(17.09.2019) Seit Jahren liegt in einem Kästchen neben meinem Schreibtisch ein Flyer, den ich auf der Buchmesse in Frankfurt mitgenommen habe. Zu sehen sind Vater & Sohn, die beiden Figuren aus den Bildergeschichten, die ich kenne, woher, das weiß ich nicht mehr. Jetzt endlich war ich in Plauen, in der Galerie, die mit dem Flyer vorgestellt wurde. Und wenn ich es schaffe, fahre ich im Herbst noch einmal hin, auch weil die Stadt so zauberhaft ist.

Wie Herti mich nach Plauen schickte

Als ich die Briefe von Herti Kirchner las, tauchte irgendwann der Name Ohser auf. Das ist nicht verwunderlich, schließlich war sie mit Erich Kästner liiert und dieser war seit seinen Anfangsjahren als Journalist mit Erich Ohser befreundet. Irgendwo las ich oder hat es mir jemand erzählt, dass Herti Kästner erst über Ohser kennengelernt hätte. Zumindest taucht der Name Ohser gleich in ihrem ersten Brief über Erich Kästner auf und eine frühe Gemeinsamkeit von Herti und Ohser habe ich inzwischen auch entdeckt. Sorry, dass ich sie euch jetzt noch nicht verrate, aber ich habe gelernt, dass ich nicht alles, was ich weiß, veröffentlichen sollte 🙁 Aber ich wollte ja auch über meinen Besuch in Plauen berichten. Ich bin dorthin gefahren, um zu sehen, ob Erich Ohser Herti Kirchner vielleicht in einem Brief erwähnt hatte. Das war wirklich beeindruckend, in den alten Briefen zu lesen und auch das Gespräch mit der Leiterin der Erich Ohser – e. o. plauen Stiftung war sehr aufschlussreich. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, dass ich die 170 km von Gotha aus dorthin gefahren bin.

Die e. o. plauen-Galerie, ein Museum für Erich Ohser

Neben den nicht öffentlich zugänglichen Archivalien gibt es in Plauen für jeden viel von und über Erich Ohser zu sehen. Seinen Schreibtisch, seinen Schrank, Familienfotos, Vater und Sohn-Geschichten natürlich, aber auch Karikaturen, die er ab 1940 für die Wochenzeitung Das Reich gezeichnet hat. Gegen seine Überzeugung hatte er sich mit dem System arrangiert, weil er zeichnen wollte und weil er seine Familie ernähren musste. Erich Kästner hat ihm das nach dem Krieg anfangs vorgeworfen, da lebte Erich Ohser nicht mehr, er wurde zusammen mit dem dritten Erich, Erich Knauf, 1944 wegen Hochverrats angeklagt und kam seiner Hinrichtung zuvor, indem er sich in seiner Zelle erhängte. Auch das erfährt man beim Besuch der Ausstellung, in einem sehr guten Film vom MDR über Erich Ohser. Dort kommt auch Ohsers Sohn zu Wort, der dafür gesorgt hat, dass der Nachlass seines Vaters in seinen Heimatort kommt. Und der Ort erweist sich als würdiger Bewahrer des Erbes, wo man hinsieht, begegnen einem Vater und Sohn. Der rechtliche Bewahrer des Nachlasses ist die Erich Ohser – e. o. plauen Stiftung, aber man spürt, dass die ganze Stadt Erich Ohser dankbar ist, dass er mit seinem Pseudonym e. o. plauen der Stadt ein Denkmal gesetzt hat. Heute revanchieren sich Stadt und Gewerbetreibende mit vielen Vater- und Sohn-Denkmalen 🙂 © Birgit Ebbert