(04.01.2021) Bei Facebook fand ich in der letzten Woche viele Beiträge und Bilder darüber, wie übel das Jahr 2020 war und dass man es schnell vergessen sollte. Das auch von Menschen, von denen ich weiß, dass sie das ganze Jahr über ihren Job ausüben konnten, dass sie nicht krank waren und zum Teil sogar vor oder nach dem ersten Shutdown verreist sind und sich mit Freunden getroffen und diverse Events besucht haben. Da will ich mich nicht einreihen und habe deshalb mit Blicken in meinem Blog, meinem Kalender, meinen Mails und Dateien das Jahr Revue passieren lassen. Mein Fazit: Es war das Jahr der Achterbahn, mal ging es mit Tempo rauf, mal fühlte ich mich wie im freien Fall, mal tuckerte es gemächlich nach oben und mal ging es ebenso stetig bergab.

Mein Buch-Jahr 2020

Das Arbeitsjahr 2020 begann damit, dass ich zwei neue Lernhilfen für den Lingen-Verlag geschrieben habe: „Lernspaß Kindergarten“ und „Erstes Lesen“, das hatte ich wirklich vergessen, aber in den ersten beiden Wochen habe ich das Manuskript an den Verlag geschickt. Danach habe ich mich an die Überarbeitung meines Romans „Den Traum im Blick“ über Herti Kirchner gemacht, der leider trotz Agentur noch keinen Verlag gefunden hat – hier wäre Daumen drücken ganz hilfreich Im Anschluss daran ging es wieder an die Buchaufträge. Für das Buch „Drucken & Stempeln in der Kita“ (Don Bosco) habe ich meine Wohnung in ein Chaos verwandelt. Ich hatte beim Vorschlag des Konzepts nicht daran gedacht, dass die Farbe zwischen zwei Arbeitsschritten trocknen muss. Also lagen überall angefangene Druck- oder Stempel-Erzeugnisse herum. Nach dem Buch kam der Lockdown, ausgerechnet, als ich das Buch „Das gibt’s nur im Ruhrgebiet“ (Emons) schreiben wollte und musste. Nichts war mich Ausflügen an die Orte, die ich beschreiben wollte. Zum Glück habe ich für das Buch „Wer mordet schon im Ruhrgebiet?“ (Gmeiner) viele Orte besucht und außerdem geht es ja in dem neuen Buch darum, was es „nur“ im Ruhrgebiet gibt. Danach gab es eine lange Buchmanuskript-Pause, in der ich zwei Studienhefte, eines zum Thema „Lese-Rechtschreib-Schwäche“ und eines zum Thema „Dyskalkulie“ geschrieben habe. Es wurde deutlich, dass die Verlage sich nach der ausgefallenen Buchmesse in Leipzig und der ebenfalls abgesagten Didacte mit Aufträgen zurückhielten und die Erscheinungstermine nach hinten schoben. Auch die Bücher, die im Sommer erscheinen sollten, wurden nach hinten geschoben, außer den beiden, die ich im ersten Quartal geschrieben habe, auch mein Buch mit Seniorengeschichten im Verlag an der Ruhr „Aber bitte mit Marmelade“, statt im August oder September war es erst im November erhältlich. Schon vorher im Buchhandel waren zwei Adventskalender, die ich bereits in Gotha geschrieben hatte: „Der Adventskalender für Weihnachts-Junkies“ und „Der Adventskalender für Weihnachtsmuffel“ (Kaufmann) Da kam überraschend Ende August eine Anfrage für einen Ratgeber zu einem Thema, mit dem ich mich schon im ersten Halbjahr beschäftigt hatte: Home-Schooling. Herausgeber Stephan Schampaul und Verleger Clemens Muth vom Schulwerkstatt-Verlag hatten die Idee, einen E-Book- und Audio-Book-Ratgeber zu dem Thema herauszugeben. Das Manuskript sollte kurzfristig fertig werden, denn schließlich musste noch alles eingelesen werden. So kam es, dass ich mich im September nicht um einen neuen Roman kümmerte, sondern den Ratgeber „Homeschooling & Co. Eltern als Lerncoach“ schrieb, der seit Anfang November bereits erhältlich ist. Und dann erhielt ich eine weitere Anfrage für ein Buch, das ich gerne geschrieben hätte, 20 Beiträge über das Ruhrgebiet, ich wäre sogar im Thema gewesen, aber das Jahr 2020 hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, darauf zu achten, dass Honorar und Aufwand in einem halbwegs vertretbaren Verhältnis stehen. Das ist bei Buchhonoraren ohnehin selten der Fall, aber ein Vorschuss von 200 € (kein Tippfehler) für 20 recherchierte Beiträge mit einem Umfang von zwei bis derei Seiten ist doch deutlich zu wenig. So hatte ich auch Zeit, noch im Dezember das Manuskript für eine Lernhilfe zu verfassen, die in diesem Jahr erscheinen wird 🙂

Mein Veranstaltungsjahr 2020

Das Veranstaltungsjahr begann zunächst so, wie ich mir das vorgestellt hatte: Im 11. Januar fand der erste Schreibtreff in der Stadtbücherei statt, am 18. Januar der erste PapierZen-Workshop und am 19. Januar ein kleines Event mit geladenen Gästen nach meiner Rückkehr aus Gotha, verbunden mit der Eröffnung einer Ausstellung meiner Papierkunst im Theater an der Volme. Ich hatte es sogar geschafft, dass zeitgleich die 365-Papersquares im Schaufenster von „Der neue Rech“ zu sehen waren. Am 6. Februar war die Abschlusslesung als Stadtschreiberin in Gotha, am 10. und 12. März habe ich zwei Unterrichtstage bei Hacura zum Thema „Vorlesen in der Pflege“ durchgeführt und es standen einige Schreib- und Papierworkshops sowie Lesungen und Vorträge ins Haus. Und dann kam der Lockdown, am 13. März klingelten entweder Telefon oder Mail-Benachrichtigungen mit schlechten Botschaften. Ich mag nicht darüber nachdenken, was abgesagt und nicht nachgeholt und immer verschoben wurde. Eine kleine Achterbahn war mein Workhop Stadtentdecker im Rahmen des Kulturrucksacks in der Stadtbücherei Hagen. Er sollte statt live digital durchgeführt werden, also haben wir uns wieder – mit Abstand – zusammengesetzt und überlegt, wie das aussehen könnte. Allerdings hatten – was ich gut verstehe – die Kinder und Jugendlichen, die schon über Monate digital lernen mussten, keine Lust auf diese Workshopform. Zum Glück gab es die Niedrig-Inzidenz-Phase und wir konnten unter Corona-Bedingungen den Workshop in den Herbstferien doch noch live durchführen. Da mit dem Shutdown auch der Schreibtreff gecancelt werden musste, habe ich da einen virtuellen Schreibtreff eingerichtet – zum Glück hatte ich mal eine Domain für ein Kinderbuchprojekt gesichert, die wir nutzen konnten. Im September gab es mit den Kids noch zwei Live-T

Foto: Jan Eckhoff

reffen, bevor uns der nächste Shutdown wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Auch meine Lesung in Borken konnte gerade noch vor dem zweiten Shutdown durchgeführt werden und am 30. August war ich in Gelesenkirchen bei der ersten Matinee der Ruhrgebietsautor_innen dabei. Ein besonderes Highlight waren meine Krimispaziergänge, die ich so lange im Kopf hatte und in diesem Jahr endlich umsetzen konnte. Sie passten optimal in den Urlaubskorb der VHS und da sie draußen stattfanden und mit Abstand möglich waren, waren die Rückmeldungen auch sehr positiv. In den Sommerferien und Anfang September fanden außerdem tatsächlich mit Maske und Abstand Papierfalt-Workshops statt – im Osthausmuseum statt und bei Boesner in Düsseldorf. Ebenfalls mit Maske und Abstand durften im Oktober und November noch einige Lese-Schreib-Workshops im Rahmen des Projekts „Kulturstrolche“ in Hagener Grundschulen stattfinden. Ich habe mir vorgenommen, auf die positiven Dinge zu schauen – und da hatte ich doch noch Glück in diesem Jahr, auch wenn vieles nicht stattfinden konnte. Sogar doppeltes Glück, denn jede Veranstaltung war immer auch mit der Sorge verbunden, ob ich mich oder jemand anderen nicht anstecke und das ist nicht passiert.

Und dann war da noch …

Während ich zusammen suche, was ich im letzten Jahr alles trotzdem erlebt habe, wird mir noch mal klar, wie ungerecht es ist, pauschal von einem schlechten Jahr zu sprechen. Ja, es gab auch bei mir einiges Negative, berufliche Absagen und Rückschläge und vor allem die Operationen und Krankenhausaufenthalte meiner Mutter während des Shutdowns. Aber es bringt mich nicht weiter, ständig darüber nachzudenken, lieber erinnere ich mich an die schönen Dinge wie den Empfang des Kulturbüros im Januar und die Kulturkonferenz in der Stadtbücherei am 9. März, bei der ich noch viele andere Kulturschaffende getroffen habe. Ich habe tatsächlich vier Premieren im Theater an der Volme erlebt: „Kommissar Goldberg ermittelt“, „Doktor Wehtal – der Arzt, dem die Frauen vertrauen“, „It`s my life“ und „Mit Abstand die Besten“ und war darüber hinaus bei einigen Aufführungen inkl. der letzten vor dem zweiten Shutdown. Ich habe vier Veranstaltungen bei den Schlossspielen Hohenlimburg besucht, die Premiere von „Ein seltsames Paar“ sowie die Auftritte von Jürgen Becker, Fritz Eckenga und Biyon Kattlilathu. Ich war vom Wohnzimer aus bei einem grandiosen Live-Stream-Konzert von Stefan Erbe dabei und bin auf dem Weg zu fünf Tagen Urlaub in Ratzeburg auf den Spuren von Herti Kirchner gewandelt. Das NRW-Corona-Stipendium „Auf geht`s“ hat es mir erlaubt, endlich das Projekt „Zeitenlese“ voranzutreiben, für das ich großspurig schon 2019 für den März 2020 eine Lesung vereinbart hatte. Als die Lesung in Borken dann im September stattfand, konnte ich immerhin die erste Geschichte aus dem Projekt vorlesen – eine von den fertigen Geschichten passt übrigens auch sehr gut zu dem Buch „Das gibt`s nur im Ruhrgebiet“, das leider ohne Buchpräsentation auskommen musste. Ein Ziel, das ich mir für 2020 gesteckt hatte, habe ich leider auch noch nicht erreicht, ich wollte wieder mehr Aufträge im Bereich PR akquirieren, aber immerhin gibt es ein schönes Beispiel, wie so etwas aussehen kann, das Weihnachtsheft, das ich mit der Stadtbäckerei Kamp und Unterstützung der Stadt Hagen realisiert habe. Und dann waren da die vielen Spaziergänge im Hagener Stadtwald, die Corona-Bekanntschaften, die sich auf dem Weg ergeben haben, unzählige Fotos von Blättern, Bäumen, Kleinigkeiten und das Foto-Shooting im ehemaligen Hagener Märchenwald mit Mona Stöcker und ihren Freunden. Ja, es war einiges blöd in diesem Jahr, aber es gab sie eben doch die kleinen Highlights – ich verstehe, wenn es denjenigen, deren Leben durch Krankheit oder den Verlust des Jobs und Lebenswerks aus den Fugen geraten ist, sich schwertun, diese Highlights zu finden. Trotzdem empfehle ich jedem, noch einmal genau aufs Jahr zu gucken, ob es nicht doch auch schöne Erlebnisse gab – und sei es überraschende und unerwartete Hilfe und Unterstützung. Ich zumindest fühle mich versöhnt mit 2020 und halte 2021 den Blick offen für neue Highlights, obwohl ich weiß, dass das Jahr nicht leicht werden wird. © Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de