museen, Bücher (eine herrliche englische Ausgabe von Alice im Wunderland, ein Prachtband über Gotha) und vieles andere mehr.
Das Schönste für mich war, dass ich eine Funktion für die Stadt zu haben schien.

Im Innenhof von Schloss Friedenstein

Ich könnte jetzt eine ganze Reihe von Menschen nennen, die mir in Gotha wichtig waren – aber ich habe Bedenken, die Nicht-Genannten zu beleidigen, deshalb nenne ich lieber niemanden, aber ich freue mich über jeden und jede, der, die zu meiner Lesung kommt.
Die Antiquariate und Buchhandlungen, die Stadtbücherei, die Kurse in Kreativem Schreiben, die ich gab, die mir anvertrauten Schlüssel! Die große Abschiedsveranstaltung für mich. Die vielen Lesungen, die in Gotha für mich veranstaltet wurden, und deren waches und intelligentes Publikum.
Es freut mich, dass ich ein paar Teilnehmerinnen meiner Gothaer Kurse so mit der Schreiblust geküsst habe, dass sie bis heute weiter literarisch schreiben.

Zu welchen Geschichten hat Gotha Sie inspiriert und was ist aus dem Manuskript geworden, das Sie im Rahmen des Kurd-Laßwitz-Stipendiums verfasst haben?
Die Kolumnen, die ich für die Thüringer Allgemeine schrieb, sind Ausdruck der Inspiriertheit durch Gotha, auf das ich mich wirklich einließ. Hier offenbaren sich meine allerinspiriertesten Gothaer Momente. Die Kolumnen sind zeitlos und ich verkaufe „Blicke auf Gotha“ immer wieder bei meinen Lesungen, egal wo ich bin, ob am Wohnort Saarbrücken oder sonstwo.
Das Kinderbuchmanuskript wurde in drei Fassungen geschrieben. Eine erste Fassung ruht im Rathaus, mit dieser Fassung nahm mich eine Agentur unter Vertrag, verlangte allerdings auch Änderungen und war mit einer zweiten geänderten Fassung nicht zufrieden. Ich schrieb also einen dritten Kinderroman (jedesmal, also dreimal, zwischen 100 und 200 Seiten), dieser dritte Roman wurde in Bausch und Bogen abgelehnt und ruht jetzt auf meinem Dachboden, ich mag nicht mehr… Ich habe also weit über die in Gotha finanzierte Zeit hinaus daran gearbeitet, viele Monate Lebenszeit ohne das Ergebnis einer Veröffentlichung. Aber das war meine Schuld, ich hätte mir nicht so viel vornehmen sollen. In der dritten Fassung lädt der Oberbürgermeister von Gotha die Königin Elisabeth von England nach Gotha ein. Genau im Augenblick des Festaktes im Schloss Friedenstein während des Barockfestes öffnet sich eine Klappe im Boden -. Unter der Erde verstecken sich die Gothaer Schatzgräber in den Kasematten. Während die Kinder der Grabenden glauben, es ginge um den Schatz des Hänsel Tausendschön, geht es der Chefin der Schatzgräberbande um etwas ganz anderes…
Das Buch ist vom ersten bis zum letzten Wort dreimal geschrieben worden, aber – vergeblich?
Je nun, vielleicht gehe ich irgendwann noch einmal an diese Arbeit.

Was nehmen Sie für Leben und Arbeit mit aus Gotha?
Glanz in meinem Herzen. Das Gefühl, ein paar Monate lang etwas Besonderes gewesen zu sein. Und Kaffee. Ja, denn seither, also seit vier Jahren, bestelle ich meinen Kaffee in Gotha. Ich habe mich an meine morgendliche Gotha-Mischung so sehr gewöhnt, dass ich sie nicht missen möchte.

Informationen über Sonja Ruf bei Literaturport

Claudia Engeler (2009)

Claudia Engeler aus Zürich ist die einzige Autorin, deren Kinderbuch aus ihrer Gotha-Zeit im Bücherregal zu finden ist. Eine Geschichte über Freundschaft und Frieden illustriert mit Collagen von Bildern aus Gotha. Wir scheinen also die Leidenschaft für Papier gemeinsam zu haben, weshalb ich besonders neugierig auf ihre „Italienischen Blicke auf Gotha“ war. Als erstes erfahre ich dort, dass Professor Galletti schon vor 200 Jahren befunden hat, dass Gotha die schönste Stadt Italiens ist. Und Claudia Engeler hat einige Indizien dafür gefunden. Über das Ekhof-Theater hat sie geschrieben und über die Sternwarte, sie war auf dem Hauptfriedhof und in geheimen Ecken im Schlosspark, beides steht auch auf meiner To-Visit-Liste. Von ihr weiß ich auch, was es mit dem Laden „Pinnow“ auf sich hat, an dem ich auf dem Rundgang durch die Stadt vorbeikomme und werde versuchen herauszufinden, warum das Bellini Bellini heißt, wenn ich die Antwort nicht doch schon bei einem der nachfolgenden Stadtschreibern finde.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne aus Ihrer Gotha-Zeit als Stadtschreiberin?
Traumhaft war die freie Zeit zum Schreiben. Ich habe es genossen, bis in die Nacht hinein zu texten und Collagen anzufertigen. Fern von der Familie und ohne Arbeitsverpflichtung schien mir die Freiheit grenzenlos zu sein.
Dann hatte ich die einmalige Gelegenheit, eine schöne Stadt kennen zu lernen und in Deutschlands «Mitte» zu leben. Zwar lebe ich heute in Rom, aber Gotha ist und bleibt «die schönste Stadt Italiens.»
Die Menschen bleiben mir bis heute, dank ihrer Gastfreundschaft und Freundlichkeit, unvergessen.

Zu welchen Geschichten hat Gotha Sie inspiriert und was ist aus dem Manuskript geworden, das Sie im Rahmen des Kurd-Laßwitz-Stipendiums verfasst haben?
Neben den Kolumnen, die als Büchlein «Italienische Blicke auf Gotha» herausgegeben worden sind, konnte ich beim Sutton Verlag, Erfurt das Kinderbilderbuch «Der Friedenskuss» und beim Projekte Verlag, Halle das Jugendbuch «Stella kehr heim» publizieren. Die Kolumnen, das Kinderbilderbuch und das Jugendbuch handeln von bzw. spielen in Gotha.

Was nehmen Sie für Leben und Arbeit mit aus Gotha?
Die Zeit in Gotha verbinde ich mit der Erinnerung an einen der schönsten Momente meines Lebens. Gotha und seinen Menschen bin ich für das halbe Jahr, das ich ihrer Stadt verbringen durfte, für immer dankbar. Als arbeitstätige Mutter von vier Kindern war diese Zeit, die ich der Kreativität widmen durfte, ein einmaliges Geschenk.

Website von Claudia Engeler: www.claudia-engeler.com