(20.04.2022) Kürzlich ist mir aufgefallen, dass ich völlig vergessen habe, über das spannende Projekt zu berichten, an dem ich im letzten Herbst teilgenommen habe. Ok, ich war mit einem spannenden Romanprojekt beschäftigt und mit Eichhörnchen Fridolin unterwegs. 😊

Über „Lesen & Schreiben in Echtzeit“

In dem Projekt, das vom Deutschen Literaturfonds e.V. im Rahmen von Neustart Kultur gefördert und vom Friedrich-Bödecker Kreis im Land Berlin e.V. ging es darum, digitale Unterstützung für neue hybride Lesungsformate zu entwickeln. Die Idee war, im Rahmen des Projektes ein digitales Tool zu entwickeln und dieses im Rahmen einer analogen oder virtuellen Lesung in Berlin zu testen. Autor*innen und Medienkünstler*innen konnten sich für die Teilnahme bewerben; ich habe mich mit meinem Roman „Ego-Trip. Computerrallye für die Schule“ beworben, weil ich schon beim Schreiben des Buches immer eine mediale Umsetzung im Kopf hatte. Nach einem Zoom-Meeting, bei dem wir fast alle Beteiligten kennengelernt haben, hat der Projektleiter Frank Reiniger die Autor*innen und Künstler*innen zu Tandems zusammengebracht, dazu hatte er die Künstler*innen ihm mitzuteilen, zu welchem Buch sie sich eine Umsetzung spontan am ehesten vorstellen konnten.

Die Projektphase

Meine Tandempartnerin war Sylvia Burghold, eine Illustratorin und Medienkünstlerin aus Berlin, sie zeichnet einerseits Bilder für Bücher, arbeitet aber auch künstlerisch mit Bild und Text und ist sehr fit im Umgang mit Software und digitalen Medien. Besonders gefreut hat mich, dass sie mein Buch als Wunsch für eine Kooperation angegeben hatte. Ich habe es ihr dann sofort geschickt, damit sie weiß, wovon ich rede, wenn ich ihr meine Ideen schreibe. Wir wussten sehr schnell, was wir wollten:

  • Ein interaktives Tableau, mit dem man simulieren kann, welche Fragen der Protagonist, Mike, in Ego-Trip im Rahmen der Computerrallye beantworten muss.
  • Ein Intro, mit dem ich den Übergang zwischen allgemeiner Erzählung in dem Roman und Bericht über Mikes Spielverlauf akustisch und visuell hervorheben kann.
  • Eine Vorlage für eine Art Handout, Postkarte, Lesezeichen o.ä., das ich den TeilnehmerInnen der Lesung mailen oder überreichen kann.

😊 Ich dachte, danach könnte ich mich zurücklehnen und abwarten. Weit gefehlt, Sylvia wollte wissen, welche Abschnitte ich lesen würde und so habe ich ein Basiskonzept für eine mediengestützte Lesung entwickelt, die aus folgenden Abschnitten besteht:

  • Begrüßung, Vorstellung und Information über die Situation des Protagonisten
  • Einsatz des Trailers, wann immer ich Kapitel mit dem Titel „Level“ lese
  • Lesephasen
  • Einblenden des Schnipsel-Tableaus zwischen den Lesephasen und Gespräch mit den Jugendlichen, wie sie die Frage beantworten würden

Damit Sylvia das Schnipsel-Tableau realisieren konnte, musste ich aus dem Roman die Fragen heraussuchen, die in der Computerrallye vorkommen. Ich dachte, ich hätte das für die Lehrkraft-Handreichung zum Buch schon gemacht, hatte ich nicht, also habe ich es jetzt nachgeholt. Das sind Fragen wie

  • Was war das gefährlichste Erlebnis in deiner Kindheit?
  • Was fällt dir ein, wenn du an deinen ersten Schultag denkst?
  • Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Die Fragen in dem Roman zielen einerseits darauf ab, dass mein Protagonist sich an Knackpunkte in seinem Leben erinnert, die ihn auf die falsche Bahn gebracht haben und dazu, ein türkisches Mädchen niederzuschlagen. Andererseits sind es Anknüpfungspunkte, aus dem Teufelskreis von Aggression und Gewalt durch Hinwendung zu den eigenen Stärken herauszufinden.

Nach diesen Vorarbeiten konnte ich mich dann zurücklehnen und Sylvia werkeln lassen. Sie hat mir Skizzen geschickt, wie sie sich die Umsetzung vorstellt und einen technischen Entwurf für das Tableau – wie sie es hinbekommen hat, dass ich in einem PDF herumklicken kann und etwas passiert, ist mir bis heute ein Rätsel 😊

Die Abstimmung war super und völlig reibungslos, sodass wir Mitte Oktober fertig waren. Leider verzögerten sich aus organisatorischen Gründen die Lesungsoptionen in Berlin, als die Termine dann feststanden, musste ich feststellen, dass ich da bereits andere Verpflichtungen hatte. Deshalb bin ich die einzige, die noch keinen Probelauf hatte ☹ Falls ihr also Lehrer oder Lehrerin seid und Lust habt, das auszuprobieren, meldet euch gerne.

Mein Fazit zum Projekt

Die Idee, durch Medien eine Lesung aufzupeppen, finde ich spannend und ich freue mich, dass ich für das Buch, zu dem so etwas passt, nun Material habe. Je mehr ich mich aber mit der Frage digitaler Lesungen beschäftigt habe, umso stärker wurde mein Eindruck, dass alle Lesungen – ob digital oder analog – davon leben, ob der Funke zwischen Lesendem, Buch und Publikum überspringt. Nun bin ich jemand, die ohnehin wo sinnvoll und möglich Bilder oder Gegenstände zur Auflockerung einsetzt, die gerne mitten im Lesen eine Anekdote zur Entstehungsgeschichte einbaut und die ohnehin mit Händen und Füßen redet, bei mir ist also immer Action 😊. Das geht in allen Formaten. Aber ich finde den Roman „Ego-Trip“ nach wie vor aktuell und wichtig und da passen die digitalen Tools optimal. Daher danke ich Frank Reiniger, dass er mich in das Projekt aufgenommen hat, Sylvia Burghold, dass sie so passende Tools entwickelt hat, und dem Friedrich-Bödecker-Kreis Berlin-Brandenburg e. V. für das Projekt sowie dem Deutschen Literaturfond e. V. für die Finanzierung über „Neustart Kultur“. © 2022 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de

PS: Ich hatte das Projekt durch Bilder auf Facebook & Instagram dokumentiert, die passten jetzt gut als Illustration 😊

Kleine Linksammlung zum Projekt 🙂

Information zum Projekt

Instagram-Seite von Sylvia Burghold

Link zur Buchseite von Edition Zweihorn