(02.08.2014) Noch bis zum 10. August ist die Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914 im Osthausmuseum zu sehen. Eine Chance, die nicht nur Hagenerinnen und Hagener nutzen sollten. Die Ausstellung besteht nämlich zum großen Teil aus Beständen der Hagener Museen und Archiven – vieles davon wird nach dem Abbau erst einmal nicht mehr zu sehen sein. Am 1. August, dem Jahrestag des Kriegsausbruchs, gab es eine öffentliche Führung durch die Ausstellung, in der Dr. Birgit Schulte und Dr. Ralf Blank auf einige besondere Aspekte hingewiesen haben. Ich habe die Exponate bereits mehrfach angeschaut und dennoch wieder interessante neue Informationen mitgenommen. Zum Beispiel über den goldenen Hammer der Stadt Hagen, mit dem 1899, 1962 und 2001 die Grundsteine für die Hagener Rathäuser gelegt wurden. Als eingewanderte Wahl-Hagenerin war mir nicht so klar, dass das Rathaus, auf das ich vom Schreibtisch schaue, verschiedene Stationen hinter sich hat und jeder der drei Neubauten als Symbol gesehen werden kann. 1899 war mit dem Rathausbau die Vision eines Aufschwungs und einer glücklichen Zukunft verbunden. Es ging der Stadt gut und sie war auf dem besten Weg, eine Großstadt zu werden. Das war die Zeit, in der Karl Ernst Osthaus seinen Beitrag zur kulturellen Entwicklung leistete.

Der erste Weltkrieg bedeutete für Hagen Abschied nehmen von den Träumen, in den zehn Jahren davor hatte sich die Bevölkerung fast verdoppelt und es hätte nicht mehr lange gedauert, bis die 100.000 Einwohner und damit der Status einer Großstadt erreicht war. Der Einschnitt, den der erste Weltkrieg brachte, war in den Jahren bis zum zweiten Weltkrieg nicht zu beheben und der zweite Weltkrieg bedeutete zusätzlich zu dem Verlust vieler Menschen den Verlust der Gebäudesubstanz. Kein Wunder, dass man 1962 ein neues Rathaus baute als Zeichen dafür, dass der Aufbau abgeschlossen und eine neue Zeit beginnen konnte, die geprägt sein würde von der Stahlproduktion, was sich auch in der Architektur des Rathauses widerspiegelte. Auch 2001 kam der goldene Hammer, der in der Ausstellung zu besichtigen ist, wieder zum Einsatz, als man den Grundstein für das Rathaus an der Volme legte, als eine Art Symbol für den Abschluss des Strukturwandels. Wer weiß, wann er wieder zu sehen sein wird – beeindruckend ist er auf jeden Fall.

In der gleichen Vitrine wieder goldene Hammer befindet sich auch die Kapsel von der Grundsteinlegung für das Jugenstil-Rathaus von 1899. Sie tauchte beim Ausschachten für die Volme-Galerie plötzlich wieder auf und es ist faszinierend zu sehen, wie gut erhalten das doch 115 Jahre alte Exponat ist.

Spielzeug zu Kriegszeiten in der Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914Am Rande bemerkt, kommen auch Anhänger von altem Blechspielzeug in der Ausstellung auf ihre Kosten. Im ersten Raum sind einige alte Schiffe und Eisenbahnwaggons aus der großen Blechspielzeugsammlung zu sehen, die aus dem Nachlass eines Hagener Arztes stammt und ihr Dasein meist im Magazin fristet.

Und noch eine Randbemerkung, die zeigt, dass es sich immer lohnt, an einer Führung teilzunehmen. Ralf Blank erzählte nämlich nebenbei, dass Otto von Bismarck einen Bezug zu Hagen hatte, weil er sich mit dem Hagener Abgeordneten Georg von Fincke duelliert hat. Kein unproblematisches Ereignis, weil Duelle eigentlich verboten waren und die beiden sich heimlich trafen, getötet wurde am Ende jedoch keiner von ihnen.

Soldatennachlass in der Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914Ich könnte seitenlang berichten, was Ralf Blank und Birgit Schulte zu den einzelnen Exponaten aus der Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914 gesagt haben. Als Autorin fesseln mich besonders Geschichten wie die des 15-jährigen Heinrich Albert Funke, dem nach heutigem Kenntnisstand jüngsten Hagener Soldaten des ersten Weltkriegs. Er war eher durch Zufall in den Krieg geraten, denn eigentlich wurden junge Männer in seinem Alter noch nicht als Soldaten herangezogen. Allerdings hatte er eine Jahrgangsstufe übersprungen und war ausgerechnet in einer Klasse des Albrecht-Dürer-Gymnasiums gelandet, die sich komplett freiwillig meldete, wo er nicht zurückstehen konnte oder wollte. Seine Mutter kämpfte darum, dass er vom Dienst an der Front befreit wurde, doch er gelangte nach Frankreich an die Westfront. Dort wurde er 1915 verwundet und auf Drängen seiner Mutter mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse nach Hause entlassen. In der Ausstellung sind sowohl Fotos als auch das Soldbuch von ihm zu sehen.

Walther Bötticher „Eine Mutter“ 1912

Weniger Glück als Heinrich Funke hatte Walther Bötticher, eines der großen Kunsttalente Hagens, den Karl Ernst Osthaus sehr gefördert hat. Er musste in den Krieg und wurde am 3. September 1916 im Alter von 31 Jahren an der Front getötet. Als hätte er sein Schicksal vorweggenommen, befindet sich in der Ausstellung ein Bild von ihm aus dem Jahr 1912 von einer traurigen Mutter. Aber auch die Karteikarte, auf der sein Tod in Thiepval vermerkt ist, kann man in der Ausstellung betrachten, mit einigen anderen Karten als Beispiel dafür, wie die deutsche Bürokratie vor 100 Jahren den Tod verwaltete.

Ach, der Artikel wird schon wieder viel zu lang, deshalb nur noch schnell als Stichwort: Notgeld und Druckmodeln für Hagener Notgeld (unten links), 1917 besaß Hagen wie viele Städte quasi eine „Gelddruckmaschine“, deren Reste noch heute zu sehen sind. Und die Holzschnitte (unten rechts) über den Krieg von Hans Slavos, der bei Kriegsausbruch 14 Jahre als war, sollte man sich anschauen, und … – bis zum 10. August ist noch Zeit.

Am 9. August um 17.00 Uhr gibt es außerdem eine Finissage mit zwei Professoren, die bereits begleitend zur Ausstellung mit sehr guten Vorträgen begeistert haben: Prof. Dr. Krumeich und Prof. Dr. Leonhard.

Weitere Informationen zur Ausstellung wie immer auf www.osthausmuseum.de

Meine bisherigen Artikel zum Thema:

Weltenbrand Hagen 1914 – Ausstellung im Osthausmuseum

Der 1. Weltkrieg in Hagen oder Nebenbei im Museum gelernt

Der Eiserne Schmied in Hagen

Die Nagelbretter in der Ausstellung „Weltenbrand“