(27.08.2021) Irgendwie ist das Hagener Stadtjubiläum, 275 Jahre Stadtrechte, an mir in diesem Jahr vorbeigelaufen, ok, wohl eher in Shutdowns versunken. Aber je näher der eigentliche Jubiläumstermin, der 3. September, rückt, umso mehr rückt es in den Mittelpunkt. Bei mir zumindest, dank Friedel Hiersenkötter, der sich in die Stadtgeschichte reingefuchst hat und uns davon bei der Premiere seines neuen Programms am Mittwochabend im Rahmen der Schlossspiele Hohenlimburg einen informativen, amüsanten und tiefgründigen Einblick gegeben hat.

Hagen ist älter als man denkt

275 Jahre sind nicht wirklich eine lange Zeit, wenn man ehrlich ist, selbst Hohenlimburg hat vorher die Stadtrechte bekommen, 1242 nämlich, da rührte Friedel in einer Wunde mancher Hohenlimburger im Publikum. Auch sonst wirkten einige an manchen Stellen not amused, während wir Zugereisten uns ausschütten wollten vor Lachen. Doch dazu später, erst einmal führte uns Friedel Hiersenkötter weit zurück in die Zeit, als die Neanderthaler Hagener Luft atmeten und sich manch einer in der Blätterhöhle zur Ruhe bettete, nicht ahnend, dass er 6.000 Jahre später als ältester Westfale oder älteste Westfälin oder gar als älteste diverse Person ausgegraben und Ruhm erlangen würde. Nicht die einzige besondere Ausgrabung in Hagen, die auf eine weitaus ältere Geschichte als 275 Jahre verweist. Am Kaisberg wurden, so Friedel, Schwerter aus Gold (oder war es Bronze?) gefunden und gesichert. Allerdings zeigte sich schon damals eine Eigenschaft der Stadt Hagen, die für Friedel Hiersenkötter auch auf dem Hagener Stadtschild stehen könnte: „Stadt der verpassten Chancen“. Statt nämlich den Fundort der Schwerter zu sichern, zog man mit der Beute davon und überließ den Rest sich selbst. Diese Geschichte kannte ich bisher nicht und habe gerade noch recherchiert, ob ich da womöglich Friedels Jägerlatein aufgesessen bin.

275 Jahre Stadt Hagen

Am 3. September 1746 wurden der Stadt Hagen endlich die Stadtrechte verliehen, nachdem sie bereits 1744 erstmals beantragt worden waren. Ab jetzt durfte sich Hagen Stadt nennen, was sich auch in einem repräsentativen Rathaus widerspiegeln sollte. Bis dieses endlich stand, vergingen einzige Jahrzehnte, in denen die Stadt sogar für sechs Jahre zu Frankreich gehörte! Im 19. Jahrhundert begann dann aber endlich der Hagener Aufschwung, ein Rathaus wurde gebaut, Unternehmen siedelten sich an und entwickelten sich, die Stadt wurde kreisfrei und der Hagener, na gut, Hasper, Friedrich Harkort und seine Familie sorgten dafür, dass Hagen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde. Manch einflussreiche Persönlichkeit und bekannte Marke starteten in Hagen ihren Siegeszug ins Land und in die Welt. Karl Ernst Osthaus brachte Kultur in die Stadt und in den 1990er-Jahren hieß es gar „Komm nach Hagen, werde Popstar“, und Hagen galt als deutsches Liverpool.

Hiersenkötters Stadtgeschichte

Was ich hier eher trocken referiere, hat Friedel Hiersenkötter natürlich amüsant, aber auch tiefgründig in seinem unnachahmlichen Hagener Ruhrpottslang erklärt, sogar in schöne Kapitel gegliedert, dessen Überschriften ich aber in meinen Notizen nicht entziffern konnte 🙂 Dabei hat er auch schwere Zeiten und ernste Themen nicht außen vor gelassen und so manches aus der Rubrik „Pleiten, Pech und Pannen“ wieder in Erinnerung gerufen. Apropos Pech – der Moment, als wir Zugezogenen uns nicht wieder einkriegten vor lachen war, als Friedel seine Jubiläumshymne sang, in der es heißt „Hagener haben beim Denken schon mal Pech“. Ich saß ziemlich weit hinten und das Publikum, das ich im Blick hatte, guckte ernst und wenig begeistert und ich fragte mich, wie der Abend wohl weitergehen würde. Aber am Ende gab es doch langanhaltenden Beifall für Robin Hiermer, der seit 1999 in Radio Hagen als Friedel Hiersenkötter das Geschehen in Hagen und in der Welt auf seine Weise analysiert. „Nobbert, mach mal `n Gedeck und `n Bremsklotz“ © 2021 Birgit Ebbert, www.birgit-ebbert-blog.de

Beitrag über Friedel Hiersenkötter im Theater an der Volme 2015 – auch schon eine Weile her 🙂