Indra Janorschke als Christine Vole &
Dario Weberg als Sir Wilfrid Robarts
Hinten: Anne Fülling als Richterin mit ihren Schöffinnen

(29.09.2013) Gerade merke ich, dass es nicht leicht ist, meinen Eindruck von der Inszenierung von „Zeugin der Anklage“, deren Premiere ich am Freitag im Theater an der Volme gesehen habe, aufzuschreiben, weil ich so gefesselt war, dass ich mir keine Notizen machen konnte. Wenn ich ehrlich bin steht in meinem Notizbuch nur der Satz: „Manchmal denke ich, dass Männer wirkich dumm sind.“ von Christine Vole, der Frau des Angeklagten. Wenn ich es recht bedenke, passt der wirklich gut zu diesem Stück.

Natürlich kenne ich den Film „Zeugin der Anklage“ von Billy Wilder, auch wenn mir nicht klar war, dass er auf einem Theaterstück von Agatha Christie fußte. Da ich dazu neige, das Ende von Spielfilmen zu vergessen, hat mich die Aufführung dennoch gefesselt. Gleich am Anfang wird klar, dass es um den Mord an einer älteren Frau (von 56 Jahren – erstes Publikumsgelächter) geht. Und es stellt sich die Frage, wer wenn nicht der sympathische, linkische Leonard Vole die Frau erstochen haben konnte. Obwohl ich den Film kannte, habe ich mitgerätselt und mal Frau Vole und die Haushälterin Janet McKenzie, zwischenzeitlich sogar den Inspektor und Staatsanwalt als Täter verdächtigt. Jedenfalls war ich froh, als der verdruckste Verdächtige freigesprochen wurde, auch wenn immer noch nicht klar war, wer denn nun der Täter war. Das werde ich hier natürlich nicht verraten, um jedem Besucher der Aufführung das Vergnügen des Miträtselns zu lassen.

Denn es lohnt sich, die Aufführung zu besuchen. Fast bin ich geneigt zu sagen, es ist ein Muss – auf jeden Fall für Krimi- und Agatha Christie-Fans. Zumal es die erste so große Inszenierung im Theater an der Volme ist. Die kleine Bühne, auf der sonst oft nur ein Schauspieler agiert, war teilweise ziemlich voll. Auf jeden Fall, als alle 13 Darsteller sich am Schluss erleichtert und glücklich verbeugten. Sie hatten allen Grund zur Freude. Das Theater war fast voll besetzt und das Publikum war begeistert. Regisseur Lars Lienen, der auch noch überzeugend Leonard Vole spielte, hat es geschafft, die Spannung stets hochzuhalten und das Besondere dieses Gerichtskrimis auf die Bühne zu bringen. Ob Staatsanwalt (Simon Jakobi) oder Anwalt (Dario Weberg), Haushälterin (Sigrid Janorschke) oder Christine Vole (Indra Janorschke) oder alle anderen Mitwirkenden – jeder hat seine Rolle überzeugend gespielt, sodass das Publikum sich im Gerichtssaal wähnte als Teil der Geschworenen. Die Hauptlast lag natürlich bei Dario Weberg, der über zwei Stunden ständig präsent sein musste und mit seinen Monologen und Fragen durch die Handlung führte. Chapeau und einen besonderen Glückwunsch an ihn. Indra Janorschkes Aufgabe war sicher ebenso schwierig, musste sie doch die verschiedenen Persönlichkeitsfacetten der Christine Vole darstellen, was ihr glänzend gelang. Kurzum: eine wunderbare Inszenierung, der viele Besucher zu wünschen sind.

Oh, fast hätte ich das Bühnenbild vergessen, das so schlicht wirkte, weil „nur“ ein Gerichtssaal gezeigt werden musste. Das Knifflige war, dennoch gleichzeitig das Gericht und die Zeugen präsent darzustellen, sicher stecken hinter der scheinbar leichten Anordnung eine ganze Reihe kreativer Gedanken. Ich jedenfalls fühlte mich irgendwann als Teil der Geschworenen und war froh, dass ich nicht richten musste.

Die nächsten Aufführungen finden statt am 6. und 31 Oktober, 9. und  22. November, 14. Dezember.

Weitere Informationen www.theaterandervolme.de

Ich werde mir als erstes eine DVD mit dem Film beschaffen und sehen, ob Billy Wilder und seine Crew die Story so gut hinbekommen haben wie das Team vom Theater an der Volme! © Birgit Ebbert