(24.11.2014) Heute vor 150 Jahren wurde Henri Toulouse-Lautrec geboren, das allein wäre schon Gund genug für einen Blogbeitrag. Die rund 200 Grafiken von ihm, die derzeit im Emil Schumacher Museum 200 Meter Luftlinie hinter mir zu sehen sind, haben mich neugierig gemacht, wer dieser Mann eigentlich war und warum heute alle Welt von ihm spricht und nach Hagen kommt, um seine Werke zu betrachten.

Henri Toulouse-Lautrec wurde am 24. November 1864 in Albi als jüngster Spross eines alten Adelsgeschlechts geboren, dessen Wurzeln bis zur Zeit Karls des Großen zurückreichte. Entsprechend weich gebettet war seine Kindheit. Zwar trennten sich seine Eltern, als er drei Jahre alt war, allerdings gab es immer genügend Verwandte, die den kleinen Henri verhätschelten, zumal seine Gesundheit schon immer etwas angeschlagen war. Hinzu kamen die mit 10 Jahren diagnostizierte Kleinwüchsigkeit und zwei Unfälle, bei denen er sich mit 13 und 14 nacheinander beide Beine brach. Das führte u. a. dazu, dass er überwiegend Privatunterricht bekam und häufig in Sanatorien weilte, was für den Jungen nicht immer spannend war. Also begann er Menschen und Tiere zu zeichnen, bekam Unterricht in die Malerei und hielt mit 14 Jahren die Schlösser der Familie in Öl fest. Bis zum Abitur, das Henri nur mit Mühe schaffte, stand für ihn fest, dass er Maler werden würde. Fü die Eltern vermutlich keine große Überraschung, mussten sie ihm doch schon als Kind die Stifte wegnehmen, damit er ins Bett ging. Entsprechend haben sie seine Pläne unterstützt.

Mit knapp 18 Jahren begann Henri Toulouse-Lautrec im Atelier in Paris von León Bonnat seine Ausbildung als Künstler. Damit hatte er zwar nicht den Mentor seines Lebens, wohl aber den Ort seines Daseins gefunden. Fortan lebte er fast nur in Paris rund um das Moulin Rouge und den Place Pigalle. In der Boheme, die sich dort angesiedelt hatte, und den Bars fand er Freunde und Wohlwollen, was sich auch in seinen Werken niederschlägt.

Heute sind es vor allem seine Bilder, Grafiken und Plakate aus dem Rotlichtmileu, dem Zirkus und Theater, die ein großes Publikum anziehen. Einige davon sind derzeit in Hagen im Emil Schumacher Museum zu sehen, sie stammen aus der Sammlung von Otto Gerstenberg, der bereits zu Lebzeiten des Künstlers begann, die Werke anzukaufen. Das Besondere an der Ausstellung sind neben einigen berühmten Plakaten die vielen Studien und Vorarbeiten zu jenen Werken.

Dieses Motiv hängt auch in der Ausstellung, es wurde aber am Riesenrad auf dem Weihnachtsmarkt fotografiert – wo gibt es das schon außer in Hagen.

Doch nicht nur wegen seiner Werke hat Henri Toulouse-Lautrec dafür gesorgt, dass sein Name auch 150 Jahre nach seiner Geburt noch bekannt ist. Er entdeckte die Lithografie als Darstellungsmittel für sich und sorgte mit seiner besonderen Art, die Farben aufzutragen, dafür, dass seine Werke heute als Meilenstein in der Werbegeschichte und Geburtsstunde, könnte man sagen, der Werbeplakate gelten.

Wer in Hagen oder im Umkreis wohnt, sollte sich die aktuelle Ausstellung, die in dieser Weise erstmals und noch bis zum 25. Januar 2015 zu sehen ist, nicht entgehen lassen. Besonders erwähnt werden muss der kleine Katalog, der speziell für diese Ausstellung erstellt wurde, weil er ausgehend von der Hagener Beziehung zu Toulouse-Lautrec die Entwicklung des Künstlers anhand ausgewählter Werke der Ausstellung beschreibt. © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zur Ausstellung: Emil-Schumacher-Museum

Meine Sicht von der Ausstellung

Bericht über die Vernissage von „Der Meister der Linie im Emil-Schumacher-Museum“