(07.03.2015) Ein Jahrmarkt ist ein Markt der Geheimnisse, Überraschungen und Möglichkeiten – der unbegrenzten Möglichkeiten, wie ich vor einer Woche beim Historischen Jahrmarkt feststellen durfte. Nicht nur, dass ich den Kreis meiner Schaustellerfreunde erweitert habe, nebenbei habe ich einen Kriminalkommissar kennengelernt, den ich bei Krimifragen zu Rate ziehen darf, und einen Kirmes-Junkie, der mich gleich zu einer Geschichte inspiriert hat.

Kirmes-Junkie ist nicht ganz richtig. Dirk Roscher ist einfach seit seiner Kindheit ein Kirmes-Fan und hat diese Begeisterung zu seinem Hobby gemacht. Seit einigen Jahren fährt er von Kirmes zu Kirmes in ganz Deutschland und darüber hinaus und sammelt seine Eindrücke in Fotos auf seiner Facebook-Seite, Stadt, Land, Volksfest. Als ich ihn am Samstagabend traf, kam er gerade vom Orgelfestival in Roermond. Zwei Jahrmärkte an einem Tag sind für ihn keine Seltenheit, fast jedes Wochenende von Mitte Februar bis Mitte November ist er unterwegs und fährt dabei einige Kilometer, denn nicht alle Jahrmärkte liegen so dich beieinander wie die auf der „IsHaDo“-Route, auf der man an Ostern drei Veranstaltungen an einem Tag in Iserlohn, Hagen und Dortmund anfahren kann. Ich glaube, die Route hieß „IsHaDo“, jedenfalls erfuhr ich nebenbei, dass es noch mehr solcher Kirmes-Sammler gibt, die sich untereinander verständigen und auch schon mal mitnehmen. Als Listen-Fan stellte ich mir sofort vor, dass Dirk eine Liste sämtlicher Fahrgeschäfte erstellt hätte, die er je gesehen hat. Hat er nicht, aber eine Sammlung von rund 4.000 Fahrchips, die Grundlage für die Liste ist also geschaffen. Und er hat seit 2001 aufgelistet, welche Jahrmärkte er besucht hat. Sagte ich schon, dass es im letzten Jahr 75 waren? Und das ist noch wenig, findet er. Ich finde das viel, ich habe es bisher ja nicht einmal geschafft, alle Hagenen Kirmesen zu besuchen. Aber das wird sich in diesem Jahr ändern!

Ob ich das einhalte oder nicht, hätte mir vielleicht Ashlati El Fantadu sagen können. Seines Zeichens Wahrsager, der sein Talent, anderen die Vergangenheit oder Zukunft vorherzusagen anfangs als Hobby und heute als Beruf einsetzt. Das Angebot auf Jahrmärkten ist nur ein Teil seines Berufs, daneben war er schon Stadtwahrsager und hatte im japanischen Fernsehen eine eigene Sendung. Daneben schreibt er Bücher – über sein Leben und die Erfahrungen, die er aus seinen Sitzungen gewonnen hat. Ich gebe zu, dass es mir unheimlich ist, sich die Zukunft vorhersagen zu lassen, deshalb habe ich darauf verzichtet und mir lieber erzählen lassen, an welchem Buch er gerade arbeitet, abe das verrate ich natürlich nicht.

Ja, ein Jahrmarkt ist immer mit Geheimnissen verbunden, deshalb verrate ich ebensowenig, weshalb ich Hans Boos nachgestellt habe, der seit 40 Jahren auf dem Jahrmarkt nostalgische Fotos macht. Bei ihm konnten sich die Besucher für 10 € pro Person in Kostümen aus dem 19. Jahrhundert ablichten lassen – für den Steampunk-Abend natürlich genau passend, weshalb ich es auch nicht mehr geschafft habe, Hans Boos zu fotografieren, weil er immer hinter der Kamera stand. Aber vorher hat er sich noch mit einem Handkuss von mir verabschiedet. So ein Jahrmarkt ist eben immer für Überraschungen gut! © Birgit Ebbert