(18.08.2020) Na gut, es war am Samstagabend nicht nur „Ein seltsames Paar“ im Schlosshof, sondern auch dessen Freunde und Nachbarinnen sowie gut 150 BesucherInnen der Premiere der Schlossspiele Hohenlimburg 🙂 Und die beiden Herren, die das seltsame Paar gaben, waren nur in ihren Rollen als einerseits chaotischer und andererseits pedantischer Wieder-Single seltsam, eigentlich waren sie Profi-Schauspieler. Claude-Oliver Rudolph als Oscar und Dario Weberg als Felix, die den großen Film-Vorbildern Walter Matthau und Jack Lemmon alle Ehre machten. Na gut, ich fange vorne an 🙂

„Ein seltsames Paar“

Ich stelle mir die Inszenierung einer Komödie, zu der es einen hochkarätig besetzten Kultfilm aus den USA gibt, nicht so leicht vor. Indra Janorschke hat sich für die diesjährigen Festspiele dieser Herausforderung gestellt und sie mit Bravour gemeistert. Das lag natürlich auch an der treffenden Auswahl der  Darsteller, Claude-Oliver Rudolph als von Selbstbewusstsein strotzender Macho Oskar mit verstecktem Herz war ebenso gut getroffen wie Dario Weberg als ordnungsliebender, kleinkrämerischer, frisch verlassener Felix. Die Geschichte zeigt übrigens, wie man aus einer einfachen Situation eine witzige und abendfüllende Komödie machen kann, es geht nämlich nur darum, dass Felix von seiner Frau Francis aus dem Haus geworfen wurde und deshalb zu spät zur wöchentlichen Pokerrunde mit seinen Freunden Oskar, Vinnie und Speed eintrifft. Doch die Sorgen waren und sind unbegründet, so mutig ist Felix nicht. Während der schrullige Vinnie (Simon Jakobi) und der zupackende Speed (Stefan Schroeder) noch überlegen, wie es weitergehen könnte, hat Oskar bereits entschieden, dass Felix zu ihm zieht in die große Wohnung, in der nach dem Auszug seiner Frau Blanche ohnehin Platz genug ist. Ja, Oskar hat eben auch ein weiches Herz und er denkt auch nicht immer alles zu Ende, ob er sich sonst darauf eingelassen hätte das Mimöschen Felix mit seinem Faible für Ordnung und Kochen bei sich aufzunehmen. Aber wie heißt es so schön, watt denn eenen sien Uhl … – für uns Zuschauer ist die Situation optimal.

Herrlich, wie Dario-Felix jedes Stäubchen entfernt, mit der weißen Tischdecke und Schöpfkelle hantiert und verdruckst in der Ecke steht, wenn er mit den beiden Nachbarinnen Smalltalk machen soll. Die beiden Damen Gwendolyn (Betty Stöbe) und Cecily (Diana Gaertig) hat Oskar im Aufzug getroffen und eingeladen, um endlich wieder einen schönen Abend in weiblicher Gesellschaft zu verbringen. Der Abend fing auch ganz schön an, bis Oskar kurz verschwand, um Eis zu holen, und Felix die Konversation übernahm und die Damen mit Fotos seiner Familie und herzzerreißendem Schluchzen eroberte. Das wirft selbst den stärksten Oskar um. Aber wirft er daraufhin seinen Freund aus der Wohnung? Das muss man selbst erleben! Klar ist, das wird ein vergnüglicher Theaterabend mit tollen Darstellern, witzigen Dialogen und Verrücktheiten für Insider, die ich mir von der Jugend erklären lassen musste 🙂 – obwohl ich sie eigentlich der Jugend hätte erklären können müssen.

Und noch etwas zum Drumherum

Früher, als Corona noch nicht unser Leben bestimmte, hätte ich die Rahmenbedingungen des Abends und der Schloss-Spiele Hohenlimburg nicht erwähnt. Aber das Drumherum ist so liebevoll und einladend gestaltet, dass es eine Erwähnung wert ist. Statt in Reihen sitzen die ZuschauerInnen an mit Decken und Deko versehenen Bierzelttischen. Getränke und kleine Speisen werden an den Tisch gebracht. Die Mund-Nase-Bedeckung wird bis zum Platz getragen und wenn man – wie ich natürlich – umherhuscht, um ein paar Bekannte mit Abstand zu begrüßen 🙂 Aber ich habe mich zurückgehalten, möchte ich betonen. Ich habe bei der Premiere von vielen gehört, dass ihnen diese Variante mit Tisch und Getränken so gut gefällt, dass sie gerne immer bleiben kann – ohne Bedienung, aber mit Gelegenheit, ein Getränk abzustellen. 🙂

Ein weiteres Highlight ist die Illumination des Schlosses durch Atomic Nightlife Events, in diesem Jahr in Regenbogenfarben, so schön! Heute setze ich mich weit nach hinten, Fritz Eckenga kann ich ja hören und dabei die tolle Beleuchtung genießen 🙂 Wer also noch keine Karte für einen der Abende hat, sollte sich sputen – aber bitte nicht bei mir anrufen wie die Dame heute, die meinte, sie hätte sonst nirgendwo jemanden erreicht und einfach mal meine Nummer gewählt, die hätte irgendwo im Zusammenhang mit dem Schlossspielen gestanden 🙂 – ich habe ihr dann an die Telefonnummer von der Buchhandlung am Rathaus gegeben, weil ich gesehen hatte, dass sie eine Hagener Vorwahl hatte. Dort wird man sich auch fragen, welche Verrückte denn diesen Tipp gibt 🙂 Aber ich habe an das Motto der Schlossspiele gedacht: „Zusammenhalten“ und ehe die Frau keine Karten bekommt, … © 2020 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de