Das Buch zur Ausstellung Weltenbrand

(17.09.2014) Die Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914 ist im Osthausmuseum schon lange abgebaut und die interessanten Exponate sind längst wieder an ihre ursprünglichen Orte gewandert. Doch das Erinnerungsjahr ist noch nicht um und Bücher haben den gr0ßen Vorteil, dass sie unabhängig von Zeit und Raum sind, so auch das Buch zur Ausstellung, das ich nun endlich zu Ende gelesen habe. Die Herausgeber Tayfun Belgin, Ralf Blank und Birgit Schulte haben Artikel zu unterschiedlichen Aspekten des Themas zusammengetragen, die beschreiben und gelegentlich auch erklären, wie sich der Weltenbrand 1914 auf Hagen auswirkte.

Zur Einstimmung auf die Zeit vor 100 Jahren, vermittelt Professor Krumeich, der mit seinen lebendigen und fundierten Vorträgen die Ausstellung eingerahmt hat, dem Leser einen Eindruck von der politischen und gesellschaftlichen Situation jener Jahre.

Wie genau das in Hagen aussah, beschreibt Ralf Blank anschließend in seinem detailreichen Artikel, der durch zahlreiche Bilder aus dem Hagen jener Zeit untermauert wird. Hier sind es neben den großen Zusammenhängen vor allem die kleinen Anekdoten und Hinweise, die den Artikel so besonders machen.

Aus die Rolle der Kunst im Hagen vor und während des 1. Weltkriegs geht Birgit Schulte in ihrem Artikel ein, immerhin hatte Kunst in Hagen bis zum Beginn des Krieges dank Karl Ernst Osthaus einen hohen Stellenwert. Besonders interessant fand ich, zu erfahren, dass Osthaus das eine oder andere Bild verkauft hat, um sich finanzieller Sorgen zu entledigen.

Tayfun Belgin beleuchtet das Leben des Hagener Künstlers Walther Bötticher, der zu den aufstrebenden Künstlern seiner Zeit zählte und im ersten Weltkrieg an der Westfront starb.

Ein Kapitel ist dem „Eisernen Schmied“ gewidmet, der vor 100 Jahren aus einer Holzfigur entstand und der noch immer eine große Faszination bei manchen Hagenern besitzt.

Professor Sollbach schließlich erklärt, wie Überleben im Krieg ganz konkret aussah, während Karl-Peter Ellerbrock sich der wirtschaftlichen Seite jener Zeit widmet.

Einen besonderen Akzent setzen die Artikel über Bernd Schwarzer und von Andreas Korthals, die beide mit unterschiedlichem Blickwinkel Einblick in ihre Arbeit rund um das Thema 1. Weltkrieg gewähren. Während Tayfun Belgin Bernd Schwarzers Exkursion nach Verdun quasi als Erweckungserlebnis für die künstlerische Beschäftigung mit dem Krieg beschreibt, verrät Andreas Korthals auf welche Schätze er im Stadtarchiv zurückgreifen kann, um sich mit dem 1. Weltkrieg vertraut zu machen.

Eine gelungene Sammlung, die weit mehr ist als ein Katalog zur Ausstellung Weltenbrand Hagen 1914 und auch unabhängig von einem Besuch dort sehr lesenswert ist. © Birgit Ebbert

Tayfun Belgin/Ralf Blank/Birgit Schulte (Hrsg.): Weltenbrand Hagen 1914. Klartext Verlag 2014 (sowohl im Buchhandel als auch im Museumsshop im Kunstquartier Hagen erhältlich)