(20.05.2022) Als ich in der letzten Woche in Nürnberg war, habe ich ein kleines Zeitfenster genutzt, um das Spielzeugmuseum zu besuchen. Ich fühlte mich tatsächlich so, als hätte eine Zeitmaschine mich in einer anderen Epoche abgesetzt – in manchen Räumen zumindest. Manche Spielzeuge waren so alt, dass selbst ich mich nicht daran erinnern konnte, was die Faszination noch erhöhte.

Spielzeug aus Papier

Natürlich bin ich vor allem an den Spielzeugen aus Papier stehen geblieben – ich finde es so beeindruckend, was aus diesem einfachen Material hergestellt wurde und denke dann immer, es brauchte eine Offensive, um das Mittel Papier wieder mehr wertzuschätzen, weil heute so viel Altpapier entsteht. Aber ich schweife ab. Leider war der Katalog des Museums nicht mehr verfügbar, darauf hatte ich mich verlassen und habe nicht zu jedem Papierexponat die Geschichte notiert. Auf jeden Fall gab es ein holländisches Schattentheater von 1850 und „Herzblättchens Theater von Gustav Siegert“ aus der Zeit um 1880 und die Faltperspektive, die mich schon in der Laterna Magica in Mülheim fasziniert hatte. Ich habe hier schon lange eine Anleitung für eine solche Faltperspektive liegen, aber selbst im Shutdown hatte ich da keine Muße für. In dem Museum habe ich außerdem erfahren, dass die Vorläufer der Zinnsoldaten und anderen Aufstellfiguren aus Papier waren, in der Ausstellung standen welche aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Figuren haben mich an die Ausschneidebogen erinnert, die es in meiner Kindheit als Werbemittel oder für ein paar Pfennig bei Ihr Platz gab, schade, dass die meine Kinderzeit nicht überlebt haben.

Meine Reise in die Kindheit

Nicht nur die 200 Jahre alten Papierfiguren haben Erinnerungen hervorgerufen, in einer Vitrine standen alte Spiele und bei dem Flohspiel in dem Holzfässchen fragte ich mich, ob ich das nicht auch einmal besessen habe oder bei Verwandten gespielt. Auch ein Hütchenspiel, bei dem man mit einer Plastikhand allerdings ein Hütchen in ein Gitter treffen musste gab es bei uns und natürlich das Angelspiel. In der obersten Etage waren zudem Spielzeuge und Spielmaterialien aus den Jahren 1945, 1950 bis 1990 ausgestellt, manches kannte ich aus meiner Kindheit, manches aus Erzählungen und einiges aus meiner Zeit als Medienpädagogin tauchte plötzlich wieder auf. Sofort sah ich mich mitten in der Diskussion über He-Man und andere Actionfiguren. Aus dem Jahr 1945 waren übrigens Papierfiguren zu sehen, die Kinder selbst gebastelt hatten! Interessant fand ich auch, dass es 1910 ein Spiel mit dem Titel „Kartenhäuser“ gab, eine Packung mit Spielkarten, die mit kindlichen Motiven versehen waren. 😊

Sonderausstellung Rassismus und Kolonialismus im Kinderspiel

Es gab wirklich sehr viel zu sehen in dem Museum, solltet ihr einmal in Nürnberg sein, lohnt sich der Besuch wirklich – ich habe ja noch nicht über die Teddys, Puppen, Metallspielzeugen, Autos, Eisenbahnen … geschrieben, es ist wirklich für jedes Interessengebiet etwas dabei. Besonders interessant fand ich die Ausstellung über Rassismus und vor allem Kolonialismus im Kinderspiel – das ist schon erstaunlich und erschreckend, welche negativen Eigenschaften die Produzenten den farbigen (sagt man das noch oder wieder oder so, ihr wisst schon, was ich meine) Puppen oder Figuren in Geschichten zugeschrieben haben. Ein Objekt wurde deshalb nicht ausgestellt, aber ich fand die anderen Modelle schon grenzwertig. Ich erinnere mich, dass meine Schwester einer Puppe mit schwarzer Hautfarbe hatte, aber das war auch alles, was diese Puppe von Puppen mit heller Haut unterschied. Das war wohl mal anders! Die Ausstellung finde ich deshalb interessant und wichtig, weil sie zeigt, wie nebenbei und schleichend Botschaften vermittelt wurden und werden – und das nicht nur in Bezug auf andere Völker und Kulturen!

Kurzum, ein Besuch, der mich amüsiert und nachdenklich gestimmt hat und den ich sicher wiederholen werde, wenn ich noch einmal in Nürnberg bin. © 2022 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de