(03.09.2021) Heute genau vor 275 wurden Hagen die Stadtrechte verliehen. Das Osthausmuseum ermöglicht daher in mehreren Ausstellungen ab dem 4. September einen Blick auf die Geschichte der Stadt und blickt sogar über das Heute hinaus.

Geschichte und Stadtgesellschaft

In einer Ausstellung wird in Verbindung mit dem Stadtmuseum daran erinnert, was die Stadt ausmacht und bestimmt hat. Hier sind Bilder von Bürgerinnen und Bürgern zu sehen, manche von ihnen sind bekannt, andere haben die Geschicke der Stadt dadurch mitbestimmt, dass sie sich engagiert, wählten, hier arbeiteten, die Stadt bevölkerten. Von prominenten Hagener*innen finden sich im „Hagener Wohnzimmer“ Exponate wie der Kinderwagen von Lieselotte Funcke, die Schreibmaschine von Ernst Meister und die Staffelei von Emil Schumacher. Über die Grenzen der Stadt hinaus bekanntgemacht haben Hagen auch die Produkte und Marken, die hier entwickelt wurden, die Varta-Batterien zum Beispiel, Brandt-Zwieback oder das Modehaus Sinn. Natürlich darf der Hammer nicht fehlen, mit dem die Grundsteine für drei Rathäuser gelegt wurden, die kuriose Geschichte der Hagener Eiche wird ebenso dokumentiert wie Andenken aus Hagen, die aus der Bevölkerung vorgeschlagen wurden.

Die Musikszene der 70er- und 80er-Jahre

In den 70er-Jahren war die Stadt Hagen ein zentraler Ort in der Musikbranche, Alles begann mit der international bekannten Band „Grobschnitt“, die 1971 gegründet wurde. Dies ist eine Ausstellung mit viel „Futter“ für die Reise in die Musikgeschichte, na sagen wir, in die eigene Jugend, zumindest für diejenigen, die in den 60er- bis 80er-Jahren jung waren – ich sag nur: Schlaghose & Co. Die Ausstellung über „Grobschnitt“ im neuen Museum wird ergänzt um eine Ausstellung mit Porträts von Ennow Strelow, der u. a. als Porträt- und Theaterfotograf beim Theater Hagen gearbeitet hat, und Hagener Persönlichkeiten und Originale aus den 70er- und 80er-Jahren fotografiert und um kurze Geschichten ergänzt hat.

Kunst von und zu Ernst Meister

Eine weitere Ausstellung zeigt 30 von 60 Kunstwerken des Hagener Lyrikers Ernst Meister, die dem Osthausmuseum geschenkt wurden. Dazu sind in einem Extra-Raum 13 Bilder von Horst Becking zu sehen, die er nach Gedichten von Ernst Meister gemalt hat.

Modell der „Grünen Brücke“ für Hagen

Neben der Vergangenheit und Gegenwart findet sich in der Gesamtausstellung auch die Zukunft in Form eines Glasmodells einer „Grünen Brücke“. Die Vision ist, die Betonbrücke, die bereits im Rahmen der „Kulturhauptstadt Ruhr.2010“ im Mittelpunkt des Projekts „Sehnsucht nach Ebene 2“ stand, in eine grüne Brücke zu verwandeln. Vorbild für die Idee ist ein Projekt aus New York, wo eine stillgelegte Bahntrasse zu einer High Line umgestaltet wurde, die inzwischen zu einer der Attraktionen der Stadt gehören. Im Osthausmuseum ist das Modell zu sehen, das mir zumindest Lust auf Lesen, Schreiben, Klönen im Grünen macht.

Viel zu gucken, zu denken, zu lernen und zu erinnern

Das ist mein Fazit nach dem Rundgang durch die Ausstellungen im Osthausmuseum, es ist für jeden Geschmack etwas dabei, es gibt viele Anregungen, sich zu erinnern und nachzufragen und – für mich als Autorin immer spannend – viele Geschichten hinter den Objekten. So habe ich bei der Pressekonferenz schon von den Grobschnittmusikern Eroc und Lupo ein bisschen etwas zu manchen Exponaten erfahren. In jedem Fall lohnt es sich, nach Führungen durch die Ausstellung Ausschau zu halten, denn auch die Mitarbeiterinnen des Stadtmuseums hatten einige interessante Hintergrundinfos zu erzählen. Ein schönes Projekt zum Stadtjubiläum, das Einheimischen und Zugereisten die Vielfalt der Stadt näherbringt. © 2021 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de

Weitere Informationen zur Ausstellung, die vom 4. September bis zum 21. November zu sehen ist: www.osthausmuseum.de