Gruselige Kunst
Ich weiß, von Grusel keine Spur, wenn man dieses Foto anschaut. 🙂

(14.11.2014) Nein, in diesem Beitrag geht es nicht um den neuesten Mysterythriller oder Horrorfilm, sondern um die beiden Ausstellungen, die am Samstag im Osthausmuseum eröffnet werden. Ich muss vorweg schicken, dass ich bis zum Pressegespräch nicht wusste, was mich erwarten würde.

Entsprechend irritiert war ich, als ich den Saal betrat und im ersten Moment dachte, dort hingen lauter alte Meister, also Rembrandts & Co. Beim genaueren Hinsehen, machten sich erste kleine Anzeichen von Irritation breit. Ein Mann mit Vogelkopf, daneben eine Nonne, ein Mädchen, das mich aus sechs Augen ansah und ähnliche Absonderlichkeiten – aber alle wirkten, als hätte Rembrandt höchstselbst die Farben angerührt und den Pinsel geschwungen. Je mehr Bilder ich jedoch ansah, umso stärker wich die Irritation einer Faszination und in meinem Kopf entstanden die ersten Geschichten. Was, unter uns, kein Wunder ist. Ich habe in meiner Ideenkladde nachgeschaut, da gibt es eine Seite unter dem Arbeitstitel „Tienschen“, na ratet mal, was das für Wesen werden sollen. Diese Bilder gehören übrigens zu der Ausstellung „InSightOut“ von Dietmar Gross, einem Künstler aus dem Saarland, der sich mit verschiedenen Facetten der Entwicklungsbeziehung von Tier und Mensch beschäftigt und sich falls erforderlich wie für die gezeigten Werke, auch in die Arbeitsmethoden des 17. Jahrhunderts reinfuchst und mit Form und Inhalt ein ganz besonders Werk schafft.

Blutige Kunst von Claire MorganApropos reinfuchst, eine gute Überleitung zur zweiten Künstlerin, die ebenfalls das Thema Tier in seinem Verhältnis zur Menschheit aufgreift, allerdings in einer völlig anderen Form, die für zartbesaitete Betrachter vielleicht nicht immer so einfach ist. Selbst ich – obwohl als Ex-Jugendschützerin einiges gewohnt – war irritiert, als ich das zweite Kunstwerk sah und erst recht, als ich bei der Führung erfuhr, worum es sich bei dem ersten Kunstwerk in der Runde, die ich gemacht habe, handelte. Auf die genaue Beschreibung von Kunstwerk 1 verzichte ich jetzt mal, es ist auf dem Foto rechts neben Kurator Vincent Schmidt. Die Kugel, die nur leicht zu erkennen ist, besteht aus – och nöh, ich will euch den Spaß nicht verderben. Sie ist eine der Installationen von Claire Morgan, die in der Ausstellung zusammen mit Studien zu den gezeigten und anderen Werken zu sehen sind.

Geheimnisvolle Eule von Claire MorganDas Besondere an den Installationen der jungen Irin, die unter dem Ausstellungstitel „Try Again. Fail Again. Fail Better.“ zu sehen ist, ist die erwähnte Kombination aus Tier und Mensch, obwohl Mensch nie zu sehen ist, muss er auch nicht, er geht ja als Besucher durch die Ausstellung. Auch die Tiere sind nicht alle zu betrachten, obwohl sie da sind oder zumindest ihre Körper und wenn ich sage, ihre Körper, meine ich ihre Körper. Zumindest, wenn ich Vincent Schmidt glauben darf, der seine Behauptung, die Künstlerin hätte das Präparieren von Tieren gelernt, überzeugend belegt hat. Die Tiere befinden sich immer im Zusammenhang mit einem Mantel oder einer Umhüllung aus Nylonfäden, die mit verschiedenen Materialien bestückt sind, so ähnlich wie Perlenvorhänge, aber dann mit Pflanzensamen, Fetzen von Plastiktüten oder anderen kleinen Dingen.

Ins Künstler-Kästchen geschaut
Ins Künstler-Kästchen geschaut – ob ich mehr zeigen darf, muss ich noch ermitteln.

Vor dem Pressegespräch habe ich ein wenig zugeschaut, wie die letzte Installation eingerichtet wird. Das kann man kaum glauben, wenn man das nicht gesehen hat. Nach einem bestimmten System, das Claire Morgan festgehalten hat, werden zig solcher „Vorhänge“ aufgereiht, dadurch schält sich für den Betrachter mit der Zeit eine Form heraus, meist geometrisch oder eine Verbindung verschiedener geometrischer Körper. Mehr will ich nicht verraten, ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass das anfängliche Unbehagen, das ich Grusel genannt habe, irgendwann der Faszination gewichen ist. In jedem Fall wird das ein Ausstellungsbesuch, den man nicht so schnell vergisst. © Birgit Ebbert

 

Dietmar Gross: InSightOut

Claire Morgan: Try Again. Fail Again. Fail Better.

Ausstellungseröffnung: Samstag, 15. November 16.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 16 November 2014 bis 11. Januar 2015

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de