(28.10.2021) Das Buch „Frauen in der Hagener Geschichte“, das vom Deutschen Frauenring e. V. Ortsring Hagen 1996 herausgegeben wurde, steht schon lange in meinem Bücherregal. Die Bleistiftanmerkungen zeigen auch, dass ich es durchgearbeitet habe – bis auf die Einleitung, die ich jetzt endlich gelesen habe. Dabei habe ich festgestellt, dass das Buch vor 25 Jahren im Rahmen des 250. jährigen Stadtjubiläums erschienen ist. Ein Name hat mich neugierig gemacht, dem würde ich gerne nachgehen, was nicht leicht ist, wie ich bei einer ersten Internetrecherche feststellte, doch dazu später, hier ist der Satz: „Denn wir betrachten unser Lesebuch als einen Anfang der Frauengeschichtsdokumentation in Hagen.“ Meine Frage ist nun: War es Anfang oder zugleich Ende? Was ist seither in Richtung Frauengeschichte in Hagen geschehen? Im Rahmen des 275. Jubiläums ist mir bisher nichts begegnet. Habe ich das übersehen? Dann bitte gerne Hinweise. Mein Interesse hat das Thema auch deshalb jetzt geweckt, weil ich beim Rundgang durch die Ausstellung im Osthausmuseum irgendwann dachte: Das ist aber extrem männerlastig. Nicht, dass ich den Männern ihre Verdienste absprechen möchte, aber ich bin sicher, dass viele Frauen einen Beitrag zur Stadtentwicklung geleistet haben, allerdings nicht so öffentlich.

Zum Buch „Frauen in der Hagener Geschichte“ von 1996

Die Initiative zu dem Buch kam 1996 von fünf Hagenerinnen bzw. in Hagen wirkenden Frauen, die alle im Deutschen Frauenring Mitglied waren: Elisabeth Blankenagel, Lieselotte Funcke, Dietlinde-Linscheidt-Modersohn, Dr. Inge Michalowski und Ilse Strate. Sie haben damals ausgezählt, wie viele Frauen und Männer durch eine Straßenbenennung geehrt wurden, 8 Frauen und 140 Männer. Das war der Anstoß, sich umzuschauen, welche Frauen in Hagen gewirkt haben und teilweise vergessen wurden. Der Plan war: „Ein Buch über bedeutende Frauen in der Geschichte der Stadt herauszugeben, sie der Vergessenheit zu entreißen, ihnen mit der Aufzeichnung ihrer Leistungen ein Denkmal zu sehen und damit den heutigen Hagenerinnen Vorbilder und Identifikationsmöglichkeiten anzubieten.“ Dies schien den Herausgeberinnen damals dringend nötig und mein Eindruck ist, nötig ist dies auch heute noch. (Schaut euch nur die Liste der Hagener Persönlichkeiten auf der städtischen Website an sowie die Liste der „Persönlichkeiten der Stadt Hagen“ bei Wikipedia.)

Bei der Auswahl der Frauen, über die Beiträge geschrieben wurden, haben sich die Herausgeberinnen vom Quellenmaterial und ihren persönlichen Vorlieben leiten lassen und mussten feststellen, dass es über manche Frauen keine Informationen gab. Das war noch vor Einführung des Internet, doch dazu unten mehr. Da viele Biografien nicht nachvollzogen werden konnten, hofften die Herausgeberinnen auf bisher unbekanntes Material, um Lücken zu füllen oder für eine weitere Buchauflage. Ist dieses vielleicht irgendwo angekommen?

Die Frauen aus dem Buch

Biografien der folgenden Frauen, die in Hagen geboren, gelebt und/oder gewirkt hatten, fanden am Ende Eingang in das Buch, das übrigens antiquarisch weiterhin erhältlich ist – hier in der chronologischen Reihenfolge wie im Buch, die Bezeichnungen habe ich ebenfalls übernommen:

  • Unternehmerin Louise Catharina Harkort (1718-1795)
  • Eleonore Vincke (1788-1826)
  • Engagierte Bürgerin Pauline Thulemeyer (1809-1868
    Gründerlin des Vaterländischen Frauenvereins Agnes-Hilda von Hymmen (1845-1892)
  • Malerin Ida Gerhardi (1862-1927)
  • Älteste promovierte Frau Hagens Auguste Elbers (1863-1938)
  • Schriftstellerin Mina Hartig (1869-1947)
  • Abgeordnete im Preußischen Landtag Anna Oventrop (1878-1932)
  • Politikerin Gertrud Bäumer (1873-1954)
  • Tanzlehrerin Alice Scotti (1878-1966)
  • Stadtbildhauerin Milly Steger (1881-1948)
  • Frauenrechtlerin und Pionierin der Sozialarbeit Li Fischer-Eckert (1882-1942)
  • Gründerin der Hildegardis-Schule Maria Ludgera Klostermann (1882-1962)
  • Kämpferische Christin Eleonor Liebe-Harkort (1884-1958)
  • Malerin Lis Goebel (1884-1970)
  • Pionierin der Geschichte der Gymnastik Margarete Schmids (1889-1971)
  • Mathematikerin und Pädagogin Margarethe Goeb (1892-1962)
  • Malerin Grete Penner (1892-1972)
  • Demokratin der ersten Stunde Luise Rehling (1896-1964)
  • Hilfe für Hausfrauen und Mütter Elisabeth Wolff (1900-1991)
  • Gründerin des DPWV in Hagen Grete Blickle (1901-1992)
  • Schriftstellerin und Historikerin Ellen Soeding (1904-1987)
  • Kirchenmusikdirektorin Käthe Hyprath (1904-1991)
  • Unternehmerin Betty Brandt (1906-1984)
  • Erste DGB-Frauensekretärin in Hagen Anne Diehl (1906-1991)
  • Gründerin des Deutschen Frauenrings in Hagen Margarete Kunisch (1907-1991)
  • Erste Leiterin des Osthausmuseums Herta Hesse-Frieslinghaus (1910-1989)
  • Künstlerin Eva Niestrath (1914-1993)
  • Hagener Operettendiva Rita Zorn (1921-1991)

Obwohl ich neugierig bin und schon immer einen Blick auf weibliche Vorbilder habe, sind mir in 14 Jahren in Hagen manche Namen noch niemals begegnet. Als ich die Namen jetzt abschrieb, fiel mir auf, dass ich doch nicht alle Beiträge gelesen hatte, aber ein Name kam mir bekannt vor – ich habe für mein Buch „Hagen – Porträt einer Stadt“ die Opernsängerin Cornelia Dietrich interviews unt sie erzählte, dass sie u. a. durch Käthe Hyprath zunächst zur Kirchenmusik gekommen war. So schließen sich Kreise.

Meine ersten Recherchen zum Buch

25 Jahre sind vergangen, seit das Buch erschienen ist – mir war klar, dass manche der Autorinnen und Herausgeberinnen inzwischen verstorben sein könnten. Von Liselotte Funcke wusste ich das natürlich. Was mich aber wirklich verwundert, dass ich über die Herausgeberinnen – Frau Funcke ausgenommen – fast nichts gefunden habe. Dr. Inge Michalowski war wohl auch Vorsitzendes des Vereins zur Rettung von Schloss Werdringen, aber mehr fand ich über sie nicht, Ilse Strate taucht als sachkundige Bürgerin von 2005 bis 2007 im Frauenbeirat auf und ich vermute, dass sie es auch war, die 2017 als älteste NRW-Absolventin des Sportabzeichens geehrt wurde und am 21. Oktober 2019 verstorben ist, anscheinend hat sie sich bis ins hohe Alter für die Stadt eingesetzt und u. a. für das Carl-Baumann-Relief am Westfalenbad engagiert. Über Elisabeth Blankenagel und Dietlinde Linscheidt-Modersohn fand ich keine Informationen. Auch einen Ortsring Hagen vom Deutschen Frauenring gibt es nicht mehr, bei dem ich mich erkundigen könnte. Aber ich bleibe am Ball und verschicke jetzt zuerst einige E-Mails und rufe dann die einzige Autorin aus dem Buch an, die ich kenne, vielleicht finde ich dort weitere Informationen.

Frauen, die Hagen bewegt haben

Aber ich möchte nicht nur zurückschauen, vielmehr möchte ich, dass bei einem Rückblick auf Hagen in 25 oder 50 Jahren mehr Frauen zu sehen sind. Daher sammle ich hier Links zu Frauenporträts (auch Webseiten oder Selbstporträts) von Frauen, die aus Hagen und in Hagen etwas bewegt haben. Bitte schreiben Sie mir, posten Sie in den Sozialen Netzwerken oder sprechen Sie mich gerne an, wenn Sie mich sehen. © 2021 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de