(02.10.2019) Am Sonntag war ich endlich in Weimar und war von der Karte der Sehenswürdigkeiten vor dem Bauhaus-Museum erst mal mental erschlagen. DAS kann man nicht an einem Tag schaffen und so ist mein Blogtitel auch ein ganz klein wenig irreführend. Ich war nicht im Schillermuseum, habe es aber auf der Suche nach dem Goethe-Schiller-Denkmal gesehen. Auch das „Schiller-Kaufhaus“ und das in der Nähe gelegene „Goethe-Kaufhaus“ habe ich von außen gesehen 🙂 Die waren am Sonntag geschlossen, im Gegensatz zu der zauberhaften Buchhandlung „Die Eule“, in der ich Faltmodelle fotografiert und einen Roman über eine Buchhandlung gekauft habe 🙂 Aber vor allem habe ich das Bauhaus-Museum und das Neue Museum besucht.

Im Bauhaus-Museum

Ja, was soll ich über das Bauhaus-Museum schreiben, hier konnte ich all das sehen, was ich im Laufe des Jahres in Büchern gefunden habe. Für diverse Bauhaus-Workshops hatte ich ja viel gelesen, aber ich habe auch schon einige Vorträge und Ausstellungen besucht. In dem Museum fand ich eine Klammer zwischen allem, der Film „Sinfonie einer Großstadt“ ist dort ebenso zu sehen wie Lampen von Marianne Brandt, das Spielzeug und andere Materialien für Kinder von Alma Siedhoff-Buscher wird ebenso gezeigt wie die Schwingstühle und andere Möbel. Das Museum fasst die Vielfalt vom Bauhaus gut zusammen und weist mit der Auswahl der Exponate darauf hin, warum das Bauhaus auch heute noch gefeiert wird – die Produkte sind zeitlos, schön in ihrer Schlichtheit und ansprechend in ihrer Funktionalität. Neu war für mich der Bereich über die Bühne am Bauhaus jenseits von Oskar Schlemmer. Eine schöne Ergänzung zu dem, was ich bereits gehört und gesehen habe, bildeten die Filme. Und da man fotografieren durfte, habe ich die eine oder andere Inspiration auf die Speicherkarte gebannt, mal sehen, was ich daraus mache 🙂

Henry van de Velde und Harry Graf Kessler im Neuen Museum

Ich gebe zu, wäre ich nicht mit einer Buchbinderin in Weimar gewesen, wäre ich vielleicht am Sonntag noch nicht im Neuen Museum gelandet. „Neues Museum“ klingt jetzt nicht soooo einladend. Aber Eileen hatte recherchiert, dass es dort eine Ausstellung über den Buchbinder am Bauhaus, Otto Dorfner, gibt und so bin ich mitgegangen und traf auf „alte Bekannte“. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet das Werk von Henry van de Velde, der vor über 100 Jahren mit dem Hohenhof und der Innenarchitektur des Osthausmuseums auch in Hagen architektonische Meilensteine gesetzt hat. In Weimar und Umgebung finden sich viele Gebäude, die er kreiiert hat, vor allem aber war er in Weimar Leiter der Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule, was ich schon einmal gehört, jetzt aber auch mithilfe von Exponaten erlebt habe. Und dann begegnete mir unversehens Harry Graf Kessler, dessen Tagebücher ich bei der Recherche für meinen Roman über Herti Kirchner gelesen habe. Jetzt verstehe ich auch, warum immer wieder Weimar auftauchte. Interessant, wie die beiden in Weimar die Kunstszene bestimmt und mit der Kunstgewerbeschule eine Wurzel für das Bauhaus entwickelt haben. Überrascht hat mich auch, dass ich unter den Bildern in den Räumen mit Gemälden einige Werke von Christian Rohlfs entdecken konnte, der ab 1901 in Hagen im Folkwang-Museum arbeitete und bis zu seinem Tod 1938 in Hageln lebte. Nach dem Museumsbesuch habe ich realisiert, dass Rohlfs seine Ausbildung in Weimar begonnen hat. Unabhängig von den Themen und Begegnungen hat der Besuch des Neuen Museums Spaß gemacht, weil die Exponate so präsentiert waren, dass sie mich neugierig gemacht haben und durch visuelle und auditive Elemente ergänzt wurde. Die 3D-Bilder zeigen, wie die Exponate ursprünglich eingebunden waren.

Bei einem kleinen Abschiedsbummel durch Weimar – ok, bei der Suche nach dem Goethe-Schiller-Denkmal 🙂 – sind mir viele kleine hübsche Gebäude, Plätze und Kunstwerke aufgefallen, sodass ich auf jeden Fall noch einmal hinfahren werde – schon, um den Laden mit den Origami-Elementen im und am Schaufenster von innen anzusehen 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen:
Bauhaus-Museum Weimar
Neues Museum Weimar