Pferd heißt im Lateinischen auch Caballus. Ein schöner Name für eine Romanfigur

(21.08.2011) Ich schreibe gerade an einem Roman, in dem es um Rache geht. Da finde ich es besonders schwierig, Namen für die Opfer zu finden. Es ist ohnehin viel leichter, meine ich, für die Helden Namen zu finden, da mache es nichts, wenn man versehentlich einen Namen aus dem Bekanntenkreis verwendet. Bei einem Bösewicht oder gar Opfer ist das etwas anders oder kommt es nur mir so vor, weil ich bei meinem Rachebuch gelegentlich Situationen vor Augen habe, in denen ich mich gerne gerächt hätte?

Die Frage, welche Namen ich für die Opfer wähle, hat mich neugierig gemacht, wie andere Autoren das eigentlich machen. Es war gar nicht so einfach, brauchbare Informationen zu finden. Zunächst fand ich ein Zitat von Theodor Fontane, der über die Namen seiner Romanfiguren gesagt hat: „den richtigen, brauchbaren zu finden, ist oft recht schwer und dauert wochenlang, weil man die schon acceptirten immer wieder verwirft.“ Na, wenn ich wochenlang nach einem Namen für jedes einzelne Opfer suchen würde, wäre das Buch kurz vor meinem siebzigsten Geburtstag fertig.

Ein paar Tipps habe ich ihm dennoch bekommen. In einer Geschichte hat er den Figuren Namen gegeben, die zu ihrem Aussehen, ihrem Beruf oder ihrem Charakter passen. So heißt ein Schornsteinfeger Rabe und ein Jurist Krach. In einer anderen Erzählung hat er es genau umgekehrt gemacht, da ist Frau Honig nämlich nicht süß, sondern giftig und böse.

Bei meiner Suche bin ich dann auf eine wissenschaftliche Arbeit zur Bedeutung von Namen in Kinderbüchern gestoßen. Im Anhang fanden sich Interviews mit namhaften Autoren. Eine Fundgrube für meine Kreativität – schade, dass mein Roman fast fertig ist, aber die nächste Geschichte kommt ja bestimmt.

Max Kruse greift gerne auf die Bezeichnungen von Edelsteinen zurück und vertauscht die Silben. Das Vertauschen von Silben oder Buchstaben oder das Lesen der Namen von vorne nach hinten (habe ich in einem Jugendbuch auch gemacht *gr*) ist durchaus üblich, habe ich festgestellt, so wurde bei Gabriele Beyerlein aus Simone Emonis und aus Martina Mirtani.

Kai Meyer verwendet gelegentlich Wörter aus anderen Sprachen, deren Bedeutung zur Figur passt, z. B. das italienische Fabula, das im Deutschen Märchen heißt. Noch so eine Methode, die ich ebenfalls nutze. (Auch für eine der Figuren in dem Racheroman.)

Cornelia Funke schaut übrigens auch schon mal in Namenlexika, viele Namen findet sie aber auch in ihrer Umgebung, in alten Kunstbüchern oder Pflanzenbüchern. Nun würden mir Namen wie Johanniskraut und Augentrost gerade nicht weiterhelfen. Aber bei Facebook habe ich ein paar gute Tipps für Seiten mit Namen bekommen und eine Seite habe ich selbst gefunden, die vor allem hilfreich ist, wenn man wissen möchte, welche Namen in welchem Jahr in waren.

Das habe ich übrigens auch noch gelernt: Die Bezeichnung für Namenskunde ist Onomastik, das klingt doch irgendwie schon wie Gehirngymnastik, oder?

Links:

  • Interviews mit Max Kruse, Gabriele Beyerlein, Cornelia Funke und anderen: http://www.uvrr.de/downloads/luftanhang279ff.pdf
  • Die beliebtesten Vornamen von 1890 bis heute: http://www.beliebte-vornamen.de/755-beliebte.htm
  • Zufallsgenerator für englische Namen: http://www.kleimo.com/random/name.cfm
  • Zufallsgenerator für Vor- und Nachnamen: http://zufalls.name/

 Quelle für das Fontanezitat: Brief an Hauptmann Lehnert in Th. F. Briefe, Hrs. von Drude und Nürnberger Bd. 4, S. 34