(09.06.2014) Eher zufällig sah ich vor zwei Wochen, dass am 27. Mai in der Stadthalle der Stummfilm „Faust“ von Friedrich Wilhelm Murnau mit musikalischer Begleitung durch das Philarmonische Orchester Hagen gezeigt wurde. Ich wusste sofort, dass ich mir diesen Abend nicht entgehen lassen durfte.

Vor über 20 Jahren habe ich den Stummfilm „Der müde Tod“ von Fritz Lang auf Kinoleinwand gesehen – mit Klavierbegleitung und ich sehe diesen Film noch vor mir, als wäre ich gestern dort gewesen. Dabei habe ich seither viele Filme im Kino gesehen. Aber keinen Stummfilm. Wann auch?

Heute geht es mir mit dem Film „Faust“, den ich vor zehn Tagen gesehen habe, genauso. Obwohl er in der Stadthalle leider nicht auf einer großen Kinoleinwand gezeigt wurde und die Stadthalle mich optisch auch sonst nicht begeistert hat. Das machte in dem Fall nichts, weil der Film und das Philarmonisches Orchester sowie der Philarmonische Chor gefesselt haben.

Es war so. Der Film dauerte 105 Minuten und die Zeit kam mir vor wie eine halbe Stunde. Anders als andere Besucher hat mir auch das Geräusch des Filmprojektors gefallen, der ziemlich über mir rauschte und mich in die Filmseminare meiner Studienzeit zurückversetzte.

Ich ahnte, dass der Film mich begeistern würde. Was ich nicht vermutete, dass es sich um ein Meisterwerk handelt, bei dem ich mich immer wieder daran erinnern musste, dass er 1926 entstanden ist. In einer Zeit also, als es noch keine elektronischen Bearbeitungsmöglichkeiten gab und Regisseure versuchen mussten, ihre Special Effects beim Filmen umzusetzen.

Der unglaubliche Film, der auf der Faustsage fußt, die auch Goethes Faust zugrunde liegt, war aber nur eine Facette des Abends. Ebenso beeindruckend war die Musik, die Bernd Wilden speziell für diesen Film komponiert hat. In seiner sehr interessanten Einführung hat er anschaulich erklärt, wie er bei der Entwicklung der Musik vorgegangen ist, warum er das Motiv für den Faust aus sechs Töne von Liszts Faustsinfonie entwickelt hat und wie aus dem „König von Thule“ aus der Faust-Verfilmung von Gründgens die Melodie für Gretchen wurde.

Wer die Gelegenheit hat, dieses Filmkonzert samt Einführung zu erleben, sollte sie nutzen. Das ist ein Erlebnis, wie man es heute nur selten hat.

Weitere Informationen über den Komponisten Bernd Wilden und den Film „Faust“ von Friedrich-Wilhelm-Murnau.

Blogfoto: Ausschnitt aus dem Cover des Programmhefts zum Konzert am 27. Mai 2014