(08.09.2021) Heute genau vor zehn Jahren, am 8. September 2011, fand im Theater an der Volme die erste Aufführung statt – ich war damals leider noch nicht dabei und habe erst nachher in der Zeitung darüber gelesen. Meine Nachricht über Xing an Indra Janorschke oder Dario Weberg ist dann auch leider untergegangen, aber zum Glück fand im Januar 2012 ein Business Breakfast in den Räumen des Theater statt, woraufhin ich sofort einen Abend über Erich Kästner besucht habe, sodass mir nur fünf Monate von der Geschichte fehlen 🙂 Die habe ich nachgearbeitet, als ich Indra und Dario vor einigen Jahren für mein Buch „Hagen – Porträt einer Stadt“ interviewt habe. Aus den Informationen aus jenem Interview, aus vielen Theaterbesuchen und Gesprächen mit Indra und Dario habe ich im letzten Jahr einen Artikel für das vom Hagener Heimatbund herausgegebene „HagenBuch“ geschrieben. Da das Buch aus dem Ardenku-Verlag von Petra Holtmann bis auf Restexemplare verkauft ist, darf ich nach Rücksprache mit dem Verlag meinen Beitrag hier veröffentlichen, wenn schon corona-bedingt die Feier ausfallen muss, kann so jeder – vielleicht bei einem Gläschen Sekt daheim – auf die 10 Jahre Theater an der Volme zurückblicken.

Einen Traum erfüllt

Zehn Jahre „Theater an der Volme“

(Artikel aus HagenBuch 2021, Ardenku Verlag 2020)

Fast ein Jahrzehnt ist es nun her, seit Indra Janorschke und Dario Weberg zum ersten Mal die Türen ihres kleinen „Theaters an der Volme“ auf dem Gelände der Elbershallen geöffnet haben, um sich ihren Traum vom eigenen Theater zu erfüllen. Mit ihren Komödien, viele aus eigener Feder, haben sie sich in die Herzen der Hagenerinnen und Hagener gespielt, die hier einen Raum für unterhaltsame Stunden abseits des Alltags finden. Mit jedem Jahr hat sich ihr Platz in der Hagener Kulturszene gefestigt.

Seit 2015 hat Dario Weberg die künstlerische Leitung der Schlossspiele Hohenlimburg inne und 2018 haben die beiden mit dem Werdringer Theatersommer ein zusätzliches kulturelles Highlight für Hagen geschaffen. Auch für 2020 hatte das Paar mit Theater im Herzen große Pläne, der Werdringer Theatersommer sollte in die dritte Runde gehen und eine neue Produktion der beliebten Hagener Theaterkrimis lag in der Schublade. Dann stoppte Covid 19 („Corona“) im März von einem Tag auf den anderen den Theaterbetrieb und stellte sie vor ganz neue Herausforderungen. Jetzt galt es nicht, ums Leben zu spielen, sondern ums Überleben zu kämpfen. Noch werden die beiden von Hagenerinnen und Hagenern und Fans darüber hinaus unterstützt, damit es weitergeht in dem Theater im Industriedenkmal und 2021 das zehnjährige Jubiläum begangen werden kann.

Vom Theater Hagen angesteckt: Dario Weberg

Von der Begeisterung fürs Theater angesteckt wurde Dario Weberg bereits in seiner Kindheit. „Eines der ersten Stücke, die ich gesehen habe, war ‚Peterchens Mondfahrt‘“, erinnert sich Dario Weberg. Das war im Theater Hagen, wo er 1967 auch das Musical „Mame“ erlebte, das ihn derart fasziniert hat, dass er sich für die Kinderrolle des Patrick Dennis bewarb. Elf Jahre war er damals und musste mit über hundert anderen Kindern vorsingen, vor Rita Zorn, der seinerzeitigen „Grand Dame“ des Theaters. Ausgewählt wurde ein anderer Junge, aber Dario Weberg hat das nicht davon abgehalten, weiterhin Wege auf die Bühne zu suchen, in Inszenierungen des Pfarrers und in den Weihnachtsprogrammen des Fußballvereins.

Irgendwann rückte das Theater in den Hintergrund, Dario Weberg widmete sich eher der Musik, malte und bewarb sich nach dem Abitur sogar erfolgreich bei der Folkwang-Schule in Essen. Der Wehrdienst und familiäre Anforderungen verhinderten allerdings, dass er dort sein Studium begann. Die Vernunft siegte über die Kunst, allerdings hatte er stets das Gefühl, am falschen Platz zu sein, bis er begann, Schauspielunterricht zu nehmen und die Begeisterung für die Bühne wieder durchkam. Das Theater nahm immer mehr Zeit in seinem Leben ein und als er im Theater am Stiftsplatz in Herdecke Indra Janorschke kennenlernte, war das ein Zeichen dafür, sich von seinem Brotjob zu verabschieden und das Abenteuer Theater zu wagen.

Zwischen Else Tetzlaff und Mascha Kaléko: Indra Janorschke

Auch die Anfänge von Indra Janorschke auf der Bühne waren nicht frei von Rückschlägen. „Ich weiß noch, dass ich enttäuscht war, weil ich nicht die Maria in der Weihnachtsgeschichte spielen durfte, sondern mit einem der drei Könige abgespeist wurde“, fällt Indra Janorschke ein. Gebremst hat das ihre schauspielerische Entwicklung nicht. Allerdings hat sie sich dabei anfangs eher mit dem Genre Film befasst und zusammen mit ihrem Bruder einen Loriot-Film und Das schwarze Phantom, komplett nach eigenen Texten, gedreht. Nach dem Schulabschluss ruhte auch bei ihr die Leidenschaft fürs Theater, bis sie in dem Hohenlimburger Amateurtheater Mummpitz wieder angefacht wurde. Als sie bei ihrer ersten Rolle im Theater am Stiftsplatz, der Nancy in Gaslicht, Dario Weberg begegnete, sprang gleich doppelt der Funke über.

Vom Literatour-Theater zum Theater an der Volme

Den beiden reichte es bald nicht mehr, in Herdecke Theater zu spielen, sie teilten die Begeisterung für Literatur und wollten damit andere anstecken. Ihre Idee war, Literatur in Szene zu setzen und die Aufführungen mit Speisen zu verbinden. „Das erste Stück hatte sechs Akte, und die Besucher bekamen für ihren Eintrittspreis neben dem Theater ein bodenloses Glas Wein – heute würde man sagen: all you can drink“, erklärt Dario Weberg das Konzept. Außerdem gab es zwischendurch Häppchen, Kanapees mit Erdbeeren zum Beispiel, alles was man selbst machen konnte und nicht teuer war. Das war die Zeit, als die ersten Krimi-Dinner in Restaurants aufkamen, was die beiden auf den Gedanken brachte, das Konzept Gastronomen anzubieten. Am Schluss ihrer Literatour-Tätigkeit brachten sie es auf über 200 Buchungen im Jahr. Bei den Fahrten hatten sie viel Zeit, um Träumen nachzuhängen und Visionen zu entwickeln. Eines der Gesprächsthemen war immer ein eigenes Theater. Da wirkte das Angebot eines Bekannten, in der Umgebung ein Theater für ihn aufzubauen, wie ein Wink des Schicksals. Auch wenn dieses Projekt nicht realisiert werden konnte, lag das fertige Konzept für ein Theater vor. Als sie die Ausschreibung der Immobilie auf dem Elbersgelände sahen, war schnell klar, dass dies der optimale Raum für ihre Programmideen war. Innerhalb von sechs Monaten ab Unterzeichnung des Mietvertrags wurde das lange ungenutzte, denkmalgeschützte Gebäude für den Theaterbetrieb hergerichtet. Am 8. September 2011 wurde das Theater an der Volme mit der Inszenierung von „Heute Abend, Lola Blau“ vor ausverkauftem Haus eröffnet.

Komödien mit einer Prise Literatur

Zum Auftakt des Theaters an der Volme wurde „Heute Abend, Lola Blau“ gespielt, sogar eine „Faust“-Inszenierung gab es anfangs. Allerdings zeigte sich bald, dass Komödien und Revuen am besten besucht werden und reine Literaturprogramme, Klassiker oder eher traurige Inszenierungen nicht so gut laufen. Dennoch mischen Dario Weberg und Indra Janorschke gelegentlich den einen oder anderen Klassiker zwischen die Komödien, auch Lesungen finden inzwischen großen Zuspruch. Ob es die Weihnachtslesungen sind oder die Buchpremieren von Indra Janorschke, die nach ihrem literarischen Debüt 2017 im Jubiläumsjahr 2021 ihren fünften Roman vorstellen wird.

Für die Hagener Autorinnen Marlies Ferber und Birgit Ebbert ist das Theater an der Volme ebenfalls als Ort für ihre Buchpremieren gesetzt und die Buchhandlung am Rathaus stellt immer wieder gerne in diesem Ambiente Neuerscheinungen vor. Vor allem aber ist das kleine Theater mit Flair eine beliebte Spielstätte für die Krimilesungen im Rahmen von „Mord am Hellweg“, Andreas Franz hat hier ebenso gelesen wie René Kollo seinen speziell für Hagen verfassten Kurzkrimi.

Auch Gastspiele sind gelegentlich auf der Bühne zu sehen, so wie etwa das Schwarzlicht-Theater vom Puppentheater Smolensk, dem renommiertesten Puppentheater in Russland, oder die erste Inszenierung von „Partum“, einem Theaterduo aus zwei jungen Schauspielerinnen des Theater an der Volme-Ensembles. Ebenso trifft Robin Hiermer in seiner Rolle als „Friedel Hiersenkötter“ hier auf begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer.

Den Schwerpunkt aber bilden Komödien, größtenteils aus der Feder von Indra Janorschke und Dario Weberg, teilweise aus der Hand von Stefan Schroeder, einem Hagener Theaterautor, der u. a. für die Edgar-Wallace-Adaptionen auf Hagener Verhältnisse verantwortlich ist und den Kriminalroman „Agent 0070“ von Marlies Ferber für die Bühne bearbeitet hat.

Theater außerhalb des Theaters

Seit einigen Jahren gehen die beiden Schauspieler wieder aus ihrem Theater heraus. Dario Weberg leitet seit 2015 die Schlossspiele Hohenlimburg und hat dort mit „Hexenjagd“ (2015), „Harold und Maude“ (2016), „Ein Käfig voller Narren“ (2017) „Der zerbrochene Krug“ (2018), „Warten auf Godot“ (2019) und „Ein seltsames Paar“ (2020) mehrfach gezeigt, dass er und Indra Janorschke mehr können als Komödien auf kleiner Bühne. Mit dem 1. Werdringer Theatersommer haben die beiden 2018 ein weiteres Outdoor-Format ins Leben gerufen, das seine Fortsetzung in 2019 fand und hoffentlich 2021 wiederbelebt wird. Als Publikum von Kriminalkomödien und musikalischen Revuen erlebten die Hagenerinnen und Hagener den Innenhof von Schloss Werdringen noch einmal neu und anders.

Neu und anders ist das Jahr 2020 für Indra Janorschke und Dario Weberg, dabei wollten sie viel auf den Weg bringen, um 2021 das zehnjährige Jubiläum zu begehen. Jetzt heißt es, das Publikum nach der Zwangsschließung wegen Covid 19 („Corona“) neu zu erobern, damit 2021 gefeiert werden kann.

(Im PDF-Auszug aus dem HagenBuch 2021 findet sich auch die Aufstellung der Programme der letzten Jahre, die meinen Blogbeitrag sprengen würde )