(06.06.2020) Premiere und Titel des gestrigen Programms im Theater an der Volme waren im wahrsten Sinne des Wortes doppeldeutig, das Programm wurde erstmals gespielt und das nach drei Monaten coronabedingtem Bühnen-Aus und das Theater lebt weiterhin, trotz des Aufführungs- und Berufsverbots der beiden Inhaber Indra Janorschke und Dario Weberg. Dank der Unterstützung von vielen Seiten haben die beiden es geschafft, in der Zeit den Mut nicht zu verlieren, auch wenn sie sich schweren Herzens vom liebgewonnen Werdringer Theatersommer verabschieden mussten. Viele geplante Inszenierungen sind nicht möglich, weil nicht alle Darsteller auf die kleine Bühne passen würden, abgesehen davon, dass die abendlichen Einnahmen bei einer Drittel-Auslastung ein großes Ensemble gar nicht erlauben würden. Aber es geht weiter!

It’s My Life – eine Zeitreise in die 90er-Jahre

Gestern Abend wurden wir von Dario Weberg und Karolin Kersting mitgenommen auf eine Zeitreise in die 90er-Jahre. Mit kleinen Erinnerungsschnipseln und Musik aus jener Zeit gelang es den beiden, das Publikum für eineinhalb Stunden den Alltag vergessen zu lassen. Vom 70er-Jahre-Hit „Kingston Town“, 1989 gecovert von UB40, über die erste Single von Britney Spears „Baby One More Time“ von 1998, von Udo Lindenbergs „ich lieb dich überhaupt nicht mehr“ vor einer Likörelle-Kulisse bis zu „Nothing Compare 2 U“ aus dem Jahr 1990 von Sinéad O’Connor – wir bekamen ein buntes Musikspektrum geboten. Inhaltlich wie stimmlich, ich bin wie der ganze Weberg-Fanclub 🙂 immer begeistert von Darios Darbietungen, aber noch mehr beeindruckt von der stimmlichen Bandbreite von Karolin Kersting. Da fällt es mir dann manchmal schwer, trotzdem zu fotografieren, weil ich am liebsten nur zuhören möchte. Zwischen die Songs haben die beiden kleine Facts aus den 90er-Jahren eingestreut, teilweise in Quiz-Form, der Vorteil des kleinen, aber besonders feinen Publikums war, dass sogar Belohnung durch den Zuschauerraum geworfen werden konnten J Dass Tamagotchi der heiße Sch… von 1997 war, wusste ich sogar noch, weil diese Dinger die letzte Neuentwicklung war, mit der ich mich als Jugendschützerin beschäftigen musste. Das gilt ebenso für „Tutti Frutti“ und die Talkshow-Welle jener Jahre, die immer Thema bei meinen Vorträgen waren. Die Filme „Pretty Woman“, „Titanic“, „Mission Impossible“ hätte ich nicht zuordnen können, wann Berlin wieder Hauptstadt wurde, hätte ich allenfalls an meinem Lebenslauf errechnen können – jetzt weiß ich es wieder, auch, seit wann die Grenzen in Europa offen sind. Kurzum: Der Abend war eine gelungene Melange von Information und Musik, zwischendurch konnten wir mitwippen und klatschen und manche haben sogar mitgesungen, glaube ich. Ich habe einige der Gesangsbeiträge gefilmt, da wäre mitsingen nicht wirklich optimal gewesen 🙂 Ich weiß noch nicht, ob die Aufnahmen brauchbar sind, aber ein paar Fotoeindrücke kann ich schon rausrücken.

Theater in der Corona-Zeit

Sonst beende ich meinen Bericht immer nach der Beschreibung mit einer Empfehlung die ich für diesen Abend auf jeden Fall auch ausspreche. Aber in der jetzigen Zeit ist alles ein bisschen anders. Ich bin selbst mit gemischten Gefühlen zur Premiere gegangen, weil ich bisher größere Menschengruppen bewusst gemieden habe und ich nicht wusste, wie das im Theater sein würde. Am nächsten Donnerstag werde ich erneut bei „Goethe und Beethoven“ dort sein und mit viel leichterem Herzen hingehen. Das Theater an der Volme hat es geschafft, die Plätze im Zuschauerraum auf ein Drittel zu reduzieren, ohne dass man sich verloren vorkam oder das Gefühl hatte, in einem „Notprogramm“ zu sein. Ich bin sicher, wer noch nie vorher im Theater an der Volme war und jetzt dort zu Gast ist, wird denken, das sei dort immer so. Jeweils zwei Stühle stehen nebeneinander, was logisch ist, weil außer mir ja doch fast alle Besucher in Begleitung kommen. Dazwischen stehen Bistrotische, auf die man sein Getränk abstellen kann, das zum Tisch gebracht wird. Für Einzelbesucher wie mich gibt es am Gang Einzelplätze – auch da ist der nächste Tisch gut erreichbar, sodass auch ich nicht auf meinen Aperol Spritz verzichten musste 🙂 Wenn ihr also mal wieder raus möchtet, gönnt euch einen Theaterbesuch. Das TheaterHagen spielt auch wieder, da war ich noch nicht, deshalb kann ich zur Lösung nichts sagen, aber das corona-beeinflusste Erlebnis im Theater an der Volme kann ich wirklich empfehlen – inhaltlich und corona-präventiv. Hier findet ihr den Plan für die nächsten Wochen.

Kultur in schweren Zeiten

Enden möchte ich mir einer Bitte: Nutzt die Möglichkeiten, Theater zu besuchen und andere Kulturveranstaltungen, ob Autokino oder Online-Konzerte. Kulturschaffende sind Freiberufler, wenn sie nicht auftreten dürfen, verdienen sie nichts, für sie springt kein Arbeitgeber ein und Kurzarbeitergeld gibt es auch nicht. Wenn ihr auch in einem Jahr noch Kulturgenuss erleben möchtet, müsst ihr euch engagieren – Tickets, Bücher, CDs etc. kaufen – vor Ort, nicht im Internet (!), Streaming-Angebote honorieren oder einfach spenden. Herzlichen Dank und vielleicht sehen wir uns – im Theater, auf der Straße, im Internet oder hoffentlich bald auch wieder Face to Face im Biergarten. © Juni 2020 Birgit Ebbert

Die nächsten Termine von „It’s My Life“: 11.07., 19.30 Uhr, 31.07. 19.30 Uhr, 05.09. 19.30 Uhr