(13.05.2020) Seit die Kindergärten und Schulen geschlossen sind, wachsen sie wie Pilze aus dem Boden, doch wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, bemalte Steine liegen in Beeten, auf Mäuerchen, auf Baumstümpfen und Felsbrocken. Da habe ich sie zumindest seither gefunden, den ersten in der Tag in einem Baumstamm mit einem freundlichen Lächeln, das auch mich zum Lächeln gebracht hat.

Bemalte Steine in Hagen

Den ersten bemalten Stein in Hagen habe ich am 26. März entdeckt, er hatte sich in einen Baumstumpf gekuschelt. Ich habe mich gefreut, über das Lächeln, das ich unverhofft bekam und natürlich, weil das ein tolles Fotomotiv war. Den Stein habe ich liegen lassen, er lag etwa eine Woche in seinem Baumzuhause. Vermutlich dauerte es so lange, bis sich in Hagen herumgesprochen hatte, dass diese Steine „Wandersteine“ sind. Sie dürfen mitgenommen und an anderer Stelle wieder ausgelegt werden. Erfahren habe ich das in der Facebook-Gruppe #HagenerSteine, zu der mich – ja, tatsächlich – unser Oberbürgermeister zugefügt hat. In der Gruppe sind all jene versammelt, die Steine malen und finden. Eine vergleichbare Gruppe gibt es für einzelne Stadtteile in Hagen und auf der ganzen Welt.

Die Geschichte der bemalten Steine

Ja, auf der ganzen Welt werden Steine bemalt, ausgelegt, mitgenommen und weiterverteilt. Die Idee, bemalte Steine auszulegen, stammt von Megan Murphy. Sie hat natürlich nicht das Bemalen von Steinen erfunden, das haben wir ja schon in meiner Kindheit gemacht. Von ihr kommt der Gedanke, die Steine „auszuwildern“, um damit anderen eine Freude zu machen. Auf ihrem ersten Stein stand „You’ve got this“, ausgelegt hat sie ihn am Sanydy Neck Beach auf Cape Cod. Aus diesem ersten Stein entwickelte sich eine Bewegung, die gerade jetzt in der Corona-Krise einen enormen Zulauf bekommen hat. Überall auf der Welt bemalen Menschen, nicht nur Kinder, Steine so gut sie es können. Bisher habe ich hier bei uns kaum Steine mit Text gefunden, was mich wundert, wo doch Handlettering bis vor kurzem der große Trend war. Auf amerikanischen Seiten finden sich sehr viele hübsch beschriebene Steine, da bekomme ich Lust, mich doch endlich mit Handlettering zu beschäftigen 🙂 Megan Murphy hat aus ihrer Idee übrigens ein großes Projekt entwickelt: „Kindness Rocks“, „Freundliche Felsen“. 2017 galten bemalte Steine dann in den USA als „The Next Big Thing“. Es lohnt sich also im Internet nach „Kindness Rocks“, „Painting Rocks“, „Bemalte Steine“ „Ostersteine“, „Wandersteine“ oder „Stonecrossing“ zu suchen, da gibt es viele Anregungen und Anlässe für kleine Freuden, sogar einen großen bemalten Stein, eine Treppe mit schönen Wörtern 🙂 aus Bad Säckingen.

Freundliche Steine aus wissenschaftlicher Sicht

Sobald ein Phänomen auftritt, macht sich natürlich auch die Wissenschaft Gedanken darüber – vielleicht auch nur, weil ein Reporter nachgefragt hat. Laut Abendblatt meint Gestaltungs-Professorin Dorothee Weinlich, dass die Menschen, die sich am Projekt beteiligen, Spuren hinterlassen möchten. Soweit möchte ich für mich nicht gehen. Mir gefällt es, dass die Kinder sich engagieren und nachdem ich gesehen habe, dass Kinder in „meinem“ Wald eine Steinschlange begonnen haben, habe ich entschieden, auch zum Stift zu greifen.

Mein Steine-Experiment

Nun gehören Malen und Zeichnen nicht zu meinen Talenten, deshalb hatte ich Ostern – nachdem mein Versuch mit Pinsel und Farbe in einem dicken schwarzen Punkt endete – die Idee, Figuren aus Papier zu schneiden und diese aufzukleben. Aber dann las ich, dass es strengstens verboten sei, Dinge aufzukleben – puh, da ist mir die Lust schon vergangen. Ich sehe ein, dass man bedenken sollte, dass Tiere die Steine anknabbern könnten. Danach lag die Idee Wochen brach, bis ich die Steinschlange im Wald entdeckt habe.In der Facbook-Gruppe habe ich gelesen, dass man Acrylstifte nutzen kann und das Werk anschließend lackieren soll. Also bin ich in ein Fachgeschäft, um Acrylstifte zu kaufen. Ähem, das war schon die erste Hürde. Man verkaufte mir permanente Fasermaler, die angeblich auch für Steine geeignet wären. Auf der Verpackung waren zumindest bemalte Steine abgebildet. Aber auf den Geröllsteinen, die ich im Wald gesammelt habe, war nichts zu erkennen. Schöne glatte weiße Steine habe ich dort aber nicht gefunden. Der zweite Besuch im Fachgeschäft bescherte mir Edding-Stifte, die nicht lackiert werden müssen. Unter uns: Auch damit bekam ich auf meinen Steinen keine hübschen Motive hin. Gut, dass ich mir im Laden ein Netz Steine gekauft hatte. Aber Steine kaufen? Das finde ich auch seltsam. Also bin ich selbstständig in meinen Stamm-Drogeriemarkt mit Bastelabteilung marschiert und habe mir endlich Acrylstifte gekauft. Bei meinen Malproben hatte ich dann auch die zündende Idee für ein Motiv meiner Steine – ich werde die Figur aus meinem Logo von Marion Wieczorek in verschiedene Situationen malen und den Hagener Wald damit fluten 🙂 Und natürlich halte ich weiter Ausschau nach hübschen Steinen 🙂 – übrigens gilt der 3. Juli als inoffizieller Feiertag für die bemalten Steine, bis dahin schafft ihr das doch auch. © Mai 2020 Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de

Für meine Erinnerungsbox – meine besonderen Stein-Erlebnisse in der Corona-Zeit

An einem Dienstag im Mai ging ich wie fast jeden Morgen in „meinem“ Wald spazieren. Zuvor hatte ich einen unangehmen Anruf aus der WG meiner Mutter gehabt, unterwegs waren mir zwei unangenehme Frauen begegnet, die auf einem 2-Meter-Weg keine Anstalten machten, Abstand zu halten. Ich dachte: „Jetzt könnte mal etwas Schönes passieren, das meine Stimmung hebt.“ Da lag wie vom Himmel gefallen der nebenstehende Stein am Wegesrand – in meiner Lieblingsfarbe. Den habe ich natürlich gleich eingepackt und zu Hause auf eine kleine Staffelei gestellt.

Zwei Tage später war ich wieder unterwegs in den Wald und diskutierte auf der Fußgängerbrücke mit mir:
„Du hast den Stein vergessen, du musst den wieder auswildern.“
„Aber er ist so schön und in dieser Zeit ein kleines Glück.“

Ich hatte das Wort noch nicht zu Ende gedacht, da lag ein Stein vor mir, auf dem stand: „Glück.“

Etwas seltsam ist das schon. Oder ein Beweis für meine Theorie, dass wir alle Teil eines großen Spiels sind und wie Figuren hin- und hergeschoben werden.

Meine ausgesetzten #BiEb-Steine (18.05.2020)

Heute habe ich meine ersten Steine ausgesetzt. Es hat etwas gedauert, aber nun habe ich auch einen Namen für die Figur „BiEb“ – jetzt kann ich meine Steine auch unter den Hashtags  #Bi Eb und #BiEbs sammeln 🙂 Hier sind die ersten.