Der Stall als Bunker – Krippe aus dem 2. Weltkrieg

(20.01.2014) Der Titel des Beitrags könnte auch lauten: Von einer, die auszog ein Spielzeugmuseum zu besuchen … und so von einer Krippenausstellung begeistert war, dass sie das Spielzeug verschmähte. Einer meiner Vorsätze für das neue Jahr ist, ein wenig zur Hagen- und Borken-Schreiberin zu werden. Die Erlebnisse als Albschreiberin haben mich inspiriert, auch in meinem Heimat- und meinem Wohnort auf die Suche nach Sehenswürdigkeiten und interessanten Menschen zu gehen.

Heute sollte es mit einem Besuch im Spielzeugmuseum in Rhede, einem Nachbarort von Borken, losgehen. Ich wusste, dass es dort eine Krippenausstellung gab, die mich allerdings nicht so sehr interessierte. Neugierig war ich, womit Kinder von hundert Jahren gespielt haben. Dann bekam ich mit, wie Eva Gutersohn andere Besucher durch die Ausstellung führte und war gleich fasziniert, was sie über die Krippen berichtete. Welche Bedeutung die Kleiderfarbe hatte, warum Ochse und Esel im Stall standen und wie die Weihnachtskrippen überhaupt Einzug in Privathäuser hielten. Ganz nebenbei habe ich noch die eine oder andere Anregung für Weihnachtsgeschichten mit Corvo und vielleicht auch einen Krimi bekommen.

Der Krippenkranz als Laubsägearbeit

Seit 40 Jahren beschäftigt Eva Gutersohn sich Weihnachtskrippen. In dieser Zeit hat sie nicht nur zig Figuren und Ställe angesammelt, sondern auch umfassendes Wissen über die Geschichte der Krippen und ihre Besonderheiten. So kann sie erklären, dass man um 1900 einem Holzochsen eine samtige Anmutung verlieh, indem man das Holz mit Wollstaub bestreute. Die Figuren einer Krippe aus dem Jahr 1934 wurden aus Materialmangel aus Pappmaché geformt und in Gipswasser getaucht, damit sie stabiler wurden.

Mir wäre nicht aufgefallen, dass eine Krippe mal die Form eines Bunkers hatte – im zweiten Weltkrieg nämlich – oder der Stall in einer Bergwerksregion im Erzgebirge unter Tage verlegt wurde. Dabei hat sich bereits die Fürstin von Amalfi, die 1567 als erste eine Krippe in Privaträume brachte, genau darüber Gedanken gemacht. Sie verlagerte Maria, Josef, das Jesuskind samt Gefolge in eine Palastruine. Mit der Idee einer Krippe, die sie aus den katholischen Kirchen übernommen hatte, war sie Vorbild für viele andere Fürsten, die schließlich dafür sorgten, dass sich der Krippenbrauch in die gesamte Region um Neapel bis nach Bayern und ins Erzgebirge ausbreitete.

Eine der ersten Buchkrippen

Dabei nahm die Krippe ganz unterschiedliche Formen an, sei als – sehr seltenen – Krippenkranz oder Krippenkasten, von dem in der Ausstellung ein Exponat aus dem Jahr 1820 zu sehen ist. Aus dem Erzgebirge kommen die Krippenpyramiden. Wie auch immer die Krippen dargestellt sind, Maria, Josef und das Kind sind stets dabei wie auch Ochse und Esel, Hirten und Könige. Oft finden sich noch Engel, gelegentlich Waldtiere wie Hasen und Rehe. Außergewöhnlich sind die Herren, die sich in die große Weihnachtspyramide geschlichen haben, die in der Ausstellung gezeigt wird. Es sind die Soldaten von König Herodes, die nach dem Neugeborenen suchen. Wundert es, dass sie ausschließlich Aufnahme in einer Pyramide aus dem Krieg bekommen haben?

Ein Krippenkasten aus dem Erzgebirge

Je weiter sich die Krippe verbreitete, umso kreativer wurden die Menschen. Bald gab es Buchkrippen und Ausschneidekrippen, Taschenkrippen und Postkartenkrippen, um 1950 sogar eine Sammelkrippe. Damals wurde jedem Becher Sanella-Margarine eine Figur beigelegt. Neben Wald- und Zootieren gab es eine Serie mit Krippenfiguren, die man in der Ausstellung betrachten kann.

Die Krippe als Ausschneidebogen

Das ist nur ein kleiner Abriss dessen, was Eva Gutersohn ganz nebenbei berichtet hat. Alles will ich nicht verraten, sonst wären die Corvo-Erlebnisse im Advent 2014 keine Überraschung mehr und vielleicht konnte ich den einen oder die andere motivieren, die Ausstellung zu besuchen. Sie ist noch bis zum 2. Februar zu besichtigen. Danach werden die Krippen wieder sorgfältig verpackt und im Keller von Eva Gutersohn verstaut. Im März erwartet die Besucher die nächste Ausstellung rund um das Thema „Frühling“. Da wird es märchenhaft, hat Eva Gutersohn mir verraten. Seit 17 Jahren betreibt sie inzwischen als Hobby das Spielzeugmuseum. Es gibt jährlich drei Sonderausstellungen und ansonsten sind in mehreren Räumen Spielsachen aus 100 Jahren zu bestaunen. Ich habe nur kurz in einen Nebenraum geschaut und weiß jetzt schon, dass ich auf jeden Fall wieder hinfahre. Für Familien aus der Region ist der Besuch Pflichtprogramm, finde ich, schon weil die ausgestellten Exponate anregen, sich mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen und über das Kinderleben früher und heute ins Gespräch zu kommen.

Eine Postkartenkrippe

Vorne neben der Kasse gibt es einen kleinen Verkaufsbereich, der für Sammler und Liebhaber von altem Spielzeug und alten Büchern interessant ist. Ich habe dort eine der ersten Ausgaben von „Das rote U“ von Wilhelm Matthiessen für einen Euro erstanden, erst in der letzten Woche habe ich an das Buch gedacht, als ich die „Schattenbande“ von Gina Mayer und Frank Reifenberg gelesen habe. Nun kann ich direkt überprüfen, ob es eine Ähnlichkeit gibt oder nicht. Doch vorher forsche ich ein wenig weiter – das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen: Spielzeugmuseum Max und Moritz, Auf der Kirchwiese 1, 46414 Rhede www.max-u-moritz.de