(25.10.2013) Als ich gestern in Stuttgart im Hotel eincheckte, fiel mir als erstes der Flyer über eine Ausstellung im Kunstmuseum in die Hände: Willi Baumeister International. Die Werke Baumeisters haben mich schon immer fasziniert, nicht nur, weil er von den Nazis schon 1933 als Professor an der Kunstgewerbeschule entlassen wurden und seine Werke als „entartet“ galten. Es ist vor allem seine Art, mit Formen, Farben und Material ganz unterschiedliche Wirkungen zu erzielen, die mich begeistert.

Auf drei Etagen werden im Kunstmuseum Stuttgart seit dem 19. Oktober bis zum 2. März 2014 seine Werke gezeigt. Im „Kubus“, um genau zu sein, der dort steht, wo ich in den 90er Jahren auf einer Treppe gesessen und Eis gegessen habe. Von unten nach oben arbeitet man sich als Ausstellungsbesucher durch Leben und Werk Willi Baumeisters, der den größten Teil seines Lebens in Stuttgart verbracht hat – unterbrochen von Reisen und längeren Aufenthalten in Frankfurt, Bad Urach und Wuppertal. Ja, er war von 1937 bis 1944 gar nicht weit von Hagen entfernt in einer Lackfabrik angestellt! Von dort aus fuhr er oft in seine Heimatstadt Stuttgart, wo es heute ein großes Willi Baumeister-Archiv gibt. Mit Dokumenten und Werken Baumeisters und Werken befreundeter Künstler aus seinem Besitz. Allein diese Werke von Leger, Mondrian, Miro und vielen anderen bekannten Künstlern sind schon einen Besuch der Ausstellung wert. Auch die Briefe wie der von Kandinski und Kataloge seiner Ausstellungen laden zum Betrachten ein. Vor allem aber seine Werke.

Willi Baumeister „Saul Illustration XLVIII, 1943“

Schon in dem Raum mit den Saul Illustrationen habe ich ewig verharrt, weil die Bilder so einfach und doch so eindrucksvoll wirkten. Von den Mauerbildern konnte ich mich kaum lösen, weil sie alle ähnliche Motive zeigten, durch die Wahl der Materialien, Farben und Formen aber doch unterschiedlich waren. In der obersten Etage schließlich erwarteten mich die farbstarken Bilder, die man sofort mit Baumeister verbindet.

Dazu fällt mir nur ein Wort ein: inspirierend. Am liebsten hätte ich mich gleich hingesetzt und meine Bildgeschichten aufgeschrieben. Aber da warteten noch die Fotos der Stankowski-Stiftung auf mich. Zum Glück durfte ich die Bilder für die private Nutzung fotografieren, so kann ich sie zu Hause in Ruhe auf dem Fernseher anschauen. Langeweile wird im Winter also kaum aufkommen, zumal ich heute noch mehr Inputs und Anregungen bekommen habe, doch dazu mehr.

Willi Baumeister „Rote Landschaft“, 1948

Nur noch ein paar Eckdaten zu Willi Baumeister. Er wurde am 22. Januar 1889 in Stuttgart geboren und starb dort am 31. August 1955. Dazwischen lag ein erfülltes, aber auch aufregendes Leben. Von 1905 bis 1908 absolvierte Baumeister eine Ausbildung als Dekorationsmaler und studierte auch bereits an der Kunstakademie in Stuttgart (damals: Königlich Württembergische Akademie für Bildende Künste; heute: Staatliche Akademie der Bildenden Künste). In dieser Zeit begann die Freundschaft mit Oskar Schlemmer, die in der Ausstellung mit einem witzigen Foto der beiden dokumentiert wird. Mit 21 Jahren stellte Willi Baumeister bereits zum ersten Mal im Württembergischen Kunstverein aus. Das war nicht seine letzte Ausstellung mit internationalem Flair , 1925/26 waren Werke in Paris zu sehen und 1926 in New York. Willi Baumeister hatte Kontakt mit vielen Künstlern, die wir aus jener Zeit kennen wie Kandinsky, Delaunay,  Arp, Moholy-Nagy oder Jawlensky. 1928 wurde Baumeister Professor in Frankfurt, eine Stelle die er kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor und während seine Werke im Ausland mit Begeisterung aufgenommen wurden, stuften die Nazis sie als „entartet“ ein und zeigten vier der Bilder in ihrer Ausstellung „Entartete Kunst“. Für Baumeister bedeutete das, dass seine Existenz gefährdet war. Der Wuppertaler Kurt Herberts half ihm wie auch Oskar Schlemmer mit der Beschäftigung in seiner Lackfabrik, die bis zur Zerstörung der Fabrik durch Bomben 1944 währte. Nach dem Zusammenbruch konnte Baumeister dank seiner internationalen Bekanntheit an seine Erfolge vor der NS-Zeit anknüpfen, zahlreiche Ausstellungen fast auf der ganzen Welt sind Zeugnis dafür. Die Prophezeiung Le Corbusiers von 1931 hat sich erfüllt, was nicht zuletzt auch die aktuelle Werkdarbietung in Stuttgart zeigt: „Ihr seid 1920 eingeschlagener Weg ist richtig und interessant. Ihnen gehört mit Sicherheit die Zukunft.“

Informationen zur Ausstellung „Willi Baumeister International“

Seite der Willi Baumeister Stiftung mit Informationen über Leben und Werk