(24.05.2014) Mein Fazit in Sachen Akquise für Schreibende ist: Man braucht Menschen, die über einen sprechen, einen empfehlen oder einen Kontakt herstellen. Soviel vorweg zu meinem Beitrag zur Blogparade von Birte Vogel in ihrem Blog „Schreiben als Beruf“. Warum ich das Fazit vorwegnehme, bleibt ein Geheimnis bis zum Ende meines Beitrags. Birte Vogel sammelt in ihrer Blogparade Beiträge zum Thema „Akquise für (frei-)beruflich Schreibende“ – eein Thema, das mich beschäftigen muss, seit ich mich 2006 selbstständig gemacht habe.

Das erste „Denn“: Ich habe schon als Kind davon geträumt, den ganzen Tag nur zu schreiben, mir aber nie Gedanken darüber gemacht, dass ich vom Schreiben nur leben kann, wenn jemand für meine Texte bezahlt. Und zwar nicht nur mit Lob, guten Worten oder Ratschlägen wie „Das solltest du unbedingt veröffentlichen“, sondern in barer Münze oder besser noch mit Überweisung. Kurzum: In meinem Traum von der Selbstständigkeit als Autorin kam Akquise nicht vor.

Nun hatte ich das Glück, dass ich über ein Netzwerk verfüge und die ersten Aufträge schon vor dem Start der Selbstständigkeit eintrudelten. Ich landete also mit meinen ersten aktiven, aber erfolglosen Bemühungen um die Akquise von Neukunden nicht auf dem Betonboden, sondern auf dem Rasen der Tatsachen.

Was habe ich damals gemacht: Mit der Computer-Gießkanne Mails und Briefe an potenzielle Auftraggeber abgeschickt – immerhin schon personalisiert und auf den potenziellen Kunden abgestimmt. Ich habe mich in Texter-Datenbanken eingetragen und Verlage mit Ideen bombardiert, die zum Teil sogar umgesetzt wurden – nur leider nicht von mir, aber so manche Gliederung fand ich ein oder zwei Jahre später in Büchern aus eben jenen Verlagen wieder.

Einiges davon hat Früchte getragen, manchmal mit einem Zeitversatz von einigen Monaten. Vor allem aber habe ich in dieser Zeit gelernt, dass Akquise für Schreiber nicht viel anders funktioniert als die Akquise für Bäcker, Metzger oder andere Dienstleistungen:

  1. Als Geschichten-Schreiberin benötige ich ein Schaufenster, in dem sich mögliche Kunden anschauen können, was ich mache – das ist meine Homepage, die ich immer weiter entwickelt und inzwischen um einen Blog ergänzt habe.
  2. Als Geschichten-Schreiberin brauche ich Menschen, die anderen erzählen, dass ich Geschichten schreibe und man diese bei mir bestellen kann.

Während ich nämlich nach potenziellen Kunden für meine „Geschichten mit dem Info-Tüpfelchen“ und meine Buch-Ideen suchte, kam plötzlich hier ein Auftrag über Twitter, da ein Auftrag über eine Netzwerk-Kollegin und dort ein Auftrag über Xing. Letztlich waren es die sozialen Kontakte im weiteren Sinne, durch die ich Aufträge bekommen habe.

Als ich mich das nächste Mal aktiv auf den Akquise-Weg begab, um zwei Bücher zu realisieren, habe ich das berücksichtigt. Statt meine Idee einfach so an einen Verlag zu schicken, habe ich bei Xing geforscht, ob ich jemanden in dem Verlag finde oder sogar kenne. Und siehe da, in einem Fall hatte eine Frau, die ich von einem anderen Projekt kannte, den Verlag gewechselt und zwar just zu jenem Verlag, bei dem ich gerne meine Idee realisiert sehen wollte. Ich habe sie kontaktiert, sie hat mich an die zuständige Kollegin weitergereicht und drei Wochen später hatte ich den Vertrag für das Buch.

Das hat natürlich nicht immer so gut geklappt wie hier, aber ich habe die Lehre daraus gezogen, dass für mich als Profi-Schreiberin der Aufbau und die Pflege von Kontakten der wichtigste Grundstock der Akquise ist. Das Wunderbare daran ist, dass ich mir selbst seit dieser Erkenntnis alles, was ich gerne mache, als Akquise verkaufen kann – ich besuche Ausstellungen, gehe ins Theater, lese Bücher, entdecke Städte, quatsche und höre zu, lerne Menschen kennen, schreibe darüber und schaffe viele Anknüpfungspunkte für den Tag, an dem ich wieder akquirieren möchte.

Das zweite „Denn“: Ich mag es noch immer nicht zu akquirieren und die Vorstellung, hinter jemandem herzutelefonieren und ihm meine Schreib-Dienstleistung anzubieten, ist ein Horror für mich. Deshalb schiebe ich das auch gerne hinaus und hoffe, dass sich von allein neue Projekte ergeben, einfach weil ich mit Leuten ohnehin ins Gespräch komme.

Upps, jetzt habe ich mir die Liste der Fragen, die Birte ihrem Aufruf zur Blogparade mitgegeben hat, angeschaut und – so fürchte ich – nur wenige der Fragen beantwortet. Aber das ist eben das Besondere an der Akquise von Schreiberinnen – es gibt für nichts ein allgemeingültiges Rezept: Jede/r schreibt anders – das einzige, was sie verbindet, sind Grammatik, Rechtschreibung und der Traum vom Schreiben.

Irgendwie sind Visionen doch auch Sterne. Aber das ist eine der Figuren aus den Gute-Nacht-Geschichten, für die ich einen Verlag suche 🙂

Nun bin ich eine bekennende Anhängerin von Träumen und Visionen als Motivatoren. Auch bei der Akquise habe ich gemerkt, dass ich oft – leider nicht immer – mit einer Vision von einem Buch oder Projekt vor Augen leichter zum Ziel kam als wenn ich eine vage Idee hatte. Wenn Birte Vogel mich nach dem ultimativen Akquise-Tipp gefragt hätte, lautete meine Antwort: Stell dir das Projekt, das du realisieren möchtest, so genau wie möglich vor und überlege dir, welche Auftraggeber dafür passend wären und mach dich dann gezielt auf die Suche – schau in den realen und virtuellen Netzwerken, wer weiterhelfen könnte und sprich und schreib darüber. Und das mache ich jetzt auch für ein Buch mit Gute-Nacht-Geschichten, dessen Figuren ich mir schon habe nähen lassen, nun fehlt mir nur noch ein Verlag, der das Buch mit einem tollen Zeichner realisiert. Ich sehe es schon vor mir. Ihr dürft das übrigens ruhig weitererzählen, denn mein Fazit in Sachen Akquise für Schreibende ist … (siehe oben) © Birgit Ebbert

P.S. Wie schön, dass ich endlich einmal in meine Fotokiste greifen konnte:
Das oberste Foto stammt aus Stuttgart, ich glaube, es ist der Balkon der Hochschule der Künste, es passt gut, als Beitragsbild, weil Akquise doch viele kopflos macht.
Den Briefkasten habe ich vor Jahren, ich glaube, in Salzburg fotografiert.
Die Figurengruppe stammt von Christel Lechner, die habe ich vor zwei Jahren in Gevelsberg gefunden.
Und Corvo sitzt auf einer Figur, die auf einem der Plätze in der Bochumer Innenstadt steht.