Roter Sessel oder Literarischer Salon
Das luxuriöse Sitzangebot für den Lesenden
(im Theater an der Volme gesehen)

(20.03.2014) Schon als ich mich während meines Studiums mit Buch- und Lesegeschichte beschäftigt habe, haben mich die „Literarischen Salons“ begeistert. Ich habe mir vorgenommen, dass ich irgendwann so etwas veranstalten möchte, wenn ich Platz genug habe und aus meinen eigenen Werken lesen kann.

Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert war ein Literarischer Salon der Treffpunkt, bei dem sich Literaturliebhaber und Schriftsteller zum Austausch trafen. Oft waren es wohlhabende Familien oder Personen die einluden, aber es gab auch Vereine, die solche Salons organisierten. Häufig waren es die Frauen, die solche Einladungen aussprachen, zu den Bekanntesten zählen sicher Bettina von Arnim, Fanny Lewald, Rahel Varnhagen oder Alma Mahler-Werfel. Bei Wikipedia findet sich eine lange Liste der Literaturliebhaberinnen, die mit ihren Salons jungen Schriftstellern eine Plattform boten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geriet diese Form der Unterhaltung in Vergessenheit, vielleicht durch die stärkere Verbreitung von Kinos und der Fernsehgeräte. Lediglich aus der ehemaligen DDR ist bekannt, dass in den 80er Jahren illegale Wohnzimmerlesungen stattfanden, bei denen sich Kritiker des Systems trafen und austauschten.

Falls im Wohnzimmer nicht Platz genug ist
(fotografiert in der Autostadt)

Seit einigen Jahren erleben die Salons eine Renaissance, manchmal als Literarischer Salon, manchmal als Wohnzimmerlesung. Allen gemeinsam ist, dass es sich um eine Lesungen oder Treffen in einem kleinen, ausgewählten Kreis handelt im Vergleich zu Lesungen in Theatern, Buchhandlungen oder anderen Veranstaltungshäusern. Ich habe versucht, herauszufinden, wann und wo dieser „Virus“ seinen Anfang nahm. In Berlin gibt es seit zehn Jahren den „Literatursalon am Kollwitzplatz“, in den einmal im Monat Schriftsteller und Gäste zum Austausch eingeladen werden. Die ersten Bilder von einer echten Wohnzimmerlesung fand ich bei flickr, sie geben einen Einblick in eine Wohnzimmerlesung vom 4. November 2006. Seit etwa 2010 scheint diese Veranstaltungsform zu boomen. Ich hatte die Idee, hier eine Liste der Wohnzimmerlesungen anzufügen, aber dann hätte das Verlinken länger gedauert als meine erste Wohnzimmerlesung.

Das wäre mein Favorit – Corvos wohl auch.
(Vor der PayaLounge in Hagen fotografiert)

Ja, am 1. April wird es in Hagen die erste Wohnzimmerlesung geben. Das ist kein Aprilscherz, auch wenn die Geschichte der Lesung witzig klingt. Ich habe die Initiatorin der Lesung, Monika Schulte, nämlich vor gut einem Jahr über Facebook kennengelernt, kurz vor meiner Buchpremiere im Theater an der Volme, bei der ich Monika auch live getroffen habe. Als sie vor zwei Monaten davon träumte, eine Wohnzimmerlesung zu veranstalten, habe ich mich spontan als „Versuchsautorin“ angeboten und bin nun sehr gespannt, wie das Ganze ablaufen wird.

Zur Vorbereitung werde ich nicht nur endlich einen ganz besonderen Roman als E-Book veröffentlichen, ich habe auch recherchiert, was mich bei einer Wohnzimmerlesung erwartet. Nicht, dass ich ein Problem damit hätte, auch in kleiner Runde zu lesen und Fragen zu beantworten, aber „Wohnzimmerlesung“ klingt für mich so besonders, dass ich nichts falsch machen möchte. Da ich keinen gefunden habe, habe ich mir selbst einen Wohnzimmerlesungs-Knigge gebastelt.

Den Platz habe ich mir für die Lesung am 1. 4. ausgesucht.

1. Erkundige dich vor der Abfahrt nach der Adresse der Location, nicht jedes Wohnzimmer ist im Navi als Sonderziel verzeichnet.

2. Denk an den Lesestoff und die Lesebrille und sorge dafür, dass der Akku deines E-Readers aufgeladen ist, falls du aus einem E-Book lesen willst.

3. Such dir im Wohnzimmer einen Platz, an dem du genug Licht hast, um den Text zu erkennen. Bau notfalls das Wohnzimmer nach deinen Vorstellungen um.

4. Lies so laut, dass du das Knistern der Chips und das Knattern der Rohkost speisenden Zuhörer übertönst.

5. Sei auf alle Fragen vorbereitet, einen kleinen Antworten-Pool enthält übrigens mein Kinderroman „Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan“.

Dank dieses kleinen Benimmkurses blicke ich der Lesung gelassen entgegen, zumal ich weiß, dass Monika ein Nudelholz bereithält – für welche Fälle, das ist mir allerdings noch nicht ganz klar. Fortsetzung folgt am 2. April. © Birgit Ebbert