(28.11.2013) Es gibt Momente im Leben, in denen ich mich einfach nur wundere. Gerade jetzt ist es mir wieder so ergangen. Jahrelang habe ich nicht an mein allererstes Buch gedacht. Es steht irgendwo im Regal, beim letzten Umzug wird es mir begegnet sein. Und nun gab es innerhalb von zehn Tagen gleich drei Berührungspunkte. Direkt unheimlich finde ich. Es waren zwei Todesfälle und ein Anruf, die mir das Buch in Erinnerung gerufen haben.

„Wenn der Fernseher streikt …“ lautete der Titel des Buches, das 1989 im Verlag der Aktion Jugendschutz erschienen ist. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir im Büro in der Stafflenbergstraße ausnahmsweise mit Sekt angestoßen haben, als die Buchkisten aus der Druckerei kamen. Damals war eine Buchproduktion noch deutlich umständlicher als heute. Da musste getippt, geklebt, gefaxt, gemalt, geklebt werden, ehe eine Druckvorlage fertig war. Bin ich froh, dass es heute Computer gibt und ich nur noch Dateien abliefern muss.

„Prominente berichten von ihrer Freizeit“, hieß es im Untertitel. Ich hatte Prominente gefragt, was sie tun würden, wenn der Fernseher streikte. Leider hat meine Nachfolgerin sämtliche, teilweise handschriftliche Briefe vernichtet. Damals schrieben noch viele Menschen Briefe mit der Hand. Unter anderem Manfred Rommel, der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister, der in der vorletzten Woche verstorben ist. Ich erinnere mich gut an ihn, weil ich ihm mehrmals begegnet bin, vor allem aber wegen des Briefanfangs seiner Antwort: „Liebe Frau Ebbert, herzlichen Dank für Ihren Brief vom 1. Februar, den ich Ihnen gerne bereits am 31. Januar beantworte.“ Dieser Einstieg zeigt, was er für ein Mensch war – auf die Details achtend, humorvoll und niemals herablassend. Versehentlich waren die Briefe auf den 1. Februar datiert, aber schon am 30. Januar abgeschickt worden. Viele Briefe – er war der einzige, dem das aufgefallen war.

Auch Dieter Hildebrandt hat mir damals geantwortet. Das fiel mir als erstes ein, als ich hörte, dass er verstorben ist. Gerade habe ich seinen Beitrag noch einmal gelesen und war überrascht oder auch doch wieder nicht, wie weitsichtig sein Beitrag schon vor fast 25 Jahren war, u. a. hat er geschrieben: „Eines Tages würde ich voll Erschrecken feststellen, dass das, was ich vom Leben kenne, aus Fernsehbildern besteht. Das heißt, ich würde zu etwas Abgebildetem nicht mehr sagen: ‚Wie im Leben‘, sondern zu einer Landschaft: ‚Genau wie im Fernsehen‘“.

Die dritte Erinnerung an das Buch kam auf ganz anderem Weg. Schon damals hatte ich viel Spaß an PR-Arbeit und so habe ich eine Presseinformation mit einem Exemplar des Buches an alle Zeitschriften, die mir irgendwie passend erschienen, verschickt. Die Zeitschrift „Leben & Erziehen“ hat daraufhin einen Bericht veröffentlicht. In der letzten Woche nun bekam ich eine E-Mail von dem damaligen stellvertretenden Redaktionsleiter, der heute als freier Journalist und Redakteur tätig ist und mich um ein Interview zum Thema „Schule spielen“ bat – für die Zeitschrift „Leben & Erziehen“.

So schließen sich Kreise. Ein Thema meines Lebens, die heimlichen Verknüpfungen zwischen den Zeiten, Regionen und Menschen, die vielleicht nur jemand wahrnimmt wie ich, der ein gutes Gedächtnis hat und eine sehr große Neugier mitbringt. Vor über 20 Jahren habe ich in einer Kurzgeschichte vom „Strickmuster des Lebens“ geschrieben. Dieses Erlebnis hat wieder den Verdacht genährt, dass es wirklich so etwas gibt. Und jetzt lese ich das Buch noch einmal, schon das Inhaltsverzeichnis hat mich neugierig gemacht, doch das ist ein anderer Blog-Beitrag. Dann plaudere ich vielleicht auch aus dem Behörden-Nähkästchen. © Birgit Ebbert