(20.12.2014) Vor vier Jahren hatte ich die Idee, Geschichten über Weihnachtsbräuche für einen Adventskalender zu schreiben. Dafür brauchte ich eine Figur, die die Leser durch die Bräuche führte. Es sollte eine Tierfigur sein, die sympathisch wirkte und als Reporter auf Recherchetour ging. Keine leichte Aufgabe, denn die Figur sollte durch die Welt reisen können und – mal ehrlich – wie wahrscheinlich ist es, dass ein Wildschwein um die Welt rennt. Das war mein Favoriten-Tier, weil es über Wildschweine bisher wenige Geschichten gibt. Alternativ stellte ich mir einen Elefanten vor, weil mein Talisman ein Elefant ist. Aber bis der von A nach B gelaufen wäre, wäre die Geschichte schon zu Ende. Also blieben nur Vögel. Gerne hätte ich einen Papagei auf die Reise geschickt, aber der war schon in meinen Geschichten vom Papagei Karo mit Herrn Lupp unterwegs. Da erinnerte ich mich an Rabax, den Raben aus meiner Reihe „Der magische Vampir“ und mein Blick fiel auf einen Beton-Raben, den ich vor Jahren aus Ratzeburg mitgebracht hatte. In diesem Augenblick war klar, dass ich einen Raben auf den Weg schicken würde. Das schien mir auf einmal völlig logisch, Rabenhausen, die Räbische Allgemeine Zeitung, komisch, dass ich nicht gleich darauf gekommen war.

Erst im letzten Jahr, als ich einen Plüsch-Raben suchte, erinnerte ich mich daran, dass es ja den Raben Socke und den Raben Rudi aus Siebenstein gab. Aber da hatte ich Corvo schon adoptiert und es gab bereits 50 Geschichten über ihn, eine Gattungsänderung kam nicht mehr in Frage. Schon deshalb nicht, weil ich vor Jahren irgendwo geleses oder es mir vielleicht auch ausgedacht habe, dass Raben meine Schutztiere sind. Seither sehe ich Raben mit ganz anderen Augen und nur die Erfahrung mit meiner ausufernden Elefantensammlung hindert mich daran, Raben zu sammeln. Stattdessen habe ich eben Corvo.

Der Name Corvo ist auch nicht vom Himmel gefallen. Ihn habe ich gefunden, indem ich „Rabe“ in verschiedene Sprachen übersetzt habe. Dabei kam zum Beispiel heraus: ravn (dän.), raven (engl.), corbeau (franz.), κοράκι (griech.), corvo (ital. & port.), gavran (kroat.), corvus (lat.), raaf (niederl.), kruk (poln.), во́рон (russ.), korp (schwed.), vran (slow.), cuervo (span.), karga (türk.). Corvo war der einzige Name, der doppelt vorkam und da im Lateinischen Corvo „dem Raben“ heißt, habe ich mich dafür entschieden. Zumal man den Namen auch gut vorlesen kann.

Dass sich Corvo dann irgendwann selbstständig machen würde, hätte ich damals nicht gedacht. Zunächst bekam er bei Facebook eine eigene Fanseite. Als im letzten Jahr bei Facebook zuhauf Katzen, Hunde und Wellensittiche gepostet wurden, habe ich entschieden, dass Corvo mich durch den Alltag begleitet.

In meiner Plüschtierkiste fand ich einen kleinen Raben, der mit mir auf Fototour ging. Er trug KEINE Socke, ich hatte ihn einmal geschenkt bekommen. Aber ein wohlmeinender Facebook-Freund wies mich darauf hin, dass es sich um Rabe Socke handelt und ich aufpassen sollte, mich nicht in Urheberrechtsfallen zu verstricken.

Im Internet fand ich dann einen neutralen Raben der Geschenkartikelanbieters EBO Plüschtiere, der mit erlaubte, ihren Raben als Corvo mit auf Tour zu nehmen, sofern ich keine strafrechtlich relevanten Fotos machte. Hatte und habe ich nicht vor und seither ist Corvo in dieser Form mit mir unterwegs. Das Gute ist, er passt genau in das Seitenfach meiner Kameratasche und freundet sich von dort aus mit Passanten an, grüßt in Frankfurt auf der Buchmesse Menschen auf der Rolltreppe und wird sogar Teil einer Performance im Osthausmuseum.

Meine Schwester hat mir verschiedene Raben genäht, aber inzwischen hat sich der erste Corvo so unentbehrlich gemacht, dass diese Raben-Geschwister zu Hause in der Wohnung verteilt sind und dekorativ und neidisch auf Corvo schauen. © Birgit Ebbert

Die ersten 24 Corvo-Abenteuer gibt es in diesem E-Book „Ein Weihnachtsrabe auf Reportageflug“ und vier Adventsgeschichten als Geschenk für Corvo-Fans.