(13.01.2011) Dank des Schnees an den Weihnachtstagen bin ich endlich wieder einmal dazugekommen, all die tollen Bücher zu lesen, die in der Lesewarteschleife warteten. Jetzt habe ich auch eine kleine Rezension dazu geschrieben. Ich habe mir für das neue Jahr überlegt, hier gelegentlich Bücher vorzustellen, die mir besonders gefallen haben. Damit das keine langweiligen Rezensionen werden, stelle ich den Autoren jeweils drei Fragen zum Buch und veröffentliche hier auch die Antworten. Ich freue mich besonders, dass dieses Buch das erste ist, das ich hier vorstelle.

Aus irgendeinem Grund faszinieren mich die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts schon immer. Ich verbinde sie mit Modernität und Aufbruch, Emanzipation und Frechheit, dank des wunderbaren Buches „Zitronen im Mondschein“ von Gina Mayer weiß ich, dass mein Gefühl richtig war und dass ich gerne in der Zeit gelebt hätte. Sicher war auch diese Zeit nicht einfach, das wird in der Geschichte um Mira, ihre Freunde und Familie deutlich. Aber damals war so viel möglich.

Miras Freundin Gudrun macht sich mit einem Modegeschäft selbstständig, na gut, durch die damalige Wirtschaftskrise muss sie es auch wieder schließen. Mira selbst arbeitet als Serviererin in einem Restaurant in Düsseldorf. Sie will unabhängig sein von ihrer Mutter, die sie für ihre Kindheit hasst. Dabei hat Mira nur einen Teil ihrer Kindheit bei ihrer Mutter verbracht. Doch die hat sie in ein Waisenhaus geschickt, von wo aus sie in eine Familie kam, mit der sie nicht zurechtkam. Manche Demütigung hat Mira erleiden müssen – dank ihrer Mutter, da ist sie sich sicher. Mit gemischten Gefühlen begegnet sie ihrer Mutter, sie hasst sie und dennoch steht sie für den schönsten Teil ihres Lebens, ihre ersten sieben Lebensjahre im Zirkus. Hier war Mira frei und anerkannt, ein Gefühl, das sie seitdem stets aufs Neue sucht – im Kino, in Freundschaften, in Gesprächen mit dem Maler, der seit einiger Zeit ins Restaurant kommt und immer in ihrem Servicebereich Platz nimmt. Er wird zu einer Konstante in ihrem Leben und rettet ihr am Ende sogar das Leben.

Aber nicht nur Miras Sicht und ihr Blick auf das Leben und die Kultur der dreißiger Jahre bekommen Raum in diesem zauberhaften Buch, das man kaum aus der Hand legen kann. (Ich war zum Glück eingeschneit und musste nur kleine Kühlschrank-Pausen einlegen!) Auch das Leben von Miras Mutter, ihre Beweggründe, Ängste und Hoffnungen werden erzählt. Immerhin hat sie Miras Vater verlassen, um ihre Tochter zu retten. Eine Wahrsagerin hatte ihr nämlich vorhergesagt, dass sie während der Schwangerschaft etwas in sich trüge, das dem Geliebten den Tod bringen würde. Um diese Tragödie zu verhindern, hat sie den Mann, den sie Zeit ihres Lebens liebt, weggeschickt und sein ganzes Leben leiden lassen. Doch niemand entgeht seinem Schicksal, das hat Gina Mayer mit dieser beeindruckenden und überraschenden Geschichte gezeigt.

Den Leser erwartet jedoch nicht nur eine spannende, manchmal beklemmende und manchmal rührende Familiengeschichte. Er bekommt einen Eindruck von den 20er Jahren, den Anfängen des Kinos und der Kunst, die wenige Jahre später als entartet gelten wird.

Ein Buch, das in jedes Bücherregal gehört – aber erst, nachdem es gelesen wurde!

Wieso lautet der Titel des Buches „Zitronen im Mondschein“?

Die Antwort findet sich im Roman: „Zitronen im Mondschein“ ist der Name eines futuristischen Rezeptes, das gleich zweimal im Buch vorkommt. Und gleichzeitig passt es in seiner poetischen Verrücktheit auch als Titel für den ganzen Roman – fand ich zumindest.

Wie hast du all die Informationen über die Zirkuswelt in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg in Erfahrung gebracht?

Ich habe ein paar Berichte und Romane über Wanderzirkusse in der damaligen Zeit gelesen, es gab auch eine sehr gute Reportage über das „Fahrende Volk“ im Fernsehen – ich glaube, auf Arte – aber im Großen und Ganzen waren die Zirkuskapitel die Abschnitte, zu denen ich am wenigsten recherchieren musste. Irgendwie ist das Thema Zirkus zeitlos – so viel hat sich da in den letzten Jahrhunderten nicht verändert. Dafür hab ich zu allen anderen Themen des Romans – ob es um Kunstgeschichte, Politik, den Ersten Weltkrieg oder um so etwas Banales wie Warenhäuser und Kinos in den 20er Jahren ging – wie eine Blöde recherchiert. Es hat Unzeiten gedauert, bis ich das Gefühl hatte, das Ganze einigermaßen im Griff zu haben.

Waren Frauen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wirklich schon so emanzipiert, dass sie sich selbstständig machen durften?

Na klar. Wann, wenn nicht damals? Die ersten drei Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts waren die Zeit der Emanzipation. Die Frauenbewegung war schon so weit! Aber dann kamen die Nazis mit ihrem Terror und der zweite Weltkrieg – und nach der Stunde Null konnten wir schön wieder von vorne anfangen …

Gina Mayer hat noch mehr viel mehr geschrieben, was, das erfahrt ihr auf ihrer Internetseite. Amazon