Auch irgendwie Zen(05.08.2016) Ja, was ist Zen eigentlich? Das habe ich mich dann auch gefragt, nachdem ich vor einigen Wochen den Beitrag über Miksang geschrieben habe, in dem ich diese Art der Fotografie mit Zen-Fotografie verglichen habe. Es gibt Begriffe, von denen jeder weiß, was sie bedeuten, aber wenn man sie definieren soll, fängt man an zu zweifeln. Vielleicht geht das auch nur mir so. Ich habe mich jedenfalls im Urlaub auf die Suche nach einer Definition begeben. Auch, weil mir auffällt, dass verschiedene „Zens“ sich in Buchhandlungen ausbreiten, es also ein Thema der Zeit ist.

Definitionsversuch Zen

Der gemeinsame Nenner aller Definitionen ist, dass es sich um eine Lebens- und Geisteshaltung handelt. Dabei spielt die mentale Versunkenheit und die Konzentration auf das Wesentliche des Augenblicks unabhängig von Vorgaben oder Bewertungen eine zentrale Rolle . Ich gebe zu, dass ich immer skeptisch bin, wenn es heißt, man soll etwas annehmen, ohne es zu beurteilen. Meines Erachtens geht das nicht. Jede Wahrnehmung ist geprägt von bisherigen Erfahrungen. Würde man manches gar nicht wahrnehmen, hätte man nicht eben jene Erfahrungen. Selektive Wahrnehmung findet nämlich nicht nur im Kleinen statt, sondern auch im Grundsatz. Man wird auf Dinge aufmerksam, die einen interessieren, die einem bekannt vorkommen oder auch irritieren, aber das ist immer abhängig von der individuellen Wahrnehmungsgeschichte. Ich glaube auch nicht, dass man diese Erfahrungen durch noch so lange Meditation wieder loswerden kann. Was nicht heißt, dass ich nicht davon ausgehe, dass man durch bewusste Konzentration auf etwas, Gedanken abschalten oder gezielt lenken kann.

Auch irgendwie Zen, oder?

Bevor ich hauptberufliche Autorin war, konnte ich dies sehr gut beim Schreiben oder Lesen. Heute gelingt mir das nur noch gelegentlich, wenn ich in die Wortmenge eines Subsets eintauche oder ein wirklich spannendes Buch. Dafür kann ich aber die Welt ausknipsen, wenn ich Kraniche, Lesezeichen oder andere Dinge falte oder – da war ich von mir selbst überrascht – Mandalas ausmale. Allerdings nur die kleinen, die ich dann wieder für Faltungen nutzen kann 🙂

Entspannen beim Fotospaziergang

c-birgit-ebbert-IMG_4586In solchen Momenten lebe ich tatsächlich ohne Ziel im Augenblick, konzentriere mich auf Farben oder Faltungen und blende andere Gedanken aus. Das kann ich ebenso beim Fotografieren – vor allem dann, wenn ich ziellos durch die Stadt streune und meinen Blick schweifen lasse. Die Miksang-Anhänger würden das vielleicht als Form von Miksang bezeichnen. Ich habe schon immer gesagt, mein Yoga ist das Fotografieren. Und inzwischen ist mein Yoga auch das Falten ist – dank Dirk Bruchmann. Er hat mich an einem Abend in der Rathausbuchhandlung wieder auf den Faltgeschmack gebracht, nachdem ich früher viel gebastelt, geklebt, geschnitten und gefaltet habe.

Na gut, Fast-Zen, Semi-Zen oder so

Ich weiß natürlich, dass Zen sehr viel komplexer ist, als ich es hier beschreibe. Es ist Teil einer buddhistischen Lehre und was ich schildere stellt nur einen Ausschnitt dar. Eben jenen, sich außerhalb der aktuellen Zwänge und Situation zu begeben und die Gedanken möglichst ganz auszublenden, um Ruhe zu finden und ein inneres Gleichgewicht zu finden. Im Zen-Buddhismus geschieht dies durch das Zazen, das Sitzen und Meditieren. Für mich wäre das nichts und wie ich bei meiner Lektüre erfahren habe, entscheidend ist, dass jeder seinen eigenen Weg findet. Ich bin schon nah dran und werde demnächst mehr darüber berichten. Vielleicht kann ich den einen oder die andere motivieren, auf diese Weise zur Ruhe zu kommen und die Welt für einige Momente auszublenden. © Birgit Ebbert