(28.09.2020) Wenn wir eines gelernt haben in den letzten Monaten, ist es Abstand zu halten, aber was ist, wenn urplötzlich der Halbbruder in der Wohnung steht und nicht wieder geht? In einem Stück von Stefan Schroeder sind dann viele skurrile Szenen vorprogrammiert, die bei der Premiere von „Mit Abstand die Besten“ am Freitagabend im Theater an der Volme für viel Spaß und Gelächter sorgten.

Und darum geht‘s in „Mit Abstand die Besten“

Ralf Stellmach, Lebensmittelchemiker an einem Forschungsinstitut, wurde wie so viele im März 2020 zum Home-Office verdonnert. Er kämpft damit, in seiner 42 m²-Wohnung ein Büro einzurichten, als unverhofft nach fünf Jahren sein Halbbruder Anton vor der Tür steht. Das Gartenhaus, in dem er gelebt habe, sei abgebrannt und er brauche ein Dach über dem Kopf, klagt er. Ralf versucht standhaft zu bleiben, immmerhin hat sein Bruder sich nicht einmal bei der Beerdigung des gemeinsamen Vaters blicken lassen. Aber dann kommt es wie immer in seinem Leben, er kann sich nicht durchsetzen und Anton macht sich in der Wohnung breit. Auf die Hygienemaßnahmen, die Ralf austüftelt, pfeift er. Nicht nur das, er nutzt auch Ralfs Laptop, um eine Karriere als Internet-Starkoch zu starten und mischt sich in die Zoom-Meetings des Bruders ein.

Da trifft zu allem Überfluss auch noch eine Botschaft des verstorbenen Vaters ein, der sich ein gemeinsames Fest seiner zerstrittenen Angehörigen wünscht. Um sie zu motivieren, hat er – zu Lebzeiten ein gefeierte Starkoch – die Teile eines besonderen Rezepts an Schwester, Ehefrauen und Kinder verteilt, das sie nur kochen können, wenn sie sich zusammentun. Aber wie das so ist im Leben, ein Teil der Rezepte ist längst im Altpapier verschwunden, also versucht Anton mit Kreativität und – nein, nicht Spucke, sondern Rizinusöl und anderen seltsamen Dingen – das Rezept umzusetzen. Ob das gelingt? Guckt’s euch auf der Bühne an 🙂

Die Inszenierung von Stefan Schroeder

„Mit Abstand die Besten“ ist ein echtes Corona-Stück, die Idee kam Stefan Schroeder und Dario Weberg, als sie darüber nachdachten, wie Theater mit Abstand aussehen könnte. Entstanden ist eine außergewöhnliche Inszenierung mit acht DarstellerInnen, von denen nur zwei auf der Bühne stehen. Simon Jakob als vorsichtiger, wenig durchsetzungskräftiger Wissenschaftler Ralf Stellmach und Dario Weberg als aktionistischer Anton Stellmacher erzählen die Geschichte auf der Bühne. Per Audio und Video wird die Familie der beiden, Diana Gärtig als Managerin Sabine Stellmache, Sigrid Janorschke als Ralfs nörgelnde Mutter, Indra Janorschke als tiefenentspannte Tante Mechthild, Stefan Schroeder als Onkel Georg und Bettina Stöbe als Antons genervte Mutter zugeschaltet. Karolin Kersting taucht als Kollegin Florence auf und Stefan Schroeder noch einmal als Ralfs Chef Professor Panowski. Die Zuschaltungen und einige andere Inszenierungstricks gaben der Geschichte einen zusätzlichen Drive und sorgten für amüsante Momente jenseits der Dialoge, die allein schon wert sind, sich das Stück anzuschauen.

Möglich ist das schon am kommenden Wochenende, sowohl am Samstag, 3.10., um 19.30 Uhr als auch am Sonntag, 4.10., um 18 Uhr zeigen Ralf und Anton Stellmach, dass sei „Mit Abstand die Besten“ sind 🙂 © 2020 Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de

Karten und weitere Informationen: www.theaterandervolme.de