(22.11.2013) Je näher die Abreise rückt, umso dicht gedrängter werden die Tage. Nach einem interessanten Frühstück beim Ehepaar Rödler und schwäbischen Maultaschen in der Gesellschaft von Julia, Sebastian und Felix und ihren Eltern ging es in die Stadtbücherei Tailfingen zu einer Lesung von Wieland. Nein, er ist nicht aus dem Grab gekrochen, das war eher Thema des Abends im Stauffenberg-Schloss. Dr. Christian Schenk, Leiter des Gymnasiums in Ebingen, hat aus seinem Buch mit Texten von Martin Christoph Wieland vorgetragen, begleitet wurde er dabei von Bernd Braun am „Wanderklavier“, wie ich es nennen würde. Einen Flügel hätte man kaum bis unters Dach tragen können und es wäre auch kein Platz für ihn gewesen. Der Raum war bis auf den letzten Platz und darüber hinaus belegt.

Ich gebe zu, bis zu dem Nachmittag kannte ich Wieland nur aus alten Schulbüchern und Gedicht-Anthologien. Jetzt werde ich doch zu Hause den Wieland-Band, der dort seit Jahren ungenutzt steht, hervorholen. Natürlich muss man sich in seine Texte einhören oder lesen, schließlich stammen sie aus dem 18. Jahrhundert, aber seine Ideen sind auch heute noch aktuell. Zu seinen Lebzeiten hat er sogar mehr verdient als Goethe, der wie auch Schiller zur gleichen Zeit wie Wieland lebte und wirkte.

Von Tailfingen aus, das als kleine Anmerkung, bin ich fix nach Burgfelden hoch, um meinen Umzug nach Ebingen vorzubereiten. Etwas hektisch, aber lohnend, denn so konnte ich den Gruselabend im Stauffenberg-Schloss richtig genießen. Hätte ich noch auf den Berg fahren müssen, hätte ich sicher das tolle Erlebnis, mit einem Marimbaphon-Spieler zu sprechen und selbst einige Töne auf einem Marimbaphon anzuschlagen verpasst. Doch das ist schon das Ende des Abends – die angenehme Gänsehaut nach den Gruselschauern, die das Midnight Story Orchestra mir und den gut 100 anderen Besuchern des „Grusicals“ Usher beschert haben.

Unglaublich, wie es einem Sprecher und fünf Musikern gelingen kann, durch einen virtuosen und kreativen Umgang mit ihren Instrumenten von E-Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Klavier, Vibra- und Marimbaphon bis zur Sprechstimme eine gruselie Stimmung zu erzeugen. Ich sah das „Haus Usher“ förmlich vor mir, wie der Geist der Lady Usher dort umgeht und es am Ende – ach, das verrate ich nicht, um den Spaß am Programm nicht zu verderben. Wer Gelegenheit hat, das Midnight Story Orchestra zu erleben, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen. Außer „Usher“ lassen Sprecher und Musiker die Zuhörer auch bei „Graf Dracula“ gruseln oder im neu geplanten Programm mit den „Elexieren des Teufels.“

Termine und weitere Informationen über das Orchester gibt es unter www.midnightstoryorchestra.de