(10.07.2021) Gestern fand nach 240 Tagen, wenn ich mich nicht verrechtnet habe, erstmals wieder eine Aufführung im Theater an der Volme statt. Für den Auftakt nach so langer Zeit hatte Dario Weberg ein neues Programm ausgewählt, das er Stefan Schroeder entwickelt und dargeboten hat: Mensch bleiben, nach der Redewendung von Adolf Tegtmeier, dem vermutlich ersten Ruhrgebiets-Comedian, an dessen Fernsehauftritte ich aus meiner Kindheit noch gute Erinnerungen habe.

Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier

Die Auswahl dieses Programms zum Neustart passt gut in das Hagener Jubiläumsjahr, 275 Jahre Stadtrechte. Adolf Tegtmeier bzw. sein Erfinder Jürgen von Manger ist nämlich in Hagen aufgewachsen und hat hier auch zum ersten Mal auf einer Theaterbühne gestanden. Jürgen von Manger wurde 1923 in Koblenz geboren und war zehn Jahre alt, als er nach Hagen kam, wo er zunächst das Fichte- und dann das Albrecht-Dürer-Gymnasium besucht hat. Dass er Abitur machen wollte, war klar, schließlich hatte von Manger fest vor, Jura zu studieren. Allerdings machte ihm die Zeitgeschichte einen Strich durch die Rechnung, als er 1941 mit einem Notabitur entlassen wurde, wartete statt der Universität die Wehrmacht. Ob er bis dahin schon wankelmütig geworden war bzgl. seines Berufswunsches, ist – mir zumindest – nicht ganz klar. Als er nämlich in der Untersekunda im Stadttheater Hagen als Statist in Schillers Wilhelm Tell einen Soldaten darstellen sollte, zeigten sich bereits eine erste Begeisterung und wohl auch ein Bühnentalent bei dem jungen Jürgen. Während seine Mitschüler das Schweizer Volk darstellten, durfte er sich als Soldat präsentieren. Vielleicht war es die Erinnerung an diese Erfahrung, die ihn nach dem Krieg motivierte, als Schauspieler tätig zu werden. Bereits während des Krieges hätte er fast an einer Schauspielschule angefangen, wurde dann aber noch einmal zum Kriegsdienst eingezogen. Nach dem Krieg, als er endlich sein Jura-Studium hätte beginnen können, wurden andere vorgezogen, denen der Krieg noch mehr Ausbildungszeit gestohlen hatte. Aber im Stadttheater Hagen wurde er ins Ensemble aufgenommen, wechselte dann zum renommierten Bochumer Schauspielhaus und ans Theater in Gelsenkirchen. Er war also immer mitten im Revier und dicht dran an den Menschen, bei denen er teilweise zur Untermiete wohnte. So entstand die Idee zu der Kunstfigur Adolf Tegtmeier, die Jürgen von Manger ab 1972 im Fernsehen bekannt machte. Ich erinnere mich gut an „Tegtmeiers Reisen“, die ich als Kind lustig fand und als Jugendliche nicht ausstehen konnte

Der Abend „Mensch bleiben!“

Der Titel „Mensch bleiben!“ stammt aus dem Werk von Jürgen von Manger bzw. Adolf Tegtmeier, das aus Dialogen besteht und Monologen, die man heute vermutlich Standup-Comedy nennen würde. Dario Weberg und Stefan Schroeder haben aus den vorhandenen Texten eine abwechslungsreiche Auswahl getroffen, die dem Publikum Adolf Tegtmeier näherbringt und nebenbei in die Zeit der 60er- und 70er-Jahre entführt. Ich habe sehr geschmunzelt, als sich Tegtmeier über die Miniröcke und Hotpants mokierte und hatte gleich die Hotpants vor Augen, auf die ich mit elf oder zwölf Jahren so stolz war Zwischen Tegtmeiers Erzählungen gab Stefan Schroeder einen kleinen Überblick über das Leben von Jürgen von Manger und schlüpft mal in die Rolle eines Staatsanwaltes und mal in die Rolle eines Richters, wenn Tegtmeier als „Schwiegermuttermörder“ schildert, wie er „se gesächt“ hat. Schon diese Darbietungen haben für Lachen und Glucksen im Zuschauerraum geführt, angeheizt wurde die Stimmung noch durch die Lieder, die Dario Weberg als Adolf Tegtmeier vorgetragen hat, mit „Hagener Bier“, denn wer will hier schon Tegtmeiers „Bottroper Bier“

Eine herrlich unterhaltsame Hommage an einen der ersten Ruhrpott-Kabarettisten, die im Hagener Theater an der Volme genau richtig platziert ist, hat Jürgen von Manger hier doch seine Jugend verbracht und nach seinem Tod am 15. März 1994 auf dem Friedhof in Hagen-Delstern seine letzte Ruhe gefunden. © 2021 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de

Weitere Termine im Theater an der Volme: 03/09/2021, 17/09/2021, 16/10/2021, 20/11/2021, 21/11/2021, 03/12/2021, 12/12/2021, 17/12/2021 und eine Spezialausgabe am 25. August 2021 im Rahmen der Schlossspiele Hohenlimburg.