(02.01.2015) Noch nie ist es mir so schwer gefallen, das zurückliegende Jahr in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Wenn ich zurückschaue, kommt es mir vor, als schaute ich in ein Kaleidoskop. Ständig schieben sich andere Ereignisse, Begegnungen und Erkenntnisse voreinander. Ich habe den Eindruck, ich hätte gleichzeitig im Jetzt gelebt und viel gesehen, gelesen, gesprochen und gedacht und für die Zukunft geschrieben. Vielleicht liegt es daran, dass ich im letzten Jahr besonders viele Bücher geschrieben habe, die in 2015 erscheinen werden.

Schaue ich nämlich auf meine Website, stelle ich fest, dass im letzten Jahr neben dem monatlichen Wetter-Krimi drei Lernhilfen, zwei Kinderbücher, ein Spielebuch und eine Sammlung von Vorlesegeschichten in Verlagen erschienen sind. Daneben habe ich einige E-Books in der Edition Migamte auf den Weg gebracht, leider musste ich das E-Book-Experiment dann zurückstellen, weil sich neue Verlagsprojekte ergeben haben. Außerdem hatte ich einige interessante Veranstaltungen:

  • einen Vortrag in der Autostadt, in der bei meinem Besuch der einzige Schnee des letzten Winters lag,
  • eine Wohnzimmerlesung, die mir soviel Freude bereitet hat, das ich gleich mal eine Wohnzimmerlesung verlosen werde
  • die Lesung in der Kooperative K, die mich zu meiner ganz eigenen Lyrik-Form inspiriert hat,
  • die Lesung aus meinem Krimi „Brandbücher“ in Münster, der ich mit widersprüchlichen Gefühlen entgegen gesehen habe und die mich dann so motiviert hat
  • die Lesung im Bunkermuseum, für die ich eine Geschichte über den Alltag im Bunker geschrieben habe, die mit der Bemerkung: „Sie haben das geschrieben, als wären Sie selbst dabei gewesen“ belohnt wurde.

Wie ich es trotz der Arbeit an den Büchern und dieser und anderer Veranstaltungen geschafft habe, noch ins Theater und Museum zu gehen, Ausflüge zu machen und Bücher zu lesen, ist mir ein Rätsel. Aber das ist auch nicht wichtig, wichtig waren die Erlebnisse, an die ich mich gerne und oft erinnere. Da war zum Beispiel der Besuch von „Starlight Express“, auf den ich 25 Jahre gewartet habe, fast so lange wie der Besuch eines Konzerts von Reinhard Mey, den ich mir 2014 geschenkt habe. Sehr berührt hat mich das Stummfilm-Konzert „Faust“, weil es gezeigt hat, dass man scheinbar Vergessenes neu beleben kann – quasi Upcycling für Filmgeschichte, ja auch Upcycling war ein Thema für mich 2014, wenn auch noch theoretisch, mal sehen, ob 2015 Praxis daraus wird.

Dann war da 2014 die Ausstellung „Weltenbrand“, die mir erstmals den ersten Weltkrieg nahe gebracht hat, und natürlich die mit Grafiken von Henri Toulouse-Lautrec, der uns mit seinen Werken in eine inspirierende Halbwelt entführt. Ein Highlight war auf jeden Fall der Besuch des Historischen Jahrmarkts in Bochum, dessen Termin für 2015 bereits im Kalender steht, auch, weil ich dort mit der „Retterin der Karussellpferde“, Susanne Fredebeul, verabredet bin, die ich zu Hause besuchen durfte und die sich mit einem eigenen Karussell einen Kindheitstraum erfüllt hat.

Neben der Recherche über Anne Frank, das Ruhrgebiet, Leibgerichte der 30er bis 50er Jahre für Bücher, die 2015 erscheinen, habe ich 2014 weitergedacht. Unter anderem tauchte Erich Kästner plötzlich wieder auf und ich habe im Literaturarchiv Marbach seine Briefe gelesen, ich bin gespannt, was aus den neuen Erkenntnissen 2015 wird. Das gilt ebenso für das Thema „Entartete Kunst“, das sich mir mit der Ausstellung „Berliner Skulpturenfund – Entartete Kunst im Bombenschutt“ auf dem Präsentierteller darbot. Die Artikelreihe zu der Ausstellung hat mich motiviert, ein Exposé zu schreiben, da bin ich gespannt, ob ich 2015 einen Verlag für das Projekt finden werde.

Ach, es gab so viele Glitzersteine in meinem Lebenskaleidoskop 2014, das Treffen einer Facebook-Gruppe an der Blätterhöhle fällt mir ein und die Begegnung mit dem Flohzirkus-Direktor Robert Birk, der Besuch im Besucherbergwerk der Zeche Nachtigall, wo ich – wie bei der Fahrt mit dem Riesenrad – über meinen Schatten springen musste und nachher froh war, dass ich das getan hatte. Die zahlreichen Erlebnisse im TheaterHagen, Theater an der Volme und im Schauspielhaus Bochum gehören ebenso dazu wie die Ausstellungen, nicht zu vergessen das Luft holen am Gradierwerk in Hamm und die Elefantenparade …

Und da sind noch nicht die virtuellen Begegnungen und Erlebnisse dabei, meine Blogparade „Meine Stadt von A bis Z“, durch die ich viele neue Menschen kennengelernt habe, die „Gespräche“ über den Facebook-Chat und die Diskussionen im Forum des Texttreffs, einem Netzwerk wortstarker Frauen. Apropos Netzwerk, apropos Austausch, es gab so viele inspirierende Begegnungen im letzten Jahr, dass ich jetzt aufhöre.

Aber das muss ich doch noch berichten, in 2014 wurde der erste Stolperstein verlegt, für den ich die Patenschaft übernommen habe. Die Idee stammte noch aus 2013, die Begegnung mit dem Künstler bei der Stolperstein-Verlegung in Hattingen hat mich ermuntert, daran weiterzuarbeiten.

Auch hier gibt es eine Brücke in das Jahr 2015, da wird ein Stolperstein unter meiner Patenschaft in Münster verlegt werden.

Wenn man mich also fragen würde, was vom Jahre2014  übrig blieb, würde ich sagen:

  • neue inspirierende Freundschaften
  • unendlich viel neues Wissen
  • die Erkenntnis, dass das Ruhrgebiet eine Region ist, in der das Leben bunt und vielfältig ist
  • die Bestätigung, dass man Kindheitsträume niemals aufgeben darf
  • das Erlebnis, dass es sich lohnt, über seine Grenzen zu gehen,
  • eine eigene Gedichtform, die bei mir wieder Freude an der Lyrik geweckt hat
  • und ein Ring, der mich täglich ermutigt, mit meinen Geschichten ein Netz über Menschen, Zeit und Ort zu spannen

Mit diesen Geschenken gehe ich in ein Jahr, das schon jetzt verrät, dass es ebenso auf- und anregend wird wie 2014, vielleicht sehen wir uns – darauf freue ich mich. © Birgit Ebbert

PS: Ja, ich weiß, es fehlt ganz viel, meine Erlebnisse in Stuttgart, NaNo, die „Patenschaft für den FotoBlog Moment-Aufnahmen und mein neuer FotoBlog … – aber es war ein reiches Jahr, wie ich es in meinem Gedicht „Zwischen den Jahren“ festgestellt hatte, das zeigen nicht zuletzt die 237 Blogbeiträge, die ich 2014 veröffentlicht habe.