Meine Lieblingsbücher von Agatha Christie(15.09.2015) Während mein erster Hagen-Krimi durch die Druckmaschinen läuft, arbeite ich schon an dem nächsten. Darin will eine Laienspielgruppe eine Kurzgeschichte von Agatha Christie auf die Bühne bringen. Ein Thema, das ich unter anderem gewählt habe, um eine Entschuldigung zu haben, dass ich statt der Neuerscheinungen meiner Autorenkollegen zum x-ten Mal die Krimis von Agatha Christie lese 🙂 Aber ich habe nicht nur ihre Krimis gelesen, sondern auch ihre Autobiografie – mit dem gleichen Vergnügen wie ihre Geschichten über Miss Marple, Hercule Poirot und Co. Die Übersetzung, die ich gelesen habe, ist 1977 unter dem Titel „Agatha Christie: Meine gute alte Zeit.Die Autobiographie einer Lady“ erschienen. Da sieht man übrigens schön, dass Verlage auch bei Buchtiteln manchmal sehr kreativ sind – der Titel der englischen Ausgabe lautet:“Agatha Christie: An Autobiography“. Nichts von gute alte Zeit oder Lady! Aber das habe ich gleich vergessen, weil mich das Buch wie die meisten ihrer Werke gleich gefesselt hat. Auf andere Art als ihre Krimis, vielleicht weil ich es durch die Autorinnenbrille gesehen habe. Aber schon bei diesem Satz fühlte ich mich an meine Schreibarbeit erinnert: „Eigentlich sollte ich einen Krimi schreiben, doch der natürliche Drang, alles zu Papier zu bringen, nicht nur das, ws er sollte, erweckt ganz unerwartet in mir das Verlangen, meine Autobiographie zu schreiben.“

Die Autobiographie von Agatha ChristieAls sie diesen Satz schrieb, am 2. April 1950, war Agatha Christie 59 Jahre alt. Geboren wurde sie am 15.September 1890 in Torquay, in der Grafschaft Devon, wo ihr 125. Geburtstag in diesem Jahr gebührend gefeiert wird. Ihr Vater war übrigens kein Engländer, sondern stammte aus den USA, aber ihre Mutter war Britin. Beide unterstützten sorgten dafür, dass sie eine glückliche Kindheit hatte, die durch den Tod ihres Vaters 1901 ein abruptes Ende fand. Doch bis dahin hatte sie „ ein schönes Zuhause und einen Garten, den ich liebte, eine weise und geduldige Kinderfrau, einen Vater und eine Mutter, die einander vergötterten, eine ausgezeichnete Ehe führten und wunderbare Eltern waren.“ (S.11) In diesem Umfeld brachte sich Agatha früh das Lesen und Schreiben bei, obwohl ihre Mutter fand, dass Kinder vor acht oder neun Jahren dieses nicht können sollten. Am Ende fügte sie sich, ließ ihre Tochter gewähren und förderte sie.

Zunächst sah es allerdings nicht danach aus, als würde aus Agatha eine Schriftstellerin werden, sie begann Musik zu studieren, arbeitet als Krankenschwester während des ersten Weltkriegs, heiratete 1914 Archibald Christie und bekam eine Tochter. Allerdings sammelte sie viele Erfahrungen, unter anderem während ihrer Tätigkeit im Krankenhaus über Gifte, die sie in Geschichten verarbeitete. 1920 wurde dann der erste Krimi veröffentlicht, darin sucht Hercule Poirot „Das fehlende Glied in der Kette“ (Originaltitel: The Mysterious Affair at Styles). Das Buch fand schon großen Anklang in den USA und in England, berühmt wurde sie dann jedoch 1926 durch „The Murder of Roger Ackroyd“, bei uns unter dem Titel „Alibi“ erschienen. In ihrer Autobiographie beschreibt sie, was sie zum Schreiben dieser und auch anderer Geschichten bewogen hat und was sie auch im Nachhinein geärgert hat, zum Beispiel dass sie „Hercule Poirot gleich am Anfang so alt gezeichnet hatte“ (S. 284.) „Ich hätte ihm nach den ersten drei oder vier Büchern den Laufpaß geben und mit einem viel jüngeren Helden anfangen sollen“, schreibt sie in ihrem Buch. Solche Reflektionen und auch die konkreten Bezüge zu ihren Werken sind es, die für mich die Faszination der immerhin über 500 eng beschriebenen Autobiographie ausmacht an der sie sechs Jahre geschrieben hat. Wer sich also anlässlich ihres Geburtstages mit der Queen of Crime beschäftigen möchte, dem empfehle ich die Lektüre der Autobiographie oder auch einen ihrer 66 Kriminalromane, deren Gesamtauflage auf über zwei Milliarden Bücher geschätzt wird. Mein Lieblingskrimi ist ja immer noch „Der Wachsblumenstrauß“, trotzdem wird es nicht die Geschichte sein, die meine Laientheatergruppe spielen wird. © Birgit Ebbert