(01.09.2015) Ich gebe zu, bis vor wenigen Tagen war mir der Künstler Zdeněk Sýkora unbekannt. Aber das Bild auf der Einladung zur Vernissage und der Hinweis, dass er zu den Pionieren der Computerkunst zählte, hat mich ins Emil-Schumacher-Museum gelockt – trotz des schönen Wetters. Und ich habe es nicht bereut, zum einen weil mich die Bilder angesprochen haben, aber auch weil ich es interessant fand, die Sicht der Witwe des Künstlers, Lenka Sýkorová, und auch eines langjährigen Freundes Hans-Peter Riese, der den Einführungsvortrag hielt, kennenzulernen. Das ist das Schöne an Ausstellungseröffnungen, man bekommt unverhoffte Einblicke, die ein Werk in ein anderes Licht rücken.

Von Lenka Sýkorová haben wir erfahren, dass ihr Mann die Werke Emil Schumachers sehr schätzte und sich gefreut hätte, wenn er wüsste, dass er seine eigenen Werke in dessen Museum für einige Monate ein Zuhause finden. Bis zum 14. Februar sind die „Linienbilder“, die teils noch nie öffentlich zu sehen waren, im Kunstquartier in Hagen zu betrachten. Manchen von ihnen sind Werke Schumachers gegenüber gestellt, die zeigen, dass Kunst sehr ähnlich sein kann, auch wenn sie auf ganz unterschiedliche Weise entsteht.

Hans-Peter Riese, der sich als politischer Korrespondent und Kunstsammler seit Jahrzehnten mit der tschechischen Kunstszene befasst, berichtete von Begegnungen mit dem Künstler, die uns seine Persönlichkeit näher gebracht haben. Interessant fand ich, dass Zdeněk Sýkora einerseits als Pionier der Computerkunst gilt, aber nicht wollte, dass man ausführlich über seine Arbeit mit dem Computer schreibt. Genau das hat mich interessiert und auch, wie das Zusammenspiel von Computer und Malerei aussieht. Aber natürlich verstehe ich auch, dass er verärgert war, dass man ihn nur auf den Computer reduziert hat, wo dieser letztlich nur die Vorlage für seine Malerei erzeugt hat. Statt selbst auszurechnen, wo welche Form oder welche Linie platziert werden muss, um einen bestimmten Eindruck zu erzeugen, hat er den Computer arbeiten lassen. In den 70er Jahren wohlgemerkt. Da gab es nicht wie heute unendliche Anwendersoftware, mit der man sich aus mathematischen Gleichungen hübsche Bildchen und Animationen zeigen lassen konnte. Damals mussten die Parameter selbst festgelegt und programmiert werden, wozu ihn die Begegnung mit einem Mathematiker inspiriert hat.

Was in dem Einführungsvortrag trotz der interessanten Anekdoten und Zitate des Künstlers etwas abstrakt klang, wurde in der Ausstellung und vor allem durch eine Einführung von Rouven Lotz dann klar. Angefangen hat Zdeněk Sýkora damit, dass er den Computer die Verteilung von Formen hat nach dem Zufallsprinzip bestimmen lassen. Daraus entstand zum Beispiel das erste Bild mit den Halbkreisen, das man in der Ausstellung sieht. Der Computer hat die zig Möglichkeiten der Kombination von Halbkreisen ausgeworfen und der Künstler hat diese auf die Leinwand zunächst mit Hilfe von Zirkel, Lineal und Bleistift übertragen und die Halbkreise dann gemalt. Um zu zeigen, dass das Muster unendlich wiederholt werden könnte, hat er das Ganze im nächsten Schritt nicht senkrecht, sondern um geschätzt 30 Grad gedreht auf die Leinwand gebracht. Solche Überlegungen faszinieren mich und sie zeigen, wie sich Mensch und Computer ergänzen können.

Aber auch von den Formen hat er sich gelöst, um sich auf die Linien zu fokussieren, für die es unendliche Möglichkeiten der Anordnung gibt, sodass er mit anfangs Öl- später Acrylfarbe immer neue Bilder schaffen konnte. Einige davon sind im Emil Schumacher Museum zu sehen. Ein Rundgang lohnt sich, gerade mit dem Wissen um die Gedanken des Künstlers im Hinterkopf. Beim Googlen der Bilder des Künstlers habe ich festgestellt, dass ich manche Werke doch kannte – übrigens ein Tipp für diejenigen, nicht (sofort) in die Ausstellunge gehen können. Einfach in der Google-Bildersuche „Zdeněk Sýkora“ eingeben und staunen. © Birgit Ebbert

Oder die Internetseite des Künstlers anschauen (Link zur deutschsprachigen Fassung)

Informationen zum Emil-Schumacher-Museum und zur Ausstellung

Bis zum 25.10. ist dort auch noch die Ausstellung „Objet Trouvé“ zu sehen.