(14.05.2011) Es ist wirklich nicht zu fassen. Da habe ich einige Tage nicht an meinem Roman gearbeitet und schon machen meine beiden Romanfiguren sich selbstständig. Dabei leben sie zig Jahre auseinander. Als ob sie sich abgesprochen hätten. Dabei habe ich mir dieses Mal vorher genau überlegt, was in welchem Kapitel passiert wie andere Autoren das auch machen. Anscheinend sind deren Figuren nicht so frech wie meine.

Die Protagonistin aus der heutigen Zeit verliebt sich in einen evangelischen Pfarrer, der prompt bedroht wird, weil er ihr hilft, ein bisschen in der Vergangenheit zu stöbern. Zum Glück lässt der Pfarrer sich von den Drohungen nicht beeinflussen. Ob es allerdings zum Happyend kommen wird, weiß ich noch nicht. Immerhin hat sie gerade ihr Studium beendet und ist nur in dem kleinen Ort, um einen Haushalt aufzulösen.

Die Protagonistin, die in den 30er Jahren lebt, geht mit ihrem Freund ins Kino. Ok, das wäre ja nicht so schlimm. Das könnte ich ja in die Handlung irgendwie einbauen. Allerdings weiß ich nicht, ob es in dem Ort, in dem die Geschichte spielt, der aber nie erwähnt wird, in den 30er Jahren des 20sten Jahrhunderts ein Kino gab. Also konnte ich wieder mit der Recherche beginnen und ich habe tatsächlich eine Internetseite gefunden, auf der zu jedem Ort die Kinos aufgeführt sind. Daher weiß ich sogar, wie der Kinobesitzer zur damaligen Zeit hieß und kann ihn gleich in meine Story einbauen.

Es war gar nicht so leicht herauszufinden, wie „normale“ Menschen in den 30er Jahren gelebt haben. Es gibt zwar Informationen über die Mode der damaligen Zeit, allerdings wird eine junge Frau, die im Haushalt arbeitet, wohl kaum Haute Couture getragen haben. Also habe ich in Fotoalben geblättert, Biografien gelesen und vor allem alte Filme angeschaut. Ich war verblüfft, wie viele Filme, die ich aus meiner Kindheit kenne und die ich auch heute noch ganz gerne anschaue, in den 30er Jahren im Kino liefen: „Die drei von der Tankstelle“ mit Heinz Rühmann z. B. oder „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und Emil Jannings. Die 30er Jahre sind also doch noch immer in unserem Alltag, auch wenn wir das nicht bemerken.

Nun werde ich versuchen, die beiden Damen wieder einzufangen, damit ihre Erlebnisse wieder zu der Idee für den Roman passen.