Hier plant das Wehrfritz-Team den Fachtag(09.05.2016) Ende April bin ich einfach mal quer durch das Land gefahren, um mich inspirieren zu lassen. Einmal im Jahr findet am Firmenstandort der Firma Wehrfritz ein Fachtag für Erzieherinnen statt, an dem namhafte Referenten verschiedene Perspektiven der frühkindlichen Bildung beleuchten. Ja, ich weiß, dafür müsste ich nicht Hunderte von Kilometern fahren, aber manchmal ist es einfach auch schön, bei Sonnenschein über die Autobahn zu tuckern und Orte zu besuchen, die man sonst niemals kennengelernt hätte. Ich habe den Ausflug verbunden mit einem Besuch im Friedrich-Fröbel-Museum in Bad Blankenburg, das schon lange auf meiner To-Visit-Liste stand. Habe ich das schon mal abgehakt, ein Bericht folgt, aber zuerst eine kleine, wenn auch verspätete Nachlese über den Fachtag. Die Nachlese lohnt sich deshalb, weil ich bei den Vorträgen, in Gesprächen am Rande und bei der Betriebsführung das eine oder andere Interessante erfahren habe, was vielleicht auch für andere interessant sein könnte. Wie das Gehirn Sprache lernt zum Beispiel, weshalb man die Wände in einem Gruppenraum nicht unbedingt rot streichen sollte und weshalb man sich als Eltern und Pädagoge auch Fehler zugestehen sollte. Und schließlich war es faszinierend zu sehen, wie es gelingen kann, am frühen Morgen eine Menschengruppe mit Musik und Gesang zu einer Einheit zu verschmelzen.

Singen macht Spaß – nicht nur beim Fachtag

Reinhard Horn bringt den Fachtag in BewegungDer Fachtag begann nämlich mit einem Auftritt des Kinderliedermachers Reinhard Horn, der Kreislauf und Konzentration mit dem Bewegungsrap „Wenn ich am Montag aufstehen soll“ auf Touren brachte. „Wer sprechen kann, kann singen, wer laufen kann, kann rennen“, dieses afrikanische Sprichwort hat der Pädagoge zu seinem Motto gemacht, wenn er in Veranstaltungen wie diesen auf die Bedeutung von Singen und Bewegung hinweist. Nachdem die von Manfred Spitzer als wichtigsten bezeichneten Schulfächer Musik, Sport, Kunst und Theater in der Schule schon kaum eine Rolle spielen, ist es wichtig, außerschulisch alles zu tun, was die Freude daran bei Kindern und Erwachsenen wächst. Bei den gut 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist ihm das Plädoyer sicher gelungen.

Sprache lernt man durch Hören und Sprechen

Das Gehirn saugt Informationen aufDie Erkenntnisse und Appelle des Hirnforschers Manfred Spitzer zogen sich durch den Tag, zumindest durch meinen Tag. Bei Dr. Katrin Hille war es nicht verwunderlich, dass er in ihrem Vortrag erwähnt wurde, schließlich ist sie Mitarbeiterin an seinem TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen an der Universität Ulm, das daran arbeitet, die Erkenntnisse aus der Hirnforschung für das Lernen nutzbar zu machen. Wie stark die Hirnforschung helfen kann, Erkenntnisse über Lernprozesse zu gewinnen, die wiederum Grundlage für Anregungen in Elternhaus, Kindergarten und Schule sind, wurde in dem Vortrag deutlich. Ich beschränke mich auf das Fazit, kann aber nur empfehlen, einen vergleichbaren Vortrag zu besuchen, weil die Studien der Neurowissenschaften spannender als jeder Krimi sind und zu erstaunlichen Ergebnissen führen. Natürlich ahnte man das eine oder andere, das ist ja oft so bei wissenschaftlichen Studien, aber zu sehen, dass man richtig liegt, ist auch schön. Ich zum Beispiel arbeite gerade an einem Projekt, in dem es um Lernen durch Erfahrung geht, deshalb fand ich besonders interessant, bestätigt zu bekommen, dass Lernen durch Erklärung und Verständnis nur für einen geringen Teil des Lebens-Lernstoffs hilfreich ist und wir das meiste durch Erfahrung, Übung und Beobachtung lernen – entweder, indem wir Bewegungs- oder Handlungsabläufe abspeichern oder indem wir Regeln abstrahieren, überprüfen und am Ende übernehmen, ändern oder fallen lassen. Das gilt nicht nur, aber besonders für Sprache, um die ging es in dem Vortrag „Wie lernt das Gehirn Sprache?“ ja auch. Und nun kommt das Entscheidende – wenn es so ist, dass das Gehirn ein eigenes Regelwerk aufbaut, dann ist vor allem wichtig, dass Kinder viel Ausgangsmaterial bekommen, sprich, dass sie viel hören und sprechen, um ihre Regeln zu überprüfen. Allerdings reicht es nicht aus, einfach nur Sprache via CD oder Fernsehen über das Kind auszuschütten, für den Prozess der Regelbildung wird nur das ausgewählt, was dem Kind wichtig erscheint. Medien sind zwar interessant, aber da werden keine einzelnen Worte oder Begriffe hervorgehoben wie in einem Gespräch mit den Eltern, wenn diese nachfragen, nachsprechen oder einen Gegenstand konkreter bezeichnen. Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang eine Studie, bei der man in den USA überprüft hat, wie wirksam eine Sprachförderung via DVD bei Babys ist. Beim Vergleich von vier Versuchsgruppen zeigte sich, dass der Wortschatz des Kindes am meisten angestiegen ist, dessen Mutter beim Sprechen mit dem Kind eine Wortschatzliste berücksichtigt hatte. Der Einsatz einer DVD oder alleine oder mit der Mutter hatte dagegen keinen besonderen Effekt. Was im Übrigen Eltern dazu veranlasst hat, gegen den DVD-Anbieter zu klagen – wegen Verzögerung der Sprachentwicklung. Ich sag’s ja – Romanstoff lauert immer und überall 🙂

Dankbarkeit und Demut als Erziehungshaltungen

Jan-Uwe Rogge beim VortragJan-Uwe Rogge beendete den Fachtag mit einem Vortrag von Jan-Uwe Rogge, ich war neugierig, weil ich den Redner aus den Anfängen meines Berufslebens kenne, da er damals für meinen ersten Arbeitgeber freiberuflich Elternabende gestaltet hat – so klein ist die Welt. Den Vortrag habe ich für mich eher als Unterhaltung gesehen, weil er das, was ich selbst bei jedem Elternabend predige, auf humorvolle Art, angereichert mit Zitaten und Anekdoten dargeboten hat. Ein paar Notizen habe ich mir zum rhetorischen Aufbau der Präsentation gemacht, man lernt ja nie aus :-), auch wenn es nicht mein Stil ist, die Zuhörer erst mal zu provozieren – aber den Teilnehmern hat es gefallen, da es auf amüsante Art geschah. Wichtig fand ich den Hinweis darauf, dass es für Pädagogen besonders wichtig ist, dass sie eine positive Beziehung zu sich selbst haben, sich mögen und daher auch Fehler aushalten können. Ich denke, dass sich viele Pädagogen, nicht nur in Elternhaus und Kindergarten, genau da oft im Wege stehen. Mehr Gelassenheit täte da gut und wie Jan-Uwe Rogge empfiehlt, mehr Dankbarkeit und Demut gegenüber dem Wunder Kind.

c-birgit-ebbert-P1200041Oh je, ich habe schon wieder zu viel geschrieben, dabei habe ich noch nicht erwähnt, dass auch gebastelt wurde. Aber das muss ich doch schnell auflösen – nach der sehr interessanten Führung durch den Wehrfritz-Betrieb, in dem Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt, habe ich beim Fachtag mit Lisa Häußler aus dem Wehrfritz-Designteam über die Wirkung von Farben gesprochen. Rot zum Beispiel ist eine belebende Farbe und daher für einen Ruheraum denkbar ungeeignet, aber auch an allen vier Wänden eines Gruppenraumes ist sie nicht sinnvoll, weil dort schließlich auch mal Ruhe herrschen soll, beim Stuhlkreis, beim Frühstück, beim Vorlesen … Wichtig ist eine gute Mischung und vor allem, dass man sich Gedanken über die Farbverteilung macht und nicht einfach Lieblingsfarben wählt, weiß zum Beispiel wirkt sehr kühl, da empfiehlt es sich auf gelb oder cremefarben auszuweichen. Ein spannendes Thema, das mich auch deshalb interessiert hat, weil ich mal einen Krimi dazu konzipiert hatte, der dem Verlag leider zu wenig Hagen-Bezug hatte. Aber vielleicht hole ich die Unterlagen doch noch mal hervor.

Schon erstaunlich, wie viel Input man ganz nebenbei bekommt, oder? Ok, ich bin vielleicht besonders neugierig, aber eigentlich muss man nur Augen und Ohren aufhalten. Dabei wünsche ich viel Spaß. © Birgit Ebbert