Die Stars aus dem Musical Avenue Q(30.08.2015) Am kommenden Samstag ist im TheaterHagen die erste Premiere der neuen Spielzeit zu sehen: Avenue Q, die Hagener Adaption des Broadway-Musicals über das Leben, die Liebe und die Bestimmung jedes Einzelnen. Die Ankündigung hat mich so neugierig gemacht, dass ich das heutige Werkstattgespräch genutzt habe, um mehr über die Inszenierung zu erfahren. Allerdings kann ich jetzt die Premiere kaum erwarten, weil unter anderem die knuffigen Darsteller vom Bild kleine Kostproben gegeben haben 🙂

Ich habe mich gefreut, dass doch rund 80 Besucher zu der Veranstaltung gekommen sind, die von Dramaturgin Miriam Michel moderiert wurde. Sie erarbeitete viele interessante Fragen rund um das Stück Avenue Q mit ihren Gesprächspartnern: Regisseur Sascha Wienhausen, Professor und Dekan am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück, Steffen Müller-Gabriel, Kapellmeister am Theater Hagen und musikalischer Leiter der Inszenierung, Bühnen- und Kostümbildnerin Ulrike Reinhard, Choregraphin Barbara Tartaglia und Videokünstlerin Lieve Vanderschaeve.

Sascha Wienhausen verriet ihr und dem Publikum, dass er sich vor vielen Jahren in London in das Stück Avenue Q verliebt hat, das ursprünglich als Fernsehformat geplant war, eine Sesamstraße für Erwachsene sozusagen. Nicht ganz so lange wie bei ihm hat die Realisierung des Traums für die „Väter“ des Stückes, Robert Lopez und Jeff Marx, gedauert, obwohl auch sie fünf Jahre kämpfen und warten mussten, bis ihre Idee realisiert wurde. Getroffen haben sich die beiden in einem Workshop für Künstler, in dem Jeff Kunden für seine Künstleragentur akqurieren wollte. Stattdessen hat er mit Robert Lopez zusammen das Stück „Kermit Prince of Denmark“ entwickelt, aus dem Avenue Q hervorgegangen ist. Die beiden haben ihr Projekt sowohl dem Muppet-Erfinder Jim Henson als auch Disney angeboten, beide haben abgelehnt, weil sie davon ausgingen, dass Erwachsene sich keine Puppenstücke anschauen würden. Pech gehabt! Inzwischen hat das Stück mehrere Preise gewonnen und wird auf vielen Bühnen gespielt, eben auch in Hagen, wo es Sascha Wienhausen zusammen mit Studenten seiner Hochschule und drei Mitgliedern des Hagener Ensembles auf die Bühne bringen wird.

Kermit? Muppets? Ja, genau, in dem Stück agieren nicht nur Schauspieler, sondern auch Puppen und diese fordern „ihre“ Darsteller ganz schön heraus wie Choreographin Barbara Tartaglia verraten hat. Als Ballettänzerin und Musicaldarstellerin ist sie ja einiges gewöhnt. Bei den Puppen aber hat sie, wie sie verraten hat, kapituliert und sich schnell darauf beschränkt, den Spielern Rückmeldungen zu geben, wenn die Puppen begannen ein Eigenleben zu führen und an die falsche Stelle rückten oder Mund und Gestik nicht synchron zum Text waren. Die Puppen werden teils mit einer Hand geführt, teils wird die Hand der Puppe noch mit einem Stab bewegt und manche Puppen werden sogar von zwei Spielern zum Leben erweckt. Das verlangt eine unglaublich Körperbeherrschung, vor allem aber eine hohe Konzentration, vor allem wenn man gleichzeitig die Puppe bewegen und gehen oder gar laufen muss.

Da haben es die Musiker etwas einfacher, für sie gibt es Noten und sie müssen es „nur“ hinbekommen, harmonisch und synchron zur Handlung zu spielen. Ich weiß, das ist alles andere als „nur“, aber sie dürfen wenigstens sitzen bleiben und haben seit Jahren Umgang mit ihrem Instrument. Die Schauspieler fangen im Vergleich dazu ja gerade erst an, sich ihre Puppen untertan zu machen. Dennoch gibt es auch für die Musiker eine Herausforderung, da das Stück nicht für ein Orchester konzipiert ist, sondern für eine Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre, Klavier, Synthesizer und einem Musiker, der gleich gut Querflöte, Saxofon und Klarinette spielen kann und den es in einem Orchester, so habe ich es von Steffen Müller-Gabriel verstanden, eigentlich gar nicht gibt. Ich bin gespannt, wie das gelöst wurde und auch, wo die Band letztendlich stehen wird. Das ist nämlich wohl die eine knifflige Aufgabe, für deren Bewältigung Musikalischer Leiter und Bühnenbildnerin noch experimentieren.

Und um den Bezug zum Fernsehen doch noch herzustellen, wird es in der Inszenierung wieder eine Videoeinbindung geben, von Lieve Vanderschaeve, deren Animationen schon in „Alice im Wunderland“ zu sehen waren. Dieses Mal ist ihre Aufgabe, Elemente aus der Sesamstraße zur Sendung passend zu kreiieren. Da bin ich schon sehr gespannt, unter anderem, soviel wurde verraten, musste sie die Begriffe „Geschlechtsverkehr“ und „Bestimmung“ in Animationen erklären. Ja, ich habe mich nicht verhört. Das ist kein Kinderstück, das wurde in einem der Auszüge, die wir gesehen haben, doch relativ deutlich 🙂 Aber es ist ein tolles Stück, auf das ich mich sehr freue. Vielleicht sehen wir uns bei der Premiere am 5. September. © Birgit Ebbert

Die weiteren Aufführungstermine sind: 18.09., 27.09., 11.10., 04.11., 18.11., 09.01.2016, 21.01., 05.02., 29.04. und 06.05.2016

Weitere Informationen: www.theaterhagen.de