Willi Winzig(29.04.2017) Gestern Abend verwandelte sich die Bühne des Theaters an der Volme in ein Finanzamt, um genau zu sein: in das Finanzamt, in dem Willi Winzig nach 35 Dienstjahren als Amtschreiber seine letzte Dienstwoche vor der Pensionierung verbringt. Doch dann kommt alles anders.

Willi Winzig auf Abwegen

Ausgerechnet eine Woche vor seiner Pensionierung entdeckt ein Vorgesetzter, dass Willi Winzig in seiner Position dem Schicksal ein bisschen auf die Sprünge geholfen hat. Da ist mal hier ein negativer Steuerbescheid im Aktenwust verschwunden und mal da eine schlechte Nachricht zurückgehalten worden. Das kann Willi Winzig seine Pension kosten. Doch zum Glück hat Mnisterialsekretär Dr. Senn eine wunderbare Idee. Wäre Willi Winzig verrückt, könnte man ihm die verrückten Taten nicht anlasten. Für seine Pension nimmt Willi Winzig auch das auf sich. Doch dann ist es wie im wahren Leben: Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Was Willi Winzig auch anstellt, im Nachhinein entpuppt es sich ein Segen für das Finanzamt oder den Minister. Dem Amtschreiber mit den krausen Ideen klebt förmlich das Glück am Schuh und die Pensionierung rückt in weite Ferne.

Die Inszenierung im Theater an der Volme

Schon diese Geschichte enthält viel Stoff für einen amüsanten Abend, dieser wird jedoch noch ergänzt durch den Sprachwitz, für den man Heinz Erhard, den „Vater“ von Willi Winzig kennt und die treffende Besetzung der verschiedenen Rollen. Ich weiß nicht, ob er das gerne hört, aber die Rolle des Willi Winzig bzw. von Heinz Erhard ist Dario Weberg wie auf den Leib geschrieben, obwohl der eine andere Körperstatur hat als der legendäre Komiker, schafft Dario Weberg es mit wenigen Gesten sich in Heinz-Willi Erhardt-Winzig zu verwandeln. Und die skurrilen Sprachspiele muss er nicht üben, die hat er auch in Alltagsgesprächen drauf und kann sie nun gezielt und pointiert auf der Bühne darbieten. Das war richtig großes Kino. Aber natürlich auch weil sich die anderen Schauspieler hervorragend um ihn rankten. Ob das Schauspieler-Neuzugang Susanne Schönlau war, die Willi Winzig als diensteifriges Fräulein Weguscheit umschmeichelte, oder Indra Janorschke als engagierte Tierärztin Dr. Kubin in Finanznöten, Lars Lienen als Ministerialsekretär, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, zumal seine Gedanken ohnehin eher bei Dr. Kubin weilen als bei den Akten. Stefan Schroeder spielte die Rolle aus buckelnder und tretender Sektionschef Doleschall so überzeugend, dass man sich vorstellen konnte, er käme gerade vom Finanzamtsflur und die beiden Minister Kuhländer alias Simon Jakobi und Dr. Finz gespielt von Roman Weber wirkten so echt, dass sie ab Montag durchaus auch im Landes- oder Bundeskabinett mitspielen könnten. Und dann war da noch Sigrid Janorschke, die als Staatsgast Ali Ben Aganemsis aus Hamudestan für Lacher im Zuschauerraum und Unruhe im Ministerium sorgte. Wieder einmal eine gelungene Inszenierung im Theater an der Volme, die sicher noch oft zu sehen sein wird, weil sie einen vergnüglichen Abend beschert, eine Reise in der Zeit, als wir „Willi Winzig“ im Fernsehen sahen und die eine oder andere tiefgründige Botschaft mit Sprachwitz vermittelt.

Ein Stück mit Geschichte

Ich gebe zu, ich kannte Willi Winzig nur aus dem Spielfilm „Was ist den bloß mit Willi los?“ und war überrascht, dass es auch eine Theaterfassung davon gab. Der Titel der Theaterfassung lautete „Das hat man nun davon“ und selbst diese Fassung ist die Bearbeitung des Lustspiels „Wem Gott ein Amt gibt …“ von Wilhelm Lichtenberg. Heinz Erhardt hat Lichtenbergs Lustspiel auf sich in der Hauptrolle angepasst und es nach der Uraufführung 1969 an die 600-mal in Deutschland, Österreich und der Schweiz gespielt. Der Mitschnitt einer solchen Aufführung ist bei YouTube zu sehen  – aber wer will YouTube, wenn er das Stück auf einer echten Bühne sehen kann. © Birgit Ebbert

Die Termine der nächsten Aufführungen: 11.05., 21.05., 23.06., 16.07., 19.08., 23.09., 24.09.

Karten und weitere Informationen: www.theaterandervolme.de

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