(14.07.2021/23.07.2021) Seit Montag bin ich vormittags in der Stadtteilbücherei Hohenlimburg, um mit sieben Kindern im Alter von zehn bis elf Jahren Hohenlimburger Geschichten 2.0 zu entdecken und aufzuschreiben. Die Texte und Geschichten fließen noch ein in den Stadtführer von Kindern für Kinder, der im Herbst fertig sein wird.

Tag 1 zwischen Warmwalzer und Kettenbrücke

Am Montag mussten wir uns erst einmal kennenlernen. Die drei Jungen und vier Mädchen kamen schon mit vielen Ideen über Besonderheiten in Hagen, sodass die Ideenwand bald voll war. Danach sind wir raus, um den Stadtteil zu erkunden. Da fast alle Kinder aus Hohenlimburg kommen und sich gut auskennen, habe ich ihnen überlassen, wohin wir gehen. So kamen wir an den Statuen von Warm- und Kaltwalzer vorbei und entdeckten im Lennepark „Brüderchen und „Schwesterchen“ und den „Fischreiher“, einen namenlosen Teich, in dem die Fontäne leider nicht in die Höhe schoß. Aber die Kinder wussten auch, dass es Bäume aus anderen Ländern gibt und einen Pfadfindergarten, den ich zuerst für eine illegale Abfallhalde hieß, bis sich die Europalette als Teil einer Sitzgelegenheit entpuppte Ich war gespannt auf die Kettenbrücke, die sich dann doch als normale Brücke entpuppte. Warum die Kinder sie als „Kettenbrücke“ kannten, wusste keiner Der Rundgang führte uns an einem alten Fabrikgebäude vorbei, in dem sich das Injoy befindet, auf das die sportlichen Kinder hinwiesen, und an einer kleinen Skate-Anlage, da ist man sich noch nicht sicher, ob sie für Anfänger geeignet ist oder sind. Zurück in der Bücherei stürzten sich gleich alle auf die Tablets, um weitere Informationen zu suchen, und am Ende des Vormittags waren die ersten zehn Texte fertig. Ein Kind hat außerdem eine tolle Beschreibung des Tages verfasst:

„Ganz am Anfang merken wir, dass zu Ehren von Pfadfinder_innen Schilder an den Bäumen sind. Das gehört zu einem Pfadfinderverband. Daneben ist ein eingezäuntes Gebiet. Man kann aber hineingehen. Der Zaun und eine Bank, die in dem Gebiet ist, sind wohl selbst gebaut worden. Innen ist ein Blumenbeet, an dessen Rand sind bunt angemalte Holzstückchen. Direkt daneben ist ein großer Teich, der manchmal eine große, hohe Fontäne besitzt. Gerade ist sie nicht an. Um einen weiteren Baum stehen Steine herum. Auf einem ist ein buntes Mosaik. Es gibt sehr alte Bäume und ungewohnte Baumarten. Der Park ist an der Lenne, zwischen dem Fluss und dem Park ist eine Wiese als Schutz vor Hochwasser. Später kommen wir an einen zweiten Teich. Dort gibt es eine andere Fontänenart. Sie funktioniert. Vor dem See gibt es eine Vogelstatue aus zwei Vögeln. Insgesamt gibt es im Lennepark viele schöne Blumen, Büsche, Blumenbüsche und Bäume! Die Blumenranken haben meistens eine Konstruktion aus Stahl und Holz. Zum Schluss sahen wir noch einen Spielplatz mit Klettergerüst, Schaukel, Sandkasten, Schaukelpferd und Hängematte. Dann lief man noch kurze Zeit durch einen Teil des Parks, in dem es keine besonderen Sehenswürdigkeiten gab. Und dann waren wir wieder draußen. Schade, dass es schon vorbei ist.“

Tag 2 Der Weltkugelbrunnen im kleinen Park

Für den zweiten Tag waren Unwetter angekündigt, sodass wir nach einer kleinen Einstimmungsrunde direkt wieder raus sind, um weitere Besonderheiten zu besuchen. Wieder durften die Kinder den Weg bestimmen und ich hatte keine Ahnung, was uns erwartete. Am liebsten wären sie den Berg rauf zum Möller-Denkmal gegangen, weil man von dort eine so tolle Aussicht hat. Das war mir bei der Wetterlage doch zu riskant. Also sind wir die Iserlohner Straße entlang und landeten schließlich bei einem wirklich schönen Brunnen, den ich noch nie gesehen hatte – auch nicht auf einem Foto bei Facebook. Einen Hinweis auf Namen und Geschichte des Parks haben wir nicht gefunden. Das wurde übrigens insgesamt kritisiert, dass man weder bei den Skulpturen im Lennepark noch an dem Brunnen ein Schild fand, wann die Kunstwerke von wem aus welchem Grund angebracht wurden. Dank meines Denkmal-Führers aus dem Ardenku-Verlag konnten wir manches herausfinden, aber vom Weltkugelbrunnen war nur zu ermitteln, dass die Weltkugel 1974 von Schlossermeister Heinrich Pelzing aus Hohenlimburg gestaltet wurde. Sie wurde aufgestellt, als der Park nach Änderung der Straßenführung 1972/73 entstand. (vgl. Artikel in der Westfalenpost) Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Tagen erwartet und heute erst einmal, ob ich überhaupt mein Auto parken kann, nachdem der Starkregen Hagen in die Schlagzeilen gebracht hat und Hohenlimburg wohl besonders betroffen ist.

Tag 3 Nach dem ersten Hochwasser

Die Nachrichten aus Hohenlimburg und anderen Stadtteilen in Hagen waren heute nicht gut, durch den Starkregen in der Nacht, waren Häuser und Straßen teilweise zerstört. Da die Stadtbücherei in Hohenlimburg erreichbar war, bin ich trotzdem dorthin gefahren. Durch den Regen und die Aufarbeitung der Schäden des ersten (!) Hochwassers haben wir den Tag in der Bücherei verbracht, die Plakate für unsere Ausstellung bei der Abschlussveranstaltungen gestaltet, weitere Texte für Plakate verfasst und die Kinder haben Kinderkrimis mit Lokalbezug geschrieben. Dafür hatte ich zwei Kinderkrimis mitgebracht, die ich geschrieben hatte. In einem Buch ermitteln Bucki, Sisi und Kappe, von ihren Freunden die „Kletten“ genannt, und in dem anderen Buch Merle und Arian. Die Kinder konnten auswählen, wer in ihrer Geschichte agiert und sie hatten wirklich tolle Ideen, sogar einen Bezug zu Hohenlimburg haben sie eingebaut. Dieser Tag endete damit, dass ich einen meiner Krimis vorgelesen habe.

Und dann kam der nächste Starkregen und alles war plötzlich anders. Die beiden geplanten Workshop-Tage mussten ausfallen wegen der Folgen des Hochwassers. Am 23. Juli wird die Abschlussveranstaltung nicht öffentlich im kleinen Kreis stattfinden. Vorher werde ich noch einige Zeit mit den Kindern verbringen. Wir werden die Plakate fertigstellen, Arbeit ist ja eine gute Möglichkeit, sich etwas abzulenken, alles andere überlasse ich den Kindern. Ich weiß noch nicht, ob und wie sie vom Hochwasser betroffen sind und waren, aber aus meiner jahrelangen Arbeit mit Kindern weiß ich, dass das Gespräch über solche Erlebnisse immer hilft.

Tag 4 Acht Tage nach dem zweiten Hochwasser

Die Überreste der Wildwasserbahn, die wir noch vor zehn Tagen bewundert haben.

Heute war der letzte Tag des Workshops „Hohenlimburger Geschichten 2.0“ mit einer tollen Abschlussveranstaltung unter besonderen Bedingungen, nämlich Corona und Hochwasser. Zunächst haben die Kinder von ihren Hochwassererlebnissen erzählt, die ganz unterschiedlich waren, von „nichts mitbekommen“ bis zu „mein Vater war zwei Tage in Dahl eingeschlossen“ war alles dabei. Ich hatte den Eindruck, dass es den Kindern gut tat, ihre Erlebnisse zu erzählen. Danach ging es dann direkt an die Arbeit, die Plakate mussten fertiggestellt und die Abschlussveranstaltung vorbereitet werden. Am Ende blieb noch Zeit für einen Rundgang durch Hohenlimburg, um mir noch ein paar Tipps für den Stadtführer zu zeigen, die ein Teilnehmerkind nächste Woche beschreiben wird. Sie hat sich nämlich spontan entschieden, noch eine Woche dran zu hängen und beim Kulturrucksack auf der Springe mitzumachen. So etwas und auch, dass sich zwei Mädchen beim Workshop kennengelernt und befreundet haben, sind die kleinen Neben-Motivationen, weshalb ich es liebe, Workshops durchzuführen. Und weil die Kinder einen Workshoptag weniger hatten, habe ich ihnen als Lektüre für die Sommerferien noch je ein signiertes Buch von „Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung“ mitgegeben. Aber im Herbst sehen wir uns ja wieder, bei der hoffentlich großen Präsentation des Stadtführers von Kindern für Kinder im Rahmen des Hagener Jubiläumsjahres. © Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de