(12.12.2015) Ja! Heute wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Ich war auch überrascht, als mir das bei meinem Besuch des Stücks „Frank“ im Theater an der Volme auffiel. Er wurde am 12. Dezember 1915 in einem kleinen Ort in New Jersey als einziges Kind eines Profiboxers, Feuerwehrmanns und Kneipenbesitzers und einer Lokalpolitikerin geboren. Seit ich denken kann, kenne ich den Namen Frank Sinatra und auf der CD, die ich im Regal gefunden habe, sieht er so jung aus, dass ich nicht gedacht hätte, dass er so alt war. Aber man sieht an seinem Leben, dass es sich lohnt, einem Traum nachzujagen.

Der Weg zur Musik von Frank Sinatra

Schon als Kind hat er sein Faible für Musik entdeckt und die Lieder in der Kneipe seines Vaters mitgesungen, bis die Gäste auf ihn aufmerksam wurden und ihm zuhörten. Dennoch dauerte es eine Weile, bis er seinen ersten Job als Musiker bekam. 1939 engagierte ihn Harry James, damals berühmter Leiter einer Big Band, als Sänger. Das verschaffte ihm erste Erfolge und Kontakte in die Musikszene, schon ein Jahr später warb ihn Tommy Dorsey für sein Orchester ab und 1943 bekam er einen Plattenvertrag bei der Columbia.

Dario Weberg als Frank Sinatra1943 – das war es, was mich irritiert hat, als Indra Janorschke und Dario Weberg in ihrem Programm die Lebensgeschichte des Sängers erzählten und spielten. Ich verbinde mit dem Jahr 1943 automatisch Krieg, Zerstörung und Kampf ums Überleben. Durch das Stück „Frank“ ist mir plötzlich (vielleicht auch wieder) klar geworden, dass in Amerika das Leben weitgehend normal weiterging, während hier bei uns Krieg war. Da sieht man, was so ein Theaterstück auslösen kann. Übrigens wieder ein tolles Stück, das Sachinformationen mit Musik verbindet, so etwas mag ich einfach. Dario Weberg hat die größten Hits von Frank Sinatra in Erinnerung gerufen, auch die Songs, die Sinatra selbst gar nicht so mochte wie „Strangers in the Night“ und „New York New York“ und in der Rolle des Sängers dessen Leben reflektiert. Indra Janorschke verkörperte die Frauen im Leben des Entertainers – seine Mutter, seine erste Frau Nancy und seine große Liebe Ava Gardner und schilderte aus deren Sicht, die Entwicklung Sinatras zum Star. Sehr gelungen, finde ich. © Birgit Ebbert

Wie Indra Janorschke und Dario Weberg zu Frank Sinatra kamen

Ich wollte von Indra Janorsche und Dario Weberg wissen, wieso sie ausgerechnet ein Sinatra-Programm entwickelt haben, was ihnen an seinem Leben besonders wichtig ist und welches ihr persönlicher Lieblingssong ist. Herzlichen Dank für die Antworten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen ausgerechnet ein Programm über Sinatra zu entwickeln?
Indra: Ich glaube, wir sind auf die Idee gekommen, weil uns irgendwann aufgefallen ist, dass Darios Stimme sehr gut für Frank Sinatra Songs geeignet ist. Und er war eine interessante Persönlichkeit. Wir haben ja früher immer biografische Theaterstücke geschrieben und da bot sich Frank Sinatra an.
Dario: Wie du ja weißt, sind wir mit unserem LiteraTourTheater mit szenisch gespielten, biografischen Stücken über bekannte Literaten des deutschen Sprachraumes gestartet: Goethe, Schiller, Heine, Tucholsky, Kästner und, und, und…
Ergänzt wurde unser Repertoire dann mit literarisch-musikalischen Revuen, besonders zu Weihnachten beziehungsweise zu bestimmten Jahrzehnten (20er/30er Jahre, später dann auch die 50er/60er Jahre usw.). In der musikalischen Vorbereitung zu diesen Programmen tauchten während des Gesangsunterrichtes auch immer mal wieder Sinatra Songs auf (Fly me tot he moon u.a.), die mir besonders lagen und die mir ungemein Spaß machten. Ich liebe diese American Songbook-Songs und Jazz-Standards. Daraus entstand dann die Idee, das Leben Sinatras mit seinen Welthits auf die Bühne zu bringen.

Indra Janorschke als nachdenkliche NancyWie ist das Programm konkret entstanden?
Indra: Wir haben viel gelesen und die Lieder ausgesucht, die hinein sollten. Ich habe die Texte geschrieben und Dario die Musik ausgewählt.
Dario: Entstanden ist das Programm nach sorgfältiger Recherche von Biografien zu Sinatras Leben aus mannigfaltigen Quellen. Indra ist dann auf die Idee gekommen, Sinatras Leben aus der Sicht seiner Mutter Dolly, seiner ersten Ehefrau Nancy und Mutter seiner Kinder, sowie seiner großen Liebe Ava Gardner zu erzählen. Diese Personen erscheinen sozusagen als träumerische Retrospektive in Sinatras Gedanken, der auf der Bühne sitzt, Whisky trinkt und raucht. Er erzählt dann aus seiner Sicht, bzw. ergänzt Informationen. Indra hat das Stück geschrieben und ich habe die Songs ausgewählt.

Welches ist dein persönlicher Lieblingssong, Indra, und deiner, Dario? Weshalb ausgerechnet diese Lieder?
Indra: Mein persönlicher Lieblindssong ist „My Funny Valentine“.
Frank und der BarmenschDario: Ich möchte den zweiten Teil deiner Frage zuerst beantworten: „Warum gerade diese Lieder?“ Die Songs sind thematisch, also inhaltlich auf die Dramaturgie abgestellt. Es beginnt mit „That’s Life“ als Intro, gefolgt von seiner „Resumée-Ballade“ „It was a very good Year“, in dem er anfänglich auf seine wunderbaren Jahre zurückblickt über seinen ersten Nummer 1-Hit „I’ll never smile again“, bis der Handlungsbogen die letzten Jahre seines Lebens beleuchtet, in dem er sagt: „Egal, was ich gemacht habe, ich habe es auf meine Art und Weise gemacht.“ I did it „My Way“.
Lieblingslieder: Es gibt definitiv vier Songs, die ich am liebsten singe, wobei ich die anderen in knappem Abstand folgen lasse: 1. „The Lady is a Tramp“, 2. „For Once in my Life“, 3. “One for my Baby” und 4. (auch wenn es total abgenudelt und kitschig ist) “My Way”.

Die nächsten Aufführungen von „Frank“ sind am 6. Januar und am 20. März. Weitere Informationen.