(16.07.2014) In meinem Regal mit Büchern zur NS-Zeit steht unter anderem dieses Buch von A. E. Dumbach und J. Newborn über die Weiße Rose, die Widerstandsgruppe um Hans und Sophie Scholl. Ich habe mich erinnert, dass ich das Buch vor 25 Jahren rezensiert habe und tatsächlich meine Rezension wiedergefunden.

Die Weiße Rose, eine Gruppe um die Geschwister Scholl und andere Münchener Studenten, die zur bekanntesten Widerstandsbewegung im Nationalsozialismus geworden. „Man muss etwas tun, um selbst keine Schuld zu haben“, sagt Sophie Scholl und das ist für sie, ihren Bruder und ihre Freunde die Grundlage für ihr Handeln.

Gerade die Geschwister Scholl hatten die Ideologie des Nationalsozialismus gut gelernt, da sie sich zunächst wie fast alle jungen Leute, den entsprechenden Jugendorganisationen anschlossen. nach und nach entdeckten sie Widersprüche und stellten fest, wie sehr ihre Freiheit und Individualität eingeschränkt wurde. Unterstützt von ihrem Vater, der seit jeher gegen Hitler eingestellt war, konnten sie ein Menschenbild entwickeln, das schließlich über den passiven Widerstand zum aktiven Handeln gegen Hitler wurde. Zusammen mit Alexander Schmorell, Willi Graf und Christoph Probst gründeten sie die Weiße Rose.

Im Laufe der Zeit kamen Anhänger hinzu, die jedoch nie richtig zum engen Kern gezählt wurden. Durch Falk Harnack bekamen sie Kontakt zur nationalen Widerstandsbewegung, die Mitglieder bis in höchste Militärorgane hatte und 1944 dann für das Hitler-Attentat mitverantwortlich war. Doch das erlebten die Mitglieder der Weißen Rose schon nicht mehr, da sie in den ersten Monaten des Jahres 1943 nach einer sehr einseitigen Gerichtsverhandlung hingerichtet wurden.

Den beiden Autoren gelingt es, die Aktivitäten der Weißen Rose eindrucksvoll und realistisch darzustellen, wozu sie sehr viele Quellen heranziehen. Gleichzeitig zeichnen sie ein Bild vom Leben im Nationalsozialismus, von Hitlers Plänen und Anschauungen in Bezug auf Kunst und Religion sowie dem versteckten Widerstand, den einige Professoren an der Münchener Universität leisten.

Angesichts der großen Zahl der Opfer Hitlers, der vielen Menschen, die Hitler an die Macht gebracht haben, erhält der Leser hier einen Einblick in die große Zahl der Menschen, die während der Naziherrschaft aktiv oder passis Widerstand geleistet haben und z. T. ständig in Lebensgefahr schwebten und sei es nur, weil sie Juden oder anderen Verfolgten Unterschlupf gewährten. Hervorzuheben ist auch das nachdenklich stimmende Vorwort von Dorothee Sölle, in dem sie unter anderem Parallelen zur heutigen Zeit zieht.

(erschienen in: Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur: Was soll ich lesen? VIII/IX o. J. ca. 1990)