(17.06.2014) In meiner Schulzeit war der 17. Juni noch Feiertag, daran habe ich mich heute erinnert, als ich auf den Kalender sah. Ich glaube, ich wusste nie genau, woran mit dem Tag erinnert wurde, deshalb habe ich vor einigen Jahren einen Artikel dazu geschrieben für alle, die sich wie ich finster erinnern, dass da doch einmal etwas war. Zur Erinnerung bis 1990 war der 17. Juni als „Tag der deutschen Einheit“ ein gesetzlicher Feiertag war.

Zu Beginn der 50er Jahre war die Welt zwar schon in Ost und West geteilt, doch gab es noch Hoffnung, dass Deutschland wieder eine Einheit würde. Das führte zu politischen Ränkespielen auf beiden Seiten, auch auf der Seite der Sowjetunion, die für die DDR als ehemals sowjetisch besetzte Zone zuständig war.

Die DDR-Regierung bemühte sich, den Sozialismus voranzutreiben, zumal sie dringend Geld benötigte. Also führte sie Steuern für selbstständige Bauern und Gewerbebetriebe ein, sie befahl für die Produktionsbetriebe eine 10-prozentige Erhöhung der Normen. Das bedeutete, die Arbeiter sollten für den gleichen Lohn 10 % mehr arbeiten. Gleichzeitig erlebten die Arbeiter, wie alles teurer wurde und manches kaum noch erschwinglich war.

Die Sowjetunion beobachtete das Geschehen in der DDR aus der Ferne. Selbst ihr ging die „Sozialisierung“ der DDR zu schnell, sodass sie eine Korrektur des Kurswechsels forderte. Die DDR ging darauf ein, jedoch nur in den Punkten, die Selbstständige und Mittelschichtler betrafen. Die Arbeiter sollten weiterhin 10 % mehr leisten, ohne selbst davon zu profitieren. Das führte zu Unmut unter den Arbeitern, der am 16. 6. auf zwei großen Baustellen in Berlin informell vereinbarte Arbeitsniederlegungen nach sich zog. Die Arbeiter sammelten sich zu einer Demonstration und marschierten zum Haus der Gewerkschaften. Bei den Vertretern der Gewerkschaften fanden sie kein Gehör, also zogen sie weiter zum Regierungsgebäude. Dort wurde ihnen die Rücknahme der Normenerhöhung mitgeteilt. Inzwischen hatten sich die Arbeiter jedoch weitere Ziele gesetzt, sie forderten den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen und riefen die Bevölkerung auf, am nächsten Tag für diese Ziele zu demonstrieren.

Was als kleiner Protestmarsch in Berlin begann, zog am 17. Juni 1953 weite Kreise. In vielen Städten und Gemeinden der DDR kam es zu Arbeitsniederlegungen und Protestmärschen, teilweise sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. In Berlin wurden Gebäude in Brand gesteckt, um den Zorn gegen die Regierung loszuwerden, u. a. das HO-Kaufhaus Columbushaus und das Restaurant „Haus Vaterland“.

Die Polizei wusste nicht, wie sie auf diesen plötzlichen Ansturm reagieren sollte. Selbst die Regierung der DDR sah keinen anderen Ausweg als zu flüchten und sich unter den Schutz der sowjetischen Behörden in Berlin-Karlshorst zu stellen. Obwohl Ministerpräsident Otto Grotewohl im DDR-Rundfunk noch einmal die Rücknahme der Normenerhöhung bekräftigte, kehrte keine Ruhe ein.

Schließlich griff die Sowjetunion ein. Sie verhängte für viele Regionen der DDR den Ausnahmezustand und übernahm erneut die Regierung der DDR. Die Demonstranten wurden mit Panzerdivisionen gestoppt, in denen 20.000 sowjetische Soldaten im Einsatz waren. Sie wurden von 8.000 Angehörigen der KVP (Kasernierte Volkspolizei) unterstützt.

Zahlreiche Beteiligte an den Demonstrationen wurden verhaftet, verletzt oder getötet. Genaue Zahlen gibt es darüber nicht. Bekannt sind lediglich Einzelschicksale wie das von Erna Dorn, die als angebliche Rädelsführerin noch 1953 enthauptet wurde, oder Karl-Heinz Pahling, einem Bauarbeiter, der als Streikführer 10 Jahre im Zuchthaus gesessen hat.

Auch wenn der Aufstand für den heutigen Staat und die heutigen Menschen kaum noch relevant erscheint, so sollte nicht vergessen werden, dass die Arbeiter damals wissentlich einem totalitären System trotzen wollten. Hier haben sich Arbeiter zusammengetan zu einem Aufstand, von dem Nobelpreisträger Günter Grass, der Augenzeuge des Aufstandes war, sagt: „auf den wir stolz sein können“. (zit. n. spiegel.de) © Birgit Ebbert

Hintergründe, Zeitzeugenberichte, O-Töne

Seite zur Erinnerung an den ersten Volksaufstand in Europa gegen das kommunistische Regime nach dem 2.Weltkrieg der Vereinigung 17. Juni e. V.

1953 Zusammenfassung der Stellungnahme von Günter Grass zum 17. Juni