(27.02.2014) Auf der Liste der möglichen Tatorte für meine Ruhrgebietskrimis steht auch die „Zeche Zollern“ in Dortmund. Bis heute kannte ich dieses „Schloss der Arbeit“, wie es im Flyer genannt wird, nicht. Eine große Bildungs- und Erlebnislücke, wie ich heute feststellen musste. Schon beim Einbiegen in den Grubenweg, an dem sich das Gelände befindet, haben mich die hübschen Häuser rechts und links der Straße entzückt. Nach dem Einparken kam ich aus der Begeisterung über die wunderschöne Architektur mit den Backsteinfassaden und Türmchen an den Giebeln nicht heraus und ich verstand, warum das Steinkohle-Bergwerk als eines der schönsten Industriedenkmäler in Deutschland gilt.

Treppenaufgang im Verwaltungsgebäude

Und wir reden nicht über die Wohnhäuser der Bergwerksmanager, sondern über die Gebäude, die Anfang des letzten Jahrhunderts zu einem Zechengelände gehörten, zur damaligen Zeit war es nicht selbstverständlich, dass Industriebauten wie diese den „Schönheitsregeln der Baukunst“ entsprachen, zum Beispiel

  • die Markenstube, in der sich die Bergleute an- und abmelden mussten wie
  • die Lohnhalle mit Magazin, Waschkaue und Lampenstube, in der sich die Kumpel auf ihren Einstieg vorbereiteten
  • das Verwaltungsgebäude mit den Schaltern, an denen der Lohn abgeholt wurde
  • die Schachthalle, die das Schachtgerüst über dem Förderschacht umschließt
  • das Pumpen- und Maschinenhaus
  • das Kesselhaus
  • die Werkstattgebäude und
  • der Pferdestall, in dem früher die Pferde und Kutschen und andere Utensilien der Werksfeuerwehr befanden und in dem sich heute ein Restaurant befindet
In der Waschkaue: So wurde die Kleidung im Bergbau aufbewahrt.

Nachdem man durch die Markenstube und die heutige Kassenhalle den Innenhof betritt, beeindrucken als erstes das alte Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1902 und die beiden Fördertürme. Aber auch der Lohnhallentrakt, der sich rechts befindet und in dem die Dauerausstellung zu sehen ist, und das Werkstattgebäude, in dem wechselnde Ausstellungen gezeigt werden, laden zum Betrachten ein. Dabei blickt man nur auf einen kleinen Teil des gesamten Geländes, das immer wieder neue Überraschungen bereithält.

In der Lampenstube war meine Kamera im Vorteil.

Ich habe mich als erstes in der Dauerausstellung umgetan. die mit Schautafeln, Exponaten, Filmausschnitten und Spezial-Effekten einen Einblick in das Leben der Bergleute im letzten Jahrhundert gibt. Die Besucher erfahren, wie Bergbaulehrlinge ausgebildet werden, wie der Alltag eines Bergmannes aussah und wie er seine Freizeit verbrachte. Mein Favorit der Spezial-Effekte war die Dunkelkammer, in der man erleben kann, wie dunkel es unter Tage ist. Erst nach langer Umgewöhnung konnte ich das nebenstehende Bild erahnen, während meine Kamera es halbwegs erkennbar fotografieren konnte.

Unter der Dauerausstellung befindet sich ein wunderbarer „Kinderkeller“, in dem Kinder in einer Mischung aus Klettergarten, Spielplatz und Sinnespark erleben, wie Menschen früher im Bergbau gearbeitet haben. Auf die Kletterelemente habe ich verzichtet, da aber kein Kind dort war, bin ich durch die Räume gehuscht. Fast ein Muss für Ruhrgebiets-Kinder, würde ich sagen.

Eine der vielen Entdeckungen

Nach dem Rundgang durch die Ausstellung waren mein Kopf und meine erste Speicherkarte voll, aber es gab noch so viel zu sehen. Na gut, den Förderturm habe ich nicht ganz bis oben bestiegen, aber auch auf dem Boden warteten so viele interessante Dinge: eine Museumsbahn, alte Waggons, Sägen, Holzstapel, viele viele alte rostige Räder, an denen ich mich nicht satt sehen konnte, eine Brikett-Maschine, Kohle natürlich und allerlei Dinge, die zum Bergbau gehörten.

Zwischendurch habe ich mir eine Pause im Pferdestall gegönnt, in dem heute „Soviel Pfannkuchen, wie Sie essen können“ offeriert wurden. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen und so konnte ich meine Erkundungstour nach einer guten halben Stunde gestärkt fortsetzen.

Die Maschinenhalle ist leider derzeit geschlossen und in dem Werkstattgebäude war ich auch nicht, da wurde aber auch gerade gearbeitet, aber ich war sicher nicht zum letzten Mal dort. Zumal im Museumsshop ein interessantes Angebot an Literatur über das Ruhrgebiet und Industriegeschichte zum Stöbern einlädt.

Die Museumsbahn vom Förderturm betrachtet

Dass heute Besucher durch das Zechengelände schlendern können, ist übrigens das Verdienst von Dortmunder Bürgern und Denkmalschützern. Als die Zeche Zollern 1966 stillgelegt wurde, wurden viele Gebäude, z. B. die Kamine und Kühltürme, schnell abgerissen. Als auch die Maschinenhalle mit ihrer Jugendstilfassade der Abrissbirne zum Opfer fallen sollte, wurden die Bürger aktiv. Zunächst gehörte das Gelände zum Bochumer Bergbaumuseum, heute ist es Teil des Westfälischen Industriemuseums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und Ankerpunkt der Route Industriekultur. © Birgit Ebbert

Internetseite von Zeche Zollern

Weitere Eindrücke meines Besuchs auf Zeche Zollern:

Ach ja, es gab eine Ausstellung über Modell-Fahrzeuge.
Seitentür der Maschinenhalle
Und darum geht es: Kohle
Praktische Ratschläge gab es auch noch
Kommunikationsmittel im Bergbau
Natürlich war ich in Begleitung – das Foto entstand,
bevor Corvo in die Pfütze fiel.
Fenster in der Lohnhalle

Autorin Katia Simon auf Zeche Zollern

Und hier sind noch Eindrücke der Künstlerin Marlies Blauth – wieder ganz anders