(01.08.2020) Eigentlich schreibe ich ja keine Rezensionen mehr, aber was ist ein Plan ohne Ausnahme, wenn mich ein Buch besonders berührt hat und ich wie in diesem Fall die Aufs und Abs des Entstehungsprozesses mitbekommen habe.

Die Geschichte der „Blockflötenreise“

Wenn Andrea Behnke und ich über unsere Buchprojekte schreiben oder sprechen, dann immer in Arbeitstiteln. Deshalb musste ich mich erst vergewissern, ob das neue Buch „Ein Bauch voller Töne“, das heute erscheint, die „Blockflötenreise“ ist, über die wir gelegentlich gesprochen haben. In diesem Fall war „Blockflötenreise“ nicht nur ein Arbeitstitel, sondern auch der Titel einer Hörgeschichte, die am 19. November 2016 in der Sendung „Spielraum“ von SWR 2 ausgestrahlt wurde. Aus der kurzen Geschichte von damals ist nun ein Buch mit zauberhaften Illustrationen von Mele Brink geworden.

Enies „Bauch voller Töne“

Enie gelangt auf wundersame Weise – ich weiß natürlich wie, aber ein bisschen Spannung muss ja bleiben 🙂 – in die Stadt Utrecht im 17. Jahrhundert, zu der Zeit, als der Komponist und Blockflötenspieler Jacob van Eyck dort lebte. Er zeigt ihr seine Welt und die beiden musizieren zusammen. Aber vieles, was Enie dem Musiker aus ihrem Leben erzählt, kann er sich nicht vorstellen. Wie gut, dass Enie sich gemerkt hat, wie sie in Jacobs Zeit gereist ist. Das muss doch auch umgekehrt klappen! Tatsächlich steht Jacob van Eyck mit Enie in ihrer Zeit. Wie gut, dass Enies Eltern ein Gartenhaus haben, in dem sie den neuen Freund unterbringen kann. In der Schule stellt sie ihn als ihren Onkel vor, so kann sie ihm ihre Welt zeigen. Im Gegenzug gibt er ihr die Kraft, etwas völlig Verrücktes zu tun. Was das ist, müsst ihr selbst nachlesen oder euren Kindern vorlesen. „Ein Bauch voller Töne“ ist für Grundschulkinder geschrieben, als Vorlesebuch eignet es sich aber auch für jüngere Kinder. Auf jeden Fall verändert es bei allen den Blick auf die Blockflöte – ich habe das Buch im Urlaub gelesen, sonst hätte ich sicher gleich meine Blockflöte herausgesucht und im Netz nach Noten von „Den Nachtegael“ gesucht, womit Enie ihre Umgebung bezaubert. © 2020 Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de

Wenn schon doch eine Rezension, dann nur mit drei Fragen zum Buch, das habe ich mir vorgenommen. Andrea Behnke hat mir auch gleich ihre Antworten geschickt:

  1. Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Geschichte über und mit Jacob van Eyck zu schreiben?
    Ich wollte sehr gerne eine Zeitreisen-Geschichte mit Musik schreiben – und es war klar: Es sollte um die Blockflöte gehen. Da kommt man zum einen an van Eyck fast nicht vorbei (wobei es natürlich auch viele andere Komponisten gibt, die für die Blockflöte geschrieben). Zum anderen habe ich mich viel mit van Eycks Biografie beschäftigt und finde sie sehr spannend. Und: Ich bin selbst nicht so ein Barock-Fan, sondern mag Renaissance und Frühbarock lieber. Ich hatte auch sofort Enie im Kopf, die in meinen Gedanken sofort sehr gut zu Jacob van Eyck passte.
  2. Hast du selbst als Kind Blockflöte spielen gelernt? Wenn ja, welche Erinnerung hast du daran?
    Nein, daher habe ich auch keine schlechten Erinnerungen an irgendwelches Rudelflöten Als Kind habe ich Melodica gelernt und dann gar nicht mehr musiziert. Erst als Erwachsene habe ich Blockflöte gelernt, von Sopran bis Bass.
  3. Wird Enie weitere Reisen zu anderen Komponisten vornehmen?
    Oh, da bringst du mich auf Ideen! Ehrlich gesagt, habe ich noch nicht über weitere Bände nachgedacht … Aber schön wäre es natürlich!

Andrea Behnke: Ein Bauch voller Töne. Edition Pastorplatz 2020

Ein Erinnerungs-PS an meine Blockflötenkindheit

Im Gegensatz zu Andrea Behnke hatte ich als Kind Blockflötenunterricht, nicht in der Schule, sondern über der Bücherei. Ich weiß nicht, ob dort ein Pfarrheim oder Jugendheim war, geleitet wurde der Kurs jedenfalls von Fräulein Wicherding, zugleich Organistin, die auch das schulische Üben der Kirchenlieder betreute. Meine Blockflöte habe ich noch und in der Verpackung steht das Verkaufsdatum, sonst hätte ich nicht gewusst, dass die Flöte im Mai 1972 gekauft wurde und ein Geschenk zur Firmung war. Die einzige Erinnerung an den Flötenunterricht ist so abstrus, dass ich sie hier festhalten muss, auch damit ihr etwas zum Schmunzeln habt. Der Flötenunterricht wurde so abgehalten, dass alle gleichzeitig irgendwelche Lieder aus dem Notenbuch spielten. Neue FlötenschülerInnen oder diejenigen, die durch Fehler auffielen, wurden mit einer Assistentin hinausgeschickt – und mussten in dem Vorraum der Toilette, die Noten auf dem Handwaschbecken :-), so lange üben, bis der Ton oder die Tonfolge gelangen. Blockflötenkindheit ist für mich immer verbunden mit dem engen Toilettenvorraum – und natürlich weihnachtliches Vorspielen vor der Bescherung 🙂