(16.05.2014) Um es vorweg zu sagen: Die Ausstellung „Weltenbrand“, die am Sonntag im Osthausmuseum eröffnet wird, sollte man nicht verpassen. Ich schreibe das deshalb vorweg, weil ich selbst beim Betrachten der Vorabinfo dachte, der erste Weltkrieg sei nicht mein Thema und die Ausstellung könnte ich schwänzen. Dann habe ich mich doch entschieden, zumindest an dem Pressegespräch und Vorabrundgang teilzunehmen und bin begeistert.

Schon beim Betreten des Museums war ich überrascht, wie anders der große Raum mit den Vitrinen wirkt. Ich weiß, der Rundgang beginnt im rechten Raum, in dem die Wurzeln des ersten Weltkriegs und die Abfolge der Ereignisse von 1914 bis 1918 nachzulesen sind. Unter den strengen Augen von Bismarck und der letzten deutschen Kaiser, kann man sich mit Daten und Fakten in die Zeit vor 100 Jahren versetzen lassen. Wer sich eher visuell in die ersten Jahre des letzten Jahrhunderts entführen lassen möchte, kommt in dem großen Raum auf seine Kosten. Von der Stirnwand aus beobachten 100 Hagenerinnen und Hagener jener Zeit – aus Tausenden von Archivfotos zufällig ausgewählt –  das Geschehen. Auf der einen Seite werden wir an den Hagener Impuls und die Kultur- und Kunstgeschichte Hagens erinnert, auf der anderen Seite an die Stadt- und Wirtschaftsgeschichte. Über 100 Jahre alten Exponate – von der goldenen Taschenuhr über die Schreibmaschine bis zur Blecheisenbahn machen deutlich, wie fortschrittlich die Zeit schon vor 100 Jahren war.

Auf diese Weise eingestimmt in das Leben 1914 werden wir mit dem Krieg konfrontiert. An der Stirnwand des nächsten Raumes hängt eine Tafel mit 100 vergrößerten Todesanzeigen aus dem ersten Weltkrieg. Ein simulierter Schützengraben, eine Pickelhaube und andere Soldatenutensilien, ein Kreuz und viele Kunstwerke bringen den Besuchern den Tod nahe und vermitteln eindrucksvoll das Leid des Krieges.

In weiteren Räumen wird ebenfalls mit Kunstwerken, Exponaten und Fotografien aus der Zeit während des Krieges und danach veranschaulicht, wie die Menschen in Hagen zur Zeit des „Weltenbrandes“ gelebt und gewirkt haben. Sowohl die Liebhaber alter Hagener Stadtbilder als auch die Anhänger bekannter Künstler wie George Grosz, Franz Marc, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und natürlich Christian Rohlfs kommen auf ihre Kosten.

Das ist nur eine grobe Zusammenfassung der Ausstellung, die zum einen die große Geschichte des ersten Weltkriegs schildert, aber auch viele kleine Geschichten erzählt. Mein Notizbuch ist wieder einmal dicht gefüllt mit neuen Informationen, Ideen und dieses Mal einer ganz besonderen Jugenderinnerungen, die sich demnächst im Blog wiederfinden wird. Eine der Geschichten ist übrigens die des Hagener Künstlers Karl Friedrich Fritzsche, von dem 40 Jahre alte Werke im Christian Rohlfs-Raum zu sehen sind, mit denen er damals den Wehrdienst – erfolgreich – verweigert hat.

Die Kuratoren Dr. Ralf Blank & Dr. Birgit Schulte
(Foto: Ulrich Wens)

Ich werde die Ausstellung sicher noch das eine oder andere Mal besuchen, bis zum 10. August ist ja etwas Zeit. Die interessante Zusammenstellung, der man anmerkt, dass die Kuratoren Dr. Birgit Schulte und Dr. Ralf Blank viel Zeit in die Suche investiert haben, ist ein guter Start, sich endlich einmal mit dem ersten Weltkrieg zu beschäftigen. Etwa 90 Prozent der rund 700 Exponate stammen übrigens aus dem Besitz Hagener Museen oder Archive. Herzlichen Glückwunsch, dem Historischen Centrum, dem Osthausmuseum, dem Stadtarchiv und dem Karl-Ernst-Osthaus-Archiv für diese Kooperation. Faszinierend, dass alle Bereiche des Museums einen Beitrag geleistet haben, das Thema umfassend aufzubereiten – in der „Architektur der Erinnerung“ findet sich eine Installation zum Thema und das Junge Museum schlägt mit der Ausstellung „In wessen Namen“ den Bogen zur heutigen Kunst und Zeit bis hin zum ersten Weltkrieg in Comics.

Hier findet jeder etwas, das ihn begeistert, fesselt und neugierig macht. An jedem zweiten Sonntag gibt es öffentliche Führungen, unabhängig davon können Führungen gebucht werden – auch von Schulklassen, für die je nach Alter ein besonderer Schwerpunkt präsentiert wird. In einem umfangreichen Katalog zur Ausstellung kann man viele der Exponate anschauen und viele viele Hintergrundinformationen nachlesen. Das habe ich noch nicht geschafft, hole ich aber nach. Fortsetzung folgt also. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen auf der Internetseite des Osthausmuseums

Zur Website der Ausstellung

Ein Teil der Fotos stammt von Ulrich Wens, www.moment-aufnahmen.info